In diesem Werk versucht der Autor, das Schicksal des KKW Bruno Leuschner bei Lubmin anhand der Politik der sg. Wendezeit zu erläutern. Diese Studie ist recht gut dokumentiert, und zeigt, dass die Stilllegung des KKW eine rein politische Frage war, die den Unwahrheiten des Sensationsblattes Spiegel mehr Gewicht beigelegt hat als den Gutachten der Expertenkomission(en). Offenbar haben da die wirtschaftlichen Interessen bestimmter Industriezweige und Unruhestiftergruppen obskurer Bedeutung mitgespielt, ganz unabhängig von den technischen Fehlern, die den Ingenieuren des VEB KKW längst bekannt waren, die aber während der DDR-Zeit nicht entfernt werden konnten, weil das mit "Kritik am Grossen Bruder" gleichbedeutend war. Dass die Politiker mit der Unwissenheit der Betroffenen im Gebiet Wirtschaft gespielt haben, geht aus der Analyse in den letzten Kapiteln hervor. Falsche Aussagen wie die Identifizierung der WWER440/213 mit dem Tschernobylreaktoren waren gewiss keine Verwechslung, sondern eine gezielte Attacke, die die sowjetische Technik zu diskreditieren versuchte. Das das gelungen ist, zeigt die heutige Energiekarte im Osten. Bemerkenswert ist die tatsache, dass nirgenswo etwas über die Havarie im KKW der vereinigten Staaten Three Mile Island 1979, wo die Angestellten weitaus hilfsloser waren als in Lubmin 1975. Es geht aber vor allem darum zu zeigen, wie schlecht man im Osten gearbeitet hat (laut Westen).
Das Buch kann man jedem empfehlen, der sich eine aseptische Analyse der Problematik wünscht.