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Wo das Meer beginnt
 
 
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Wo das Meer beginnt [Taschenbuch]

Bodo Kirchhoff
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 307 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1., Aufl. (März 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596172020
  • ISBN-13: 978-3596172023
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Bodo Kirchhoff
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Der erotische Silberblick Bodo - Kirchhoffs Roman «Wo das Meer beginnt» Von Andrea Köhler Wo das Meer beginnt, hört alles Gesicherte auf. Das Land und das Wissen, die Begriffe und ihre Bedeutung, der Boden für unser tüchtiges Ich. Dort, wo das Feste ins Flüssige übergeht, herrscht das Kommando der mondgesteuerten Wünsche, verliert sich die Rechthaberei der Reihenhauswelt und die ewige Frage: wozu. Hier, am Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt unseres Kontinents, diesem «trostlosen Endstück», wo die Küste wie ein Keil aus dem Wasser ragt, droht Absturzgefahr. Hier spielt – auch im übertragenen Sinne – Bodo Kirchhoffs neuer Roman. Neben Brigitte Kronauer hat nun auch Kirchhoff ein Buch vorgelegt über das Verlangen und sein spiegelndes, tobendes Element. Beide Bücher handeln von amore und mare, der Brandung des Herzens und der Flut der Hormone, den Wonnen einer entflammten Wahrnehmung und dem schnöden Diktat physischer Attraktion. Und doch sind die beiden Bücher so programmatisch verschieden wie ihre Titel, das poetische Nietzsche-Zitat «Verlangen nach Musik und Gebirge» und die Bahnhofsbuchhandlung-Überschrift «Wo das Meer beginnt». In dem ersten Buch muss man ästhetisch für alle Höhenregionen gewappnet sein, in dem letzteren soll man baden. Schmarren ohne Scham Bodo Kirchhoff, der das Etikett «Schundroman» seinem vorangegangenen Buch schon als Titel aufgeklebt hat, ist dem Genre der Kolportage seit je in augenzwinkernder Sympathie ergeben – anders gesagt, er rückt dem Trivialen literarisch so weit zu Leibe, dass sich der Leser dem Schmarren ergeben darf, ohne der Scham zu erliegen. Hier stellt einer die Mittel, mit denen er dem schnöden Unterhaltungsbedürfnis dient, sorgfältig aus – und zwar auf handwerklich hohem Niveau. Dieser artifiziell konstruierte Spiegeleffekt hat freilich immer auch eine eitle Note – man fühlt sich nicht nur notorisch zur Anerkennung der schriftstellerischen Fertigkeiten ermahnt, sondern kommt überdies nicht umhin, dabei dem Autor selbst zuzunicken – ein Effekt der sorgsam betriebenen Inszenierung seiner in lange Mäntel gehüllten aparten Erscheinung. Denn der Calvin-Klein-parfümierte Narzissmus von Kirchhoffs Helden schien stets auch der seine; und gern hat der Autor die erotischen Obsessionen seiner Protagonisten ins Zwielicht bisexueller Begierden getaucht. Dass wir uns «dem Appetit unserer Augen nach Schönheit» so wenig entziehen können wie dem Reiz der (sowohl menschlichen als auch ästhetischen) Zwittergestalt, ist das grosse Thema des Schriftstellers Bodo Kirchhoff. Das Hochglanzformat der männlichen Selbstverliebtheit war ihm dabei niemals ganz fern, nur dass er die Sprache der Wünsche zunehmend mit dem Raureif des Alterns behauchte. Auch in dem jüngsten Buch hat Kirchhoff den erotischen Silberblick eines alternden Mannes zum Thema eines zungenfertigen «Parlando» gemacht. So hiess nicht von ungefähr sein vorletzter Roman. Die Grauzone des Verlangens ist auch der Ort, «wo das Meer beginnt». – Wo das Meer beginnt, lässt sich in diesem Buch freilich auch unmetaphorisch bestimmen; es ist Lissabon, ein Ort, wo der Urgrund des Träumens in den Mauve-Farben der Melancholie an den Horizont gemalt wird. Infiziert von Saudade und einer Schwermut, die als das letzte Flüstern einer vor langen Zeiten verschwundenen Glorie erscheint, ist diese Stadt noch immer versponnen in das Vergehen einer vergangenen Zeit. Ein romantischer Ort mithin, um über die Liebe zu reden – über die Liebe und ihre vorgängige (und übrig gebliebene) Hälfte – «das traurige Ich». Unter dieser Überschrift veranstaltet der Erzähler Viktor Haberland am Goethe-Institut Lissabon einen Themenabend, zu dem – neben einer Fado-Sängerin und einem Hirnforscher, der die neuronalen Grundlagen romantischer Gefühle erforscht, auch eine verflossene Liebe erscheinen soll. Wobei das mit der Liebe und auch dem Erzähler so einfach natürlich nicht ist. Denn «die Liebe», die vor mehr als einem Dezennium «irgendwo am Rand der Alfama, wo die Gemütlichkeit endet und das wahre Typische anfängt», auf einer Klassenfahrt erste Blüten trieb, mündete später zu Hause in sexuelle Gewalt – oder wenigstens in einen diesbezüglich mehr als vagen Verdacht. Und auch der Erzähler schreibt nach all dem Gesagten natürlich nicht frei von der Leber weg, sondern tippt – das traurige Ich hat spätestens seit Goethes «Werther» einen mitleidenden Herausgeber – das Echo des mehrfach gebrochenen Redestroms seines Lehrers zehn Jahre später in den PC. Dieser Bericht des todkranken Dr. Branzger (eine Gestalt, die den Kirchhoff-Lesern nicht unbekannt ist) geht selbst noch einmal zurück auf das Protokoll einer Konferenz, das der Lehrer dem Abiturienten in mehreren Sitzungen vorlas und mit sarkastischen Kommentaren versah. Gegenstand des Schriftsatzes ist nämlich niemand anderes als der Abiturient Haberland, der im Heizungskeller des Gymnasiums «Hölderlin» mit einer jüngeren Schülerin auf einer Luftmatratze ertappt wurde. Das Mädchen bezichtigt Viktor anschliessend der Vergewaltigung. Die Konferenz dient der Wahrheitsfindung, wobei nicht nur die Frage, wo die Liebe aufhört und die Gewalt beginnt, Anlass zu allerlei pennälerhaften Spekulationen gibt, sondern – in einer reichlich gewagten Analogiebildung – auch der Assoziationsradius vom Golfkrieg zum Liebeskampf mitunter sehr kurz ausfällt. Natürlich kann man das Buch auch als Persiflage und juvenile Variation auf das Genre der Campus-Novel lesen – als eine Art Sitcom für die Oberstufe. Von der in Strenge und heimlicher Lüsternheit gereiften Rektorin Cordes über den Po-tätowierten Sportlehrer bis zum hennagefärbten und Thermoskannen-gerüsteten Ehepaar Stubenrauch entstammt der Lehrkörper jedenfalls der Holzkiste der Klischees, in der die grob gezimmerten Sportlehrerweisheiten von den subtileren An- und Absichten unseres Autors nicht immer zu unterscheiden sind. So oder so geht es um «die dunklen Seiten unserer Biografie, die uns dorthin begleiten, wo ein anderer nackt auf uns wartet». Das ist auch in Dr. Branzgers Fall – und im Rückblick erzählt – Lissabon, der Ort, wo das Meer beginnt. Denn auch Lehrer Branzger ist ein trauriges Ich – oder eher noch ein auf Lebenszeit einer einzigen Nacht hinterhertrauerndes Animal triste . Denn «wie alle schönen Zeiten im Rückblick noch etwas schöner [werden], können wir solche Zeiten nicht in ein späteres Bett hinüberretten». Die entscheidende Frage ist freilich: Was rettet diesen Roman? In der Trivialitätsfalle Dort, wo das Meer beginnt und die törichte Konferenz in den Hintergrund tritt, hätte auch dieses Buch anfangen sollen; es wäre vielleicht etwas mehr als ein Musterbeispiel tadelloser Schreibfertigkeiten geworden. Das ist dort, wo der Lehrer mit dem Bericht seiner Lebenserzählung beginnt, einer Erzählung, die das noch einmal entfachte Verlangen mit dem eindunkelnden Bewusstsein eines illusionslosen alten Mannes grundiert. Branzgers Begehren, das sich unterdessen auf Viktor Haberland richtet, ist der Fluchtpunkt dieses Romans; und indem Viktor die letzten Stunden mit Branzger später in seine Erzählung einbaut, sehen wir dessen Sterben als Datentransfer und Löschaktion zu. Viktor verbrennt die Notizen des Lehrers, sobald er sie in den Laptop getippt hat, wobei er stilistisch noch dessen Rat zu beherzigen sucht. Denn Erzählen war diesem Mann «das Sichaufschwingen zu einem Ton», der das Persönliche übersteigt. Und in der Tat ist die klangsicher intonierte und rhythmisch ausbalancierte Melodie dieser Prosa das Überzeugendste an dem Buch. Es gehört zum Wesen des Kitsches, dass er die «tiefere Weisheit» (und die Narrheiten des Gefühls) im süss-betörenden Brustton serviert, um den Hohlraum im Herzen zu übertönen. In dieser Hinsicht hat Bodo Kirchhoff die Grenze, wo der ironisch apostrophierte «Schundroman» aufhört und der Nippes beginnt, diesmal eindeutig überschritten. Es geht in der Kunst auch beim trickreichen Umgang mit dem Trivialen nicht anders zu als im wirklichen Leben: «Kein Geständnis kommt einem leichter über die Lippen als das Geständnis einer nicht empfundenen Liebe» – und nichts lässt einen enttäuschter zurück. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Viktor Haberland bereitet für ein deutsches Kulturinstitut in Lissabon eine Veranstaltung vor. In der Schauspielerin, die er dafür engagiert, erkennt er bald eine ehemalige Mitschülerin, mit der es vor vielen Jahren im Keller des Gymnasiums zu einer sexuellen Begegnung kam. Aber was ist damals wirklich passiert, und was passiert jetzt mit Viktor? Wo beginnt das Festland der Tatsachen und wo das Meer der Möglichkeiten?

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29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
"Wo das Meer beginnt" ist ein ungewöhnlicher Roman, da er fast in Gänze als Monolog erzählt wird. Nicht als Monolog des Ich-Erzählers Viktor, sondern seines "alten Lehrers" Dr. Branzger. Die Geschichte beginnt mit einer vermeintlichen Vergewaltigungsszene, in der der Abiturient Viktor seine Liebe Tizia nach einer Theaterprobe im Keller des Gymnasiums missbraucht haben soll. Der Leser erfährt erst am Ende des Romans den Tathergang. Inzwischen erzählt der nun erwachsene Viktor von seinen Gesprächen mit seinem alten Lehrer unmittelbar nach der angeblichen Tat. Dr. Branzger erweist sich als zynischer Jäger nach Wahrheit: Er will wissen, was wirklich im Heizungskeller passiert ist. Als Gegenleistung erzählt Branzger seinem Schüler von der anschließenden Lehrerkonferenz, wo über Viktors möglichen Auschluss von der Schule beraten wird. Der Deal erweist sich jedoch als einseitig: Branzger erzählt auf wunderbar böse Weise Anekdoten aus dem typischen Nach-Pisa-Lehreralltag eines Frankfurter Gymnasiums: Öko-Typen im Wollpullover, die Tee trinken; von Frauenhelden, die um die Gunst ihrer Schülerinnen buhlen; von unbefriedigten grauen Mäusen - man liest und erkennt wieder. Der Zyniker Branzger zeigt sich als hervorragender Beobachter, als moralistischer Misanthrop und als Liebender zugleich. Sein Interesse an Viktor geht über den reinen Willen zum Wissen weit hinaus. Viktor ist für ihn längst zum geliebten Vertrauten geworden.
"Wo das Meer beginnt" ist eine bemerkenswerte Parabel über Moral, Doppelmoral, die Macht der Leidenschaft und die Vergänglichkeit der Liebe. Kirchhoffs Erzähltalent ist von einer unglaublichen Souveränität. Ein wenig unnötig sind die Querverweise auf wahre Persönlichkeiten, wie Hilmar Hoffmann, Hannelore Elsner und Siegfried Unseld. Dennoch bleibt die Lektüre von "Wo das Meer beginnt" ein wahres Vergnügen.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Geniestreich mit Aussetzern 24. Februar 2005
Format:Gebundene Ausgabe
Über den Inhalt scheint mir hier schon genug gesagt zu sein. Was aber ist das Besondere?
Das Angebot ist reichlich. Durch den ganzen Roman zieht sich die Geschichte von der Lehrerkonferenz, in der es eigentlich um die Frage gehen sollte, ob Victor Haberland eine Mitschülerin vergewaltigt hat. Haberland selbst und der alte Lehrer Branzger treffen sich Jahre später und schließen den Pakt, daß Haberland erzählt, was am Vorwurf dran ist, und im Gegenzug Branzger, was in der Konferenz so alles los war - wer möchte das nicht gern einmal wissen. Die beiden treffen sich immer wieder und die Geschichte wird nach und nach aufgerollt, später angereichert vom klugen Lebensbericht des Alten und der Schilderung seiner Liebe zur jüngsten und attraktivsten Lehrerin Kressnitz.
In der Konferenz ging es weniger um das, was passiert ist, sondern, zunächst jedenfalls, ausschließlich um die reichlich vorhandenen Aversionen der Pauker, die sich, während sie über einen ihrer Schüler zu Gericht sitzen, demaskieren, was amüsant und geistreich erzählt wird. Die Lehrer, wie hier geschehen, erschöpfend und genau zu charakterisieren, war sicher aufwendig und schwierig, dürfte aber auch großen Spaß gemacht haben und ist ansprechender Lesegenuß - wie sie z.B. hemmungslos ihre Abneigungen selbstgerecht zum erhabenen Werturteil machen und somit ungewollt über sich selbst befinden anstatt über den Schüler. Gewisse Alt-68er, die den Durchblick gepachtet zu haben glauben, leider allerdings nicht mitbekommen, daß die eigene Frau sich seit Jahrzehnten mit den qualvollen Nachwirkungen einer Vergewaltigung herumschleppt, scheinen besondere Freunde auch des Autors zu sein. Das Erinnern an das traumatische Erlebnis führt immerhin bei dieser Lehrerin zu der Erkenntnis, daß die Schülerin, die hier das Opfer zu sein vorgibt, solche Qualen nicht auszuhalten hat und wechselt somit, ruckzuck, von einer vehementen Befürworterin des Rausschmisses zur Verfechterin des Verbleibes des Burschen auf der Schule, und ein Lehrer nach dem anderen schließt sich ihr in der Folge an, gleich wie heftig sie zuvor für das Gegenteil waren, und das nicht etwa, weil es irgend einen Beweis gegeben hätte, sondern ihren Abneigungen und Vorurteilen entsprach - mit Ausnahme eben von Branzger und Kressnitz. Er will seinen Schüler nicht verlieren, sie mag beide, hält, und das ist bemerkenswert, sowohl zu ihr als auch zu ihm, wohl auch, weil sie beide am besten kennt; denn sie hat die Theateraufführung geleitet, in deren Folge es zu dem Vorfall gekommen ist. Diese Konferenz zwingt zu einer erstaunlichen Erkenntnis: Wer bislang darüber geklagt hat, daß Juristen über Menschen urteilen, von denen sie rein gar nichts verstehen, wird eines Besseren belehrt. Bei Lehrern ist es noch schlimmer, für manche sicher ein schwacher Trost. Hier allerdings bedeutet es eine durchaus elegante Lösung der anstehenden Entscheidung. Auf diesen Zug können diese Lehrer nämlich auf einmal springen: Eine von ihnen kann sich nicht vorstellen, daß das junge Mädchen, das angebliche Opfer, die mit einer Vergewaltigung verbundenen seelischen Peinigungen auszuhalten hat, und schon sind sie für nicht schuldig, so einfach geht das.
Während Branzger also dem ehemaligen Schüler von der Konferenz berichtet, findet er immer mehr zu seinem eigentlichen Thema, und das ist alles, was mit der Liebe zu tun hat, nicht nur zwischen Mann und Frau, und führt ihn schließlich zielsicher zu seinem Liebeserlebnis mit Kressnitz, und das ist für mich der noch größere anrührende Höhepunkt dieses Romans. Also es geht um den alten, todkranken Dr. Branzger und die junge Lehrerin,(die in der Verfilmung der Konferenz von Sophie von Kessel gespielt wird). Diese Liebe muß unerfüllbar bleiben, man weiß das aufgrund der Erzählsituation, aber man würde es ohnedies spüren. Es ist ein wunderbares Zusammentreffen eines alten Mannes und einer jungen Frau, ein inniges Verstehen über Generationen hinweg. Man hätte das schon zuvor, vor den beiden, spüren können, wäre man nicht blockiert, was eine solche Konstellation angeht. Sie haben nämlich ganz wesentliche Übereinstimmungen, Weltsichten, Berufseinstellungen. Sie sind die einzigen, denen man sein Kind anvertrauen möchte, die einzigen unter diesen Lehrern, die man als „normale" Menschen empfindet unter den Lehrern oder anders ausgedrückt, die man nicht spontan in eine Therapie oder Analyse schicken möchte. Die Gemeinsamkeiten führen sie über das Trennende hinweg - für eine ganz knappe Zeit, was ihr tatsächliches Zusammensein betrifft, was auch von vornherein klar, gewissermaßen unausweichlich ist. Es ist sicher einer der Aspekte, die die Liebe zwischen „ungleichen" Partnern so intensiv und damit faszinierend macht, abgesehen davon, daß es sicher für zwei so prägnante Persönlichkeiten nicht nur einen Reiz darstellt, gegen alle Konventionen sich zu verhalten, sondern Ausdruck einer Auseinandersetzung mit gängigen Moralvorstellungen(und deren Überwindung) und sich selbst ist. Gemeinsamkeiten zwischen, oberflächlich gesehen, ungleichen Partnern sind immer intensiver (wenn auch hier immer noch nicht so drastisch wie in Philip Roth' „Der menschliche Makel", wo eine 34jährige Putzfrau und ein 71jähriger Professor zusammenfinden, was sogleich zum Anlaß genommen wird, den Gelehrten wegen Sexismus anzuprangern, da es in den Durchschnittskopf nicht hineinwill, daß hinter einer solchen Beziehung etwas anderes sich verbergen kann, übrigens auch dann, wenn die Putzfrau nicht Nicole Kidman ist). Das Wissen um die Vergänglichkeit verpaßt dem Ganzen einen besonderen Zug der Intensität und des Tragischen.

Man könnte noch mehr Glänzendes aus dem Roman anführen, um so unverständlicher daher, daß Kirchhoff etwa nach einem Drittel mit Frankfurter Provinzklatsch zu nerven beginnt. Abgesehen von niemanden interessierenden Örtlichkeiten, so schön ist Frankfurt nun einmal nicht, geht es auf einmal um die schöne Bürgermeisterin, seinen ehemaligen Verleger, eine Fernsehansagerin, und, man glaubt es nicht, um die Eintracht, mittlerweile Zweite Liga, was man von diesem Roman gleichwohl, Gott sei Dank, nicht sagen kann. Ich weiß nicht, ob ich der einzige bin, der das Buch, als das losging, erst einmal zur Seite gelegt hat. Erst nachdem Niki Steins tolle Verfilmung der aus dem Roman herausgeschälten Konferenz auf arte gelaufen war, habe ich es - zu meinem Glück - wieder vom Regal geholt. Tip an den Leser also: Einfach drüber weglesen und durchhalten, es lohnt sich wirklich, der Roman ist mehr als ein Musterbeispiel tadelloser Schreibfertigkeiten.

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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schade um die schöne Idee... 17. September 2007
Von tina-st
Format:Taschenbuch
Ehrlich gesagt hatte ich mir von der Thematik viel mehr versprochen. Die Idee des Buches macht ja auch neugierig. Jedesmal, wenn ich dachte, so langsam würde die Geschichte ins Rollen kommen, wurde ich wieder enttäuscht. Da ich aber aus Prinzip jedes Buch fertiglesen möchte, quälte ich mich durch. Ab Kapitel 23(!) fand ich es dann etwas spannender, wobei das Buch aber nur 40 Kapitel hat.

So etwas Zähes und Langweiliges habe ich schon lange nicht mehr gelesen. (Und ich lese sehr viel, und alle Sparten, seien es nun Klassiker, Krimis, Thriller, Fantasy etc.) Sprachlich mag Herr Kirchhoff ja begabt sein, aber meiner Meinung nach nimmt seine Schreibweise in diesem Fall dem Roman den Elan. Im Nachhinein bin ich froh, nicht in das Hardcover investiert zu haben.

Dennoch zwei Sterne gibt es für das Thema und die "lichten Momente" zwischendurch.
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