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Im ersten, gut 60 Seiten umfassenden Teil des Buches die unterschiedlichen Aspekte heutiger Mutterschaft aufgegriffen und hinsichtlich der historischen Bezüge eingeordnet. Hierbei wird mit der Illusion der schon über Jahrhunderte bestehenden Kernfamilie aufgeräumt und gezeigt, wie sich die Familienstruktur tatsächlich in den letzten Jahrhunderten verändert haben. Wie sich die Familienstrukturen heutzutage darstellen, wird anhand einer Gegenüberstellung von normativen versus nicht-normativen Lebensformen sehr treffend beschrieben. Unter Zuhilfenahme statistischer Zahlen wird der Anteil von Eineltern-Familien an allen Haushalten oder von betroffenen Scheidungskindern sowie die Gesamtfertilitätsrate pro Frau erläutert. Weitere Aspekte, wie z.B. Haushaltsgröße, Berufstätigkeit oder das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen werden in Bezug zur Mutterschaft gesetzt.
Fünf unterschiedliche Familienmodelle werden miteinander verglichen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Mutter-/Vaterrolle, das Erziehungskonzept und die Auswirkungen auf die frühe Mutterschaft. Zum Ende dieses ersten großen Buchteils werden dann die diversen Veränderungen für die Eltern auf den unterschiedlichen Ebenen (körperlich, psychisch, sozial, soziokulturell und beruflich) beschrieben.
Der zweite Teil des Buches stellt die Diagnose und Therapie von Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen in der frühen Mutterschaft in den Mittelpunkt. Dieses große, fast ein Drittel des Buches ausmachendes Kapitel erfordert viel medizinisches und psychologisches Fachwissen. Insbesondere der Teil, welcher die Auswirkungen neuroendokriner Regulationsstörungen auf die schwangere Frau beschreibt, ist sehr fundiert und nimmt eine hohe Zahl an Untersuchungsergebnissen zu Hilfe. Hierbei wird aber sehr gut verdeutlicht, dass die Ausprägungen von Depressionen auch von dem Zusammenspiel der Hormone und Neurotransmitter abhängig sind. Die hierbei verwendeten Graphiken unterstützen die Textausführungen. Im folgenden werden dann zusätzlich zu den Depressionen auch Angst- und Zwangsstörungen näher betrachtet. Dabei werden die unterschiedlichen Auswirkungen auf die Paar- und Elternbeziehung sowie das Umfeld beschrieben.
Sehr hilfreich sind dann am Ende dieses Kapitels die Ausführungen zu unterschiedlichen Therapieformen. Neben der Pharmako- und Psychotherapie (in den Settings Einzel-, Paar, Gruppentherapie) werden die Behandlungen mit Hormonen oder mit Licht sowie die Elektrokrampftherapie hilfreich dargestellt. Ergänzend hierzu werden auch die Babymassage, Hausbesuche, Naturheilmittel, Ernährung und Selbsthilfegruppen beschrieben. Es ist auffällig, wie in diesem Bereich des Buches diverse Schwierigkeiten und persönlich-intime Bereiche bei der Begegnung mit und Behandlung von Menschen, die depressiv sind, angesprochen werden.
Im letzten großen Teil des Handbuches befindet sich das Therapiemanual für insgesamt 12 gruppentherapeutische Sitzungen. Diese sind systematisch aufeinander bezogen und beziehen auch Aufgaben für den häuslichen Bereich mit ein. Der gruppenbezogene Ansatz setzt auf die Techniken der Kognitiven Therapie und bezieht insbesondere die Elternrolle in den Gruppenprozess ein.
Das äußerst umfassende Literatur-, Namen- und Stichwortverzeichnis vollendet dieses Therapiehandbuch. Es gehört in die Hand eines jeden Menschen, welcher Mütter mit Depressionen begleitet, behandelt oder therapiert. Ob Ärzte/-innen, Psychotherapeuten/-innen, Psychologen/-innen, Geburtshelfer/-innen oder Sozialpädagogen/-innen in Kliniken, freien Praxen oder Beratungsstellen: hier finden sich umfassende Hintergrundinformationen und Therapiehinweise. Daneben kann dieses Buch auch Betroffenen und Angehörigen wirksame Hilfen vermitteln. Einige Graphiken, Tabellen und Abbildungen mehr hätten zwar die Lesbarkeit noch mehr erhöht; dennoch im Gesamten ein Buch, dass umfassend, konstruktiv, fachlich-fundiert, kritisch und hintergründig informiert und therapeutische Hilfe vermittelt,...damit die Mütter (und nicht nur sie) „wieder Zuversicht gewinnen"!
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