Die Einführung von Lama Surya Das gibt einen guten Einblick in die Zeit und das Leben Lama Anagarika Govindas und beschreibt den Einfluss, den Govinda auf viele einflussreiche Amerikaner hatte, unter ihnen Ram Dass, Gary Snyder und Allen Ginsberg, die Govinda persönlich in Indien aufsuchten. Andere haben ihn gelesen und sind von seinen Schriften und seinem Leben inspiriert worden, seiner persönlichen Unterweisung und seiner Kunst. Man sagt Govinda eine große Bescheidenheit und Ruhe nach und nicht zuletzt eine sehr würdevolle und Achtung gebietende Wesensart. Surya Das betont, dass Govinda der erste Lama aus dem Westen war, dem seitens der Tibeter volle Anerkennung und Respekt zuteil wurden. Durch seine Schriften, Unterweisungen und Reisen habe er den Wissensfundus des tibetischen Buddhismus, seine Weisheitslehren, seine Kunst, Ikonografie und seine Formen der Kontemplationspraxis, aber auch das östliche Denken ganz allgemein, für die moderne Welt bewahrt und sie verbreitet und die spätere Entwicklung vorweggenommen. Dies geschah lange bevor andere Pioniere im Westen aktiv wurden etwa Shunryu Suzuki, Chögyam Trungpa oder Maharishi Mahesh Yogi. Surya Das berichtet auch von seinen persönlichen Erfahrungen und Begegnungen mit Govinda. Eine zweite ausführliche Einführung des Herausgebers Richard Power bietet eine weitere Vertiefung in Leben und Werk.
Die Texte Lama Anagarika Govindas, die an Aktualität nichts verloren haben, vermitteln die Tiefe und den Umfang seines Wissens, dies wird schon aus der Themenauswahl ersichtlich. So ist er sowohl mit dem Werk Teilhard de Chardins vertraut, dem ein ganzes Kapitel gewidmet ist, als auch mit dem Werk des Schweizer Philosophen Jean Gebser. Er versteht es gut die Grundaspekte des Buddhismus verständlich und interessant darzulegen, die vier edlen Wahrheiten werden erläutert, der innere Transformationsprozess und der Begriff der Leere. Im Transformationsprozess liegt nicht nur die Quelle von Leid und Vergänglichkeit, sondern auch die Quelle allen geistigen Lebens und Wachstums, so Lama Govinda.
Dazu betont Lama Govinda immer wieder, wie wichtig es ist in der Welt zu leben und das Meditationspraxis nicht bedeutet, den Intellekt abzulehnen und sich von allem Weltlichen abzuwenden. Auch der Wille, im transpersonalen Sinne, ist für die Durchführung der eigentlichen Praxis von großer Bedeutung, hier zitiert er den italienischen Psychiater Roberto Assagioli. Es geht darum, ein Leben in Extremen zu vermeiden und den Weg der Mitte zu gehen. Meditation ist keine Regression und Rückkehr in primitive Bewusstseinszustände, sondern ein Übersteigen gewöhnlicher Bewusstseinszustände, eine Transzendenz. Es gilt, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Individualität und Universalität, der Verbundenheit mit allem was ist. Eine bloße Erweiterung des Bewusstseins, etwa durch Drogen, bleibt wertlos, solange sie nicht in die eigene Mitte integriert wird. Und auch lediglich auf intellektueller Ebene entfaltete Gedanken und Erkenntnisinhalte müssen anhand unmittelbarer Lebenserfahrung verifiziert werden.
Das Buch ist geeignet für Leser, die sich mit Buddhismus und Meditation vertraut machen wollen oder ihre Kenntnisse vertiefen möchten, und bietet zahlreiche interessante Ansatzpunkte und Gedanken.