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am 7. Oktober 2008
Das "Dicke Buch Titanic" rekapituliert 20 Jahre "Titanic" von 1979 bis 1999, nach Epochen gegliedert -- wenn man's mal so nennen will: Die frühen Jahre , die etwas späteren Jahre, die mittleren und natürlich die späten Jahre. Die noch späteren gibt's allerdings nicht; der Band wurde 1999 zusammengestellt. Immer imitierte "Titanic" den Stil jener Fachzeitschriften für die wartende Dame bei Friseur und Zahnarzt, mit Institutionen resp. dem etwas anderen redaktionellen Teil (Briefe an die Leser...), immer wieder neuen festen Rubriken (Last Exit Sossenheim; Hannelore, Helmut und die Bubb'm...), sensationellen Enthüllungen (Hitlers Poesiealbum, Die SPD-Führung ist breit, Das Bimssteinzimmer...) und Breitseiten auf die Hochkultur, von Manufactum-Katalog und FAZ-Fragebogen bis ganzseitiger Lacôme- und Mercedes-Annonce...
Nicht nur dem, der leichtsinnig genug war, die schärfsten Hefte auszuleihen, dürfte die Wiedersehensfreude sicher sein. Viele, viele Glanzleistungen sind nämlich mit an Bord, in all ihrer Bosheit, ihrer Pietätsmissachtung, ihren Spitzen gegen die Weichteile der Gesellschaft.
Analog zum Werdegang der Bundesrepublik kann man auch den Werdegang des Magazins verfolgen; jede "Epoche" wird kurz, scharf und hinterhältig eingeleitet. Stumpf wurden die Waffen niemals, und Hochkomik war und ist drin, wo "Titanic" draufsteht. Aber jeder Chefredakteur hat andere Vorstellungen, und womöglich haben sich die Leser mitsamt ihren Erwartungen, mithin die mit schnödem Mammon zahlende Kundschaftsmonarchie, im Lauf der Zeiten ja auch in mancher Hinsicht verändert...

Freilich wechseln Mitarbeiter und Chefredakteure, doch die "Neue Frankfurter Schule" mit Eckhard Henscheid, Robert Gernhardt, Friedrich Waechter, Chlodwig Poth, F.W. Bernstein und anderen Schwergewichten fuchtelt souverän mit dem Szepter herum, und denen war und ist nichts heilig: Kohl natürlich, der Glücksfall für jeden Satiriker, aber auch die "Roten Strolche" von der SPD, Barschels Badewanne, Hitlers Tagebücher, Aids-Betroffenheit und Papst, Weltuntergang und Neonazis, iranische Fatwas und Freddie Mercury, Lady Dis und FJSs Ableben, Genschers reges Reisen und internationale Bundeswehr-Einsätze... Nein, vor nichts wurde zurückgeschreckt, kein aktuelles Thema war sicher. Auch Lesers Schmerzgrenze nicht, nicht mal die.

Zu Zeiten des Redaktionsschlusses fürs Buch gab Martin Sonneborn den Chefredakteur, und allein schon seine Telefonterror-Aktionen zu aktuellen Themen waren monatlich das Geld wert. Und die Abenteuer der "Roten Strolche", und "Der Führer privat"... Komisch waren sie immer, und dass man als selbsternannter kritischer Leser manches dann doch geschmacklos fand, spricht für die satirische Schärfe. Die etwas andere Chronik über 20 Jahre Bundesrepublik eben.
Die Objekte der Satire wandelten sich ein wenig, sogar des Kanzlers Name lautete gelegentlich anders. Kein Wunder, dass auch der Stil sich wandelte: Sowa zeichnet anders als Deix, und Henscheid textet anders als Max Goldt. Was aber bleibt: Versammelt ist hier die Crème de la crème der Satirikerzunft; man denke an Henscheid, einen wichtigen Verfasser der "Briefe an die Leser", an Gernhardt, an Simone Borowiak... Freilich wird hier nicht jeder all seine Lieblings-Watschen in Richtung nationale und internationale Prominenz vorfinden, aber insgesamt enthält die Zusammenstellung doch die vollsten Treffer. Repräsentativ eben, wie es sich gehört. Zwar ist leider manches gekürzt, so z.B. der Telefon-Terror gegen die damalige SPD-Prominenz: Hier bleiben leider die intellektuellen Offenbarungseide damaliger Hinterbänkler weg, aber Schröder, Scharping und Lafontaine (!) dürfen sich nochmal grandios blamieren. Und auch "Zonen-Gabis erste Banane" fehlt leider, dieses reinrassige Paradepferd politischer Unkorrektheit.

Vergleicht man diese Titanic-Retrospektive mit aktuellen Ausgaben, so muss man leider feststellen: Früher war mehr Lametta, pardon, mehr Pfeffer natürlich. Ein weiteres Argument für das "dicke Buch Titanic".
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am 17. Oktober 2000
Kein schnöder Sammelband, wie der flüchtige Leser vermuten könnte, sondern ein m.E. nach einmaliges Literatur-Ereignis liegt hier vor: Die jüngste deutsche Geschichte der letzten 20 Jahre wird von den Autoren Zippert und Knorr quasi "nacherfunden", frei nach dem Motto: Wie hätte es auch sein können? Und, weit interessanter: Wie hätte TITANIC, das einflußreiche Frankfurter Satire-Magazin, darauf reagiert? Kein leichtes Unterfangen, denn hinter dem Markenzeichen TITANIC steht eine äußerst heterogene Masse von Autoren und damit eine mindestens ebenso große Anzahl von Tonfällen, Perspektiven und Eigentümlichkeiten. Doch das Kunststück gelingt; denn alles ist mit großer Präzision und Kunstfertigkeit nachgezeichnet, in einigen Fällen, etwa bei Robert Gernhardt und Ingrid Marschang, läßt die "Fälschung" das "Original" sogar weit hinter sich. Warum dem Band allerdings eine CD mit Richard Wagners "Walkürenritt" (in zehn verschiedenen Aufnahmen, u.a. mit der RIAS-Bigband unter Horst Jankowski, einer gesummten a capella Variante des jungen Glenn Gould sowie einer gänzlich mißglückten Schlager-Version der Gruppe "Wind") beigelegt ist, verstehe, wer will. Gutheißen kann man es jedenfalls nicht.
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am 13. August 2000
Die MS-Deutschland darf hier untergehen! Dank den Frankfurter Satireprofis darf sich ja bekanntermaßen ein jeder auf die WM 2006 in unserem Lande freuen. Aber noch mehr haben die Autoren im Laufe der Jeschichte zusammengeferkelt. Viel mehr. Viel Geld verloren haben sie dabei auch. Kurzum: Wer respektlose, zum Teil auch absurde Satire schätzt, der kommt um dieses umfangreiche Kompendium nicht herum. Konkurrenzlos? fast (bis auf attacke.com keine in Sicht) Nötig? So sehr wie Backförmchen in der Wüste! Witzig? 5 Sterne!
Support your local boobs!
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am 2. Februar 2000
Auch im zwanzigsten Jahr des Bestehenens hat sich im Haus TITANIC nichts geändert: Die flaue und peinliche Selbstbeweihräucherung der beiden "Herausgeber" Zippert und Knorr (Wieso dürfen ausgerechnet die beiden talent- und geistlosesten den Jubiläumsband betexten?)kann kaum über die Geistlosigkeit und Plattheit der Beiträge hinwegtäuschen. Wie auch? Das Ganze ist lieblos zusammengehauen, das Layout wie üblich eine Katastrophe, und die Druckqualität hätte man selbst in Lettland besser hingekriegt. Herzlichen Glückwunsch!
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