In diesem Band sind drei wunderbare Geschichten von altmodischem Charme enthalten; neben "Tipsys sonderliche Liebesgeschichte" noch "Taft zum Kragen" und "Tante Tüttchen". Else Hueck-Dehios Geschichten erzählen vom "alten Estland" -- zur Zeit der Handlung noch eine der russischen Ostseeprovinzen. Ein leiser, melancholischer Humor durchzieht diese drei Geschichten, die sich nicht durch raffinierte Erzähltechniken auszeichnen und auch die Reflexion über die bewegte Zeit, in der sie angesiedelt sind, anderen überlassen. Die Welt, in der sie spielen, ist idyllisch, aber nicht paradiesisch -- und schon gar nicht kitschig. Die "Heldinnen" der drei Geschichten sind nicht aufrührerisch, was nicht heißen soll, sie seien unterwürfig oder geistlos; sie wissen sich durchaus durchzusetzen, aber eben auf die sanfte Art. Und die kleinen Erzählungen strotzen vor Charme, wenn z.B. der aufmüpfigen kleinen Tipsy nun eine unerwartete Begegnung widerfährt, oder wenn der Herr Pastor um "Taft zum Kragen" betet...
Diese sympathisch unspektakulären Heldinnen fühlen sich ganz einfach als Teil einer Welt, die wir nur noch aus solchen Geschichten kennenlernen können.
Man kann diese drei Erzählungen gut an einem Abend lesen, aber man sollte sich Zeit nehmen, sie genau zu lesen. In ihrem einfachen, klar strukturierten Aufbau und im unprätentiösen Erzählton lassen sie eine vergangene Welt wiederauferstehen, zumindest für eine halbe Stunde; übrigens eignen sie sich auch gut zum Vorlesen.