Dabbljuh, wie er leibt und lebt -- Jacob Weisbergs Zusammenstellung besonders ergreifender intellektueller Offenbarungseide von George W. Bush bringen das auf den Punkt, was man nach kurzem Betrachten von Bushs Physiognomie bereits befürchtete: Nassforsche Dummheit in ihren eigenen Worten. Weniger erfreulich: Das Layout, garniert mit vielen Fotos und dem, was Quark-XPress draus machen kann, wirkt allzu willkürlich. Dieser Band musste schnellstmöglich erscheinen, das merkt man ihm an -- aber zum Glück nur optisch. Erfreulicherweise nämlich sind alle Zitate nicht nur in der deutschen Übersetzung von Gerhard Henschel und Kathrin Passig abgedruckt, sondern auch im Originalwortlaut.
Bush präsentiert sich polyglott ("weder auf Französisch, noch auf Englisch, noch auf Mexikanisch"), patriotisch, diplomatisch, philosophisch ("Die Vergangenheit ist vorbei"), logisch, christlich, ökonomisch... Kein Aspekt der Geistesgeschichte bleibt verschont.
"Voll daneben, Mr. President" ist eine Stilblütensammlung der besonderen Art. Stammten all diese Aussprüche von unbedeutenden Zeitgenossen, so würde man herzlich lachen -- aber fatalerweise sind sie Ausdruck vom intellektuellen Horizont des amerikanischen Präsidenten. Unter diesem Aspekt ist diese Sammlung erschreckend -- nicht nur, weil sich hier zerebrale Wüsteneien ausbreiten, sondern auch, weil zwischen all dem Unfug erkennbar wird, wes Geistes Kind Bush ist. Seine Äußerungen zu Themen wie dem internationalen Terrorismus oder der Gewaltenteilung sind bei all ihrer Komik erschreckend.
In den USA haben die Goldenen Worte des derzeitigen Präsidenten ähnlichen Kultstatus wie hierzulande seinerzeit Heinrich Lübkes Aussetzer -- aber leider gibt es einen prägnanten Unterschied: Während Lübkes altersbedingte Fehlleistungen schlimmstenfalls begrenzten ideellen Schaden anrichteten und vor allem ihrem Urheber selbst zusetzten, handelt es sich hier um Offenbarungseide des mächtigsten Mannes der Welt, dem die intellektuellen Herausforderungen seiner Umwelt wohl nicht einmal bewusst sind.
Das Ganze ist saukomisch, man muss lachen, aber es bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst?