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Und dann diese Stille
 
 
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Und dann diese Stille [Gebundene Ausgabe]

Harriet Köhler
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 313 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 1., Auflage (22. Februar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462041916
  • ISBN-13: 978-3462041910
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 162.140 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Harriet Köhler
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der ganze Schrecken und der ganze Trost, den Familie bedeuten kann. Wie ist es, wenn man in hohem Alter seine Frau verliert und auf einmal merkt, dass man nie mit ihr geredet hat - zumindest nicht über das, was einem seit sechzig Jahren das Herz zuschnürt? Wie ist es, wenn man als Rentner wieder bei seinem Vater einzieht - und einen Mann pflegt, der einem ein Leben lang fremd geblieben ist? Und wie ist es, wenn man immer sicher war, anders zu sein als die Eltern - und nun, da man zum ersten Mal liebt, erkennen muss, dass man genauso verstockt und unfähig ist wie sie?
Walther sitzt an Grethes Krankenbett und sieht hilflos die letzte Chance verstreichen, ihr alles zu erzählen. Jürgen will seinem Vater zur Seite stehen, aber der wehrt seine Hilfe ab. Dennoch entsteht zwischen den beiden Männern eine Nähe, die neu für sie ist. Als Walther damals aus dem Krieg und der Gefangenschaft kam, war Jürgen bereits zehn, er hat seinen Sohn nicht aufwachsen sehen. Diese Jahre haben sie immer getrennt, Jahre, in denen viel geschehen ist, Erlebnisse, für die es keine Worte gibt. Doch nun wird Walther zum Pflegefall und Jürgen zum Pfleger, und Vater und Sohn entkommen sich nicht mehr. Als dann auch noch Jürgens Sohn Nicki sie besucht, der mit Ruth gerade zum ersten Mal erfährt, wie schön und schwer es ist zu lieben, wird die Mauer des Schweigens rissig und die Vergangenheit blitzt hervor. Alte, bislang nie ausgesprochene Konflikte bahnen sich wütend ihren Weg an die Oberfläche und führen zu einer vorsichtigen und zarten Annäherung.
Nach ihrem hochgelobten Debüt "Ostersonntag" erweist sich Harriet Köhler erneut als feinfühlige und genaue Beobachterin familiärer Bindungen. Mit beeindruckender Sprache und in intensiven Bildern erzählt sie von Trauer und Sehnsucht, von Wut und Liebe, aber auch von der Möglichkeit, zu verstehen und zu verzeihen - und umspannt, fast nebenbei, die Geschichte dreier Generationen, geprägt von den Spätfolgen des Krieges.

Über den Autor

Harriet Köhler, geboren 1977 in München, hat Kunstgeschichte studiert und besuchte die Deutsche Journalistenschule. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Drei Männer trauern um eine Frau: Grethe ist tot.
Die Frau von Walther, Mutter von Jürgen und Großmutter von Nicki ist an einem Schlaganfall gestorben.
Das ist die nackte Tatsache, und nackt, nüchtern und erkältend in ihrer Sprachlosigkeit sind die Figuren, die um sie trauern.
Walther war lange Jahre im Krieg und hat seinen Sohn Jürgen erst nach den dessen ersten zehn Jahren seines Lebens kennen gelernt. Das Verhältnis blieb kühl und fern. Nicki, der Enkel, ist mit seiner Freundin Ruth in der neuen, heutigen Zeit angekommen.
Drei Männer und drei Schicksale.

Ihren Spuren folgt man, um mehr über ihre Beziehungen unter einander zu erfahren. Dabei entdeckt man die Härten und Kanten, die sie zu denen gemacht haben, die sie heute sind.

Jürgen, der Mittlere, der mit seinen 68 Jahren auch schon in Rente ist, beobachtet, reflektiert und spürt am meisten, was ihm fehlt: " Er weinte und stand da und dachte an seinen Vater, der wahrscheinlich immer noch vor seiner Hecke stand, und weinte noch mehr, weil er wusste, dass seine Gefühle ungerecht waren, dass er Sohn seines Vaters war und Vater eines Sohnes und er dennoch nichts gegen das Gefühl tun konnte, völlig alleine zu sein." Hier ist ein Mann in seinen Kokon eingesponnen, ohne einen Ausweg zu sehen.

Harriet Köhler gehört zu jenen Autorinnen, die mit Worten Emotionen beschreiben, die vertrocknet im tiefsten Inneren eines Menschen schlummern. Und doch: jeder der drei Männer lebte in seiner eigenen Zeit. Walther gehörte als Soldat mit anschließender Gefangenschaft zur Kriegsgeneration, für die Überleben alles war, und die für den Rest ihres Lebens geschädigt blieben. Jürgen hat die Verlassenheit des Vaterlosen erfahren, wie sie viele seiner Generation erlebt haben. Sie sahen Väter, die gebrochen aus dem Krieg zurückkamen und sich mit ihrem barschen, abgeschotteten Wesen den Rest ihres eigenen Lebens und das ihrer Familien vergällten. Frauen, die ergeben hinnahmen, dass es die Liebe nicht mehr gab,--allenfalls Gewöhnung.

Ein ganzes Jahrhundert spiegelt sich in diesem Roman. Da wird nichts ausgelassen oder beschönigt, und Trost findet man auch nicht. Harriet Köhler hat sich der Beklagenswerten und Verlorenen angenommen. Ihr Stil ist stringent und die Atmosphäre wird treffend wiedergegeben. Sprache und Inhalt ergänzen sich zu einem schlüssigen Bild. Die Autorin sucht hinter der Sprachlosigkeit nach den tieferen Gefühlen ihrer Protagonisten, und es gelingt ihr, die Spur einer feinen und zarten Annäherung aufzuzeigen.

Schon in ihrem ersten Roman "Ostersonntag" geht es Harriet Köhler um Vereinzelung und Sprachlosigkeit zwischen Familienmitgliedern. In ihrem neuen Roman führt sie uns das Thema noch einmal krass vor Augen. Es ist ihr gelungen.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Schon ihr erster Roman "Ostersonntag" war im Jahr 2007 ein beachtliches Werk, in dem die junge Autorin Harriet Köhler in die seelischen Abgründe einer Familie hinabstieg und sie auf eine Art und Weise auslotete und mit einer Sprache beschrieb, die der Kritik schon damals Hochachtung abnötigte.

Bei ihrem neuen hier vorliegenden Roman "Und dann diese Stille" wird das nicht anders sein. Jedenfalls sieht das ein begeisterter Rezensent so, den diese Geschichte über drei Männer einer Familie aus drei Generationen in wahres Staunen versetzt hat über die Fähigkeit einer gerade mal dreißig Jahre alten Frau, sich in drei Männer unterschiedlichen Alters hineinzuversetzen. Der älteste, der Vater Walther ist 95 Jahre alt, sein Sohn Jürgen ist 68 und dessen Sohn Nicki Anfang dreißig.

Die Geschichte, die Harriet Köhler erzählt, beginnt mit dem Sterben von Grethe, Walthers Frau, im Krankenhaus. Jürgen, sein im Ruhestand lebender geschiedener, alleinlebender und mit seinem eigenen Älterwerden hadernder Sohn, ehemaliger Ingenieur, reist zu seinem Vater und nistet sich regelrecht bei ihm ein, angeblich weil er ihm helfen möchte und glaubt, Walther käme nicht allein zurecht. Tatsächlich aber ist es für Jürgen, der nach seiner Berentung immer noch nicht richtig weiß, wie es mit ihm weiter gehen soll, eine Art Ablenkung von der Langeweile seines einsamem Alltags zu Hause. Zunächst, denn schon bald wird er durch die Nähe zum Vater zur Auseinandersetzung nicht mit ihm gezwungen, sondern auch mit dessen Vergangenheit als Kriegsteilnehmer und Spätheimkehrer aus der russischen Gefangenschaft. Als Walther 1950 nach zehn Jahren Abwesenheit heimkehrte sieht er seinen bei einem Heimaturlaub gezeugten Sohn Jürgen zum ersten Mal. Jürgen hat indessen mit der Mutter eine innige Beziehung aufgebaut, bei der der Vater nur stört. Doch auch die Beziehung zwischen Grethe und Walther ist gestört. Nie mehr werden sie miteinander schlafen, aus tief liegenden Gründen, die Harriet Köhler erst im Laufe des Romans meisterhaft und psychologisch kompetent entschlüsselt, nachdem sie im Leben der beiden weit über neunzig gewordenen Eheleute lange mit dunklem Schweigen verhüllt waren.

Noch in den fünfziger Jahren folgt die in einem Dorf in der DDR wohnende Familie einem Nachbarn in den Westen, doch dort, obwohl sie wieder nebeneinander wohnen, hört der Kontakt auf. Offenbar weiß der Nachbar zu viel von jenen Vorgängen, die das Schweigen ausgelöst haben. Erst Jürgen wird diesen Kontakt langsam wieder herstellen.

Nachdem er die Nachricht von der sterbenden Großmutter erhalten hat, reist der mit der Ärztin Ruth in einer festen Beziehung lebenden Enkel Nicki ins Krankenhaus, doch er kommt zu spät. Die Großmutter ist gestorben. Nach ihrem letzten Willen wird sie auf dem Friedhof des ehemaligen Wohnortes in der ehemaligen DDR begraben, und die Beerdigung dort löst in allen drei Männern noch einmal viele Erinnerungen aus.

Doch die Erinnerungen bleiben rudimentär und vor allen Dingen meistens in den Köpfen der drei Männer hängen. Sie können nicht miteinander reden über das , worüber sie Jahrzehnte lang geschwiegen haben. Das dunkle Schweigen hat eine lange Tradition in dieser Familie, und es wurde von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Grethes und Walthers Ehe lebte von dem Unaussprechlichen, Jürgens Beziehungen zu Frauen scheiterten immer sehr schnell und auch die Beziehung von Nicki zu Ruth, die als ausgesprochen verständnisvollen und einfühlsame Frau geschildert wird, wird durch die Vorgänge nach dem Tod der Großmutter auf eine ernste Belastungsprobe gestellt, von der lange nicht klar ist, ob sie nicht auch diese Beziehung zerstören wird.

Ruth, in deren Figur sich die Autorin jenem vorläufigen Endprodukt eines männlichen Schweigens annähert, das sie möglicherweise selbst oft erlebt hat, möchte etwas wissen über die Familiengeschichte jenes Mannes, den sie liebt und mit dem sie Kinder haben möchte, doch Nicki hat dieses hilflose und sprachlose Schweigen geerbt, ein Schweigen, das die ganze Tragik eines Jahrhunderts in sich trägt, die von Vätern, die den Krieg gar nicht erlebt haben, aber unter ihren kriegsbeschädigten Väterseelen und Familien gelitten haben auf die Söhne vererbt wird, die dann, mit jungen Frauen konfrontiert, irgendwann spüren, dass irgendetwas mit ihrer Familie los ist, was ihre Beziehungen zerstört.

"Und dann diese Stille" ist ein meisterhafter Familienroman, der nicht nur fabelhaft die generationenübergreifende Dynamik einer durch den Krieg belasteten und nicht bearbeiteten Familiengeschichte dokumentiert, sondern auch sprachlich virtuos sich einem vielen Frauen bekannten Phänomen nähert, das ich als "Schweigen der Männer" bezeichne.

Ein wunderbarer Roman, der das dritte Buch dieser Autorin schon heute mit Spannung erwarten lässt.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von hbahr
Format:Gebundene Ausgabe
Unglaublich wie diese junge Autorin die Schrecken der Kriegsgeneration und deren jahrzentelangen Auswirkungen beklemmend wie intensiv schildert (ich verstehe meinen Opa jetzt ein wenig besser). Der Roman ist eine irre Gesamtkomposition! Ein Leitthema ist der zweite Weltkrieg und seine Folgen für die Protagonisten, aber auch Themen wie Partnerschaft und Ehe oder das Eltern-Kind-Verhältnis stehen im Fokus. Der Leser wird von der Autorin geschickt mit in die Geschichte gesogen und man spürt die Enge, die Müdigkeit und Verzweiflung der drei Männer ganz nah. Das Buch hat mich sehr berührt und wird mich bestimmt noch eine ganze Zeit begleiten. Es ist nichts für Leser, die fröhlich gestimmt werden möchten oder viel Aktion und viele verschiedene Schauplätze mögen. Die Grundstimmung ist - dem Thema folgend - ruhig und manchmal fast ein bißchen langweilig. Das macht das Buch aber auch aus. Uneingeschränkte Empfehlung von mir!
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