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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Chronik einer Krankheit und des Lebens,
Von Manfred Orlick (Halle, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 100 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: An den Flüssen, die strömen: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Senhor Antunes" liegt in einem Lissaboner Krankenhaus. Der Arzt hat Krebs diagnostiziert. Kaum ist die schreckliche Wahrheit ausgesprochen, beginnen für ihn die Totenglocken der Kirche zu läuten und ein Trauergeleit zieht zum Friedhof hin. Da ist die Vorstellung von der igeligen Frucht eines Kastanienbaumes in seinem Körper noch zurückhaltend.Im Frühjahr 2007 verbringt "Senhor Antunes" zwei Wochen in einem Krankenhaus, um sich einer Darmkrebsoperation zu unterziehen. Während dieser Tage voller Hoffen und Bangen führt er Tagebuch, es sind Aufzeichnungen zwischen Verzweiflung und Schmerzen. Darin verweben sich Erinnerungen an seine Kindheit und verschiedene Episoden aus seinem Leben. Er lässt also noch einmal sein Leben Revue passieren. In seinem neuen Buch "An den Flüssen, die strömen" erzählt der weltberühmte portugiesische Schriftsteller António Lobo Antunes ganz offen von seiner Krebserkrankung. Der Krebs ist zwar operabel, aber der Erfolg ungewiss. Das bedeutet für den Autor, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen: dies könne auch der Anfang vom Ende sein. So lässt Antunes sein literarisches Alter Ego mit seinem Schicksal hadern. Diese gefühlte Todesnähe bringt noch einmal die biografischen Momente in Erinnerungsfetzen hervor. Wie ein Film im Zeitraffer laufen die unzähligen Episoden der Vergangenheit zwischen den Visiten und Krankenbesuchen ab. Sie überlagern sich mit widersprüchlichen Reminiszenzen und unangekündigten Schmerzen. Der Patenonkel, die Großmutter im Morgenmantel oder das Dienstmädchen, das im Hühnerstall die Eier suchte ... sie alle treten im Fieberwahn an sein Krankenbett. Er sieht ihre Gesichter und sie reden mit ihm. Mitunter ist ihm alles gleichgültig und er wünscht sich nur, dass die störende Fliege in seinem Krankenzimmer bleibt. Immer wieder wird auch der Fluss Mondego erwähnt, an dessen Quelle der Patient als Kind stand und der am Ende ins offene Meer mündet. Er ist gleichsam Sinnbild für den Fluss des Lebens. Die reichlich zweihundert Seiten sind wie eine prosaische Bildfolge eines Lebens, die Schilderung eines Alptraums. "An den Flüssen, die strömen" ist sicher das persönlichste und ergreifendste Buch von António Lobo Antunes. Manfred Orlick Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Angst und Fieberträume....,
Rezension bezieht sich auf: An den Flüssen, die strömen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wer von diesem Buch, das während einer schweren Krebserkrankung entstanden ist, Aufschluss über Leid und Tod im herkömmlichen Sinne erwartet, der wird zunächst verwundert sein. Antonio Lobo Antunes, der hoch gerühmte portugiesische Dichter, hat seine Visionen, die er im Ausnahmezustand einer schweren Darmkrebserkrankung erlebt hat, aufgeschrieben. Sie entführen uns in eine Welt, die nicht mehr die unsere ist.Langen poetischen Ausflügen gleich erreichen uns Satzfetzen, mit denen wir zunächst nichts anzufangen wissen. Sie sind wirr und ungeordnet. So also fühlt es sich an, wenn man sich im Fieberwahn befindet! Wenngleich die Gedanken keine Zusammenhänge aufweisen, kann man doch die Ängste und das Unbehagen spüren, in einer fremden Welt zu sein. Da tanzen Bilder vor dem inneren Auge des Erzählers, die an frühe Kindheit, Mutter, Vater und Großeltern erinnern. Unterbrochen von tiefen und zuweilen fast komatösen Schlafzuständen reißen die Erinnerungen immer wieder sehr plötzlich ab. Medizinische Handreichungen, Gespräche über den Kopf des Patienten hinweg, der vermeintlich gar nicht hört, worum es geht, schrecken ihn auf. Verschwommen wahrgenommene Glückwünsche, die Hoffnung auf Genesung versprechen, unterbrechen den Gedankenfluss. Vieles ist dem Erzähler unheimlich, und er weiß nicht, was mit ihm geschieht. In der Summe der Sätze steckt seine ganze Vergangenheitsgeschichte. Doch abgerissen und vom Schlaf unterbrochen stehen die Sätze im Raum, die den Leser animieren, sich selber aus den Gedankenfetzen einen Reim zu machen: " ...und er stieg nicht mit den Flüssen herunter, kleine Blätter taten es, ein Weidenzweig tat es kreiselnd, wir steigen nicht hinunter, Vater, Senhor Hélio und der Großvater auf der Veranda, und er glaubte nicht, dass die Großmutter den Großvater aus Angst akzeptiert hatte...." Dieses Beispiel zeigt, wie wenig zusammenhängend die Erzählung verläuft. Der Roman ist jedoch von einer ungeheuren Sprachgewalt und filigranen poetischen Ausdruckskraft. Man kann mitten im Buch, zu Beginn oder am Ende anfangen zu lesen: der Klang der Sprache bestimmt den Text und lässt uns staunen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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