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TOP 500 REZENSENTam 9. März 2014
Kaum war bekanntgegeben, dass der Film BLAU IST EINE WARME FARBE die goldene Palme auf den Filmfestspielen zu Cannes 2013 gewonnen hat, wurde bereits spekuliert, dass es sich um eine politische Entscheidung der Jury handeln muss. Denn in diesem Film steht eine lesbische Liebesgeschichte im Vordergrund. Und kurz vor diesen Filmfestspielen gab es in Frankreich Massenproteste gegen die eingeführte Homoehe.
Doch für den Regisseur Abdel Kechiche stand Homosexualität nicht im Mittelpunkt. Ihm ging es vielmehr die Klassenunterschiede in Frankreich zu zeigen und dass nur die wenigsten Menschen aus der unteren Schichten trotz großartiger Arbeitsleistung weder Anerkennung noch Akzeptanz bei der französischen Elite finden. Diese Diskrepanz zeigt Kechiche anhand von zwei jungen Frauen, deren Geschichte er über einen Zeitraum von mehreren Jahren erzählt.

Anfänglich ist die Welt der 15-jährigen Adele (Adele Exarchopoulos), die noch zur Schule geht, noch in Ordnung. Sie lernt einen sehr netten Jungen kennen und beginnt eine Beziehung mit ihm. Doch wohl fühlt sie sich nicht in dieser Beziehung und wird diese beenden. Zufällig begegnet ihr eine junge Frau mit blau gefärbten Haaren. Diese Frau geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie träumt sogar von ihr. Mit der Zeit begreift sie, was mit ihr los ist und muss sich eingestehen, homosexuell zu sein, was ihr zunächst sichtbar schwer fällt.
Es sind ein paar Jahre vergangen. Zufällig trifft Adele die junge Frau (Lea Seydoux), die Emma heißt und Kunst studiert, in einer Bar wieder und beide kommen ins Gespräch. Adele und Emma werden sich wiedersehen, verlieben sich ineinander und beginnen eine Beziehung.

Die Liebesbeziehung ist nur der Aufhänger für die auszuübende Gesellschaftskritik. So bekommt man nur sehr wenig vom Alltag dieser Beziehung zu sehen. Mehrere erotische Szenen, das gegenseitige Vorstellen bei den Eltern, ein Bild das Emma von Adele zeichnet und eine Party die Emma veranstaltet. Doch das Wenige macht den Unterschied der beiden Frauen deutlich, denn diese Szenen werden sehr ausführlich gezeigt. Emma stammt aus dem Künstlermilieu, Adele aus dem Arbeitermilieu. Hier werden zum Abendessen Austern gereicht, dort Spaghetti Bolognese. Als Adele Emma erzählt, dass sie einmal Kinder unterrichten möchte, bekommt sie nur ein müdes Lächeln als Antwort. Denn Emma möchte einmal eine erfolgreiche Künstlerin werden und nur Erfolg zählt für sie.

Kechiche erzählt die Geschichte mit einfachen, aber ausdrucksstarken Bildern. Ihm ging es auch darum die Gefühle beider Frauen dem Zuschauer deutlich zu vermitteln. So werden während aller Dialoge immer nur die Gesichter zu sehen sein, was gewöhnungsbedürftig ist. Und manchmal schwenkt die Kamera sehr schnell von einem Gesicht zum anderen.

Auch sind Kleinigkeiten zu beachten. Spaghetti Bolognese zum Beispiel, dieses so einfache Gericht, ist der Renner auf Emma’s Party. Ein leidenschaftlicheres Spaghetti Essen hat es bis dato in der Filmwelt noch nicht gegeben. Und das, obwohl Spaghetti eigentlich ein Essen der armen Leute ist.

Drastisch zeigt Abdel Kechiche den Gesellschaftsunterschied zwischen beiden Frauen auf. Er weiß, worüber er spricht. Denn als Kind tunesischer Einwanderer musste er sich auch nach oben arbeiten und Anerkennung finden. So prangert er die sogenannte französische Elite an, die kein Auge dafür hat, wie hart das Leben unter ihnen ist und diese Menschen dafür keine Belohnung erhalten, im Gegenteil. Das erfährt auch Adele.

Wieder sind ein paar Jahre vergangen. Beide Frauen leben mittlerweile zusammen. Emma hat ihr Kunststudium beendet und bereitet ihre Karriere vor. Sie möchte schnellen Erfolg. Für Adele, die jetzt eine Ausbildung zu einer Pädagogin macht, ist nicht mehr viel Platz vorhanden. Adele ist im Wesentlichen nur noch Modell für Aktbilder und Emma’s Haushälterin. Denn für die Drecksarbeit ist sich Emma zu schade.

Wenn Adele am Ende eine Vernissage besucht, auf der Emma ihre Bilder ausstellt, dann wird sie zwar freundlich empfangen, mehr auch nicht. Nur eine gebildete Frau mit sehr guten Manieren zu sein, reicht nicht, um Platz an der Seite der Elite zu finden. Für diese Menschen ist Adele nur eine Lehrerin. Doch sie ist eine Lehrerin, die Kindern Lesen und Schreiben beibringt. Ein erster Schritt und eine wichtige Voraussetzung für die Kinder, um etwas aus ihrem Leben zu machen. Doch dieser so wichtige Beruf findet bei der Elite keine Anerkennung. Diese Elite hat längst vergessen, dass auch sie mal eine solche Lehrerin benötigten, um das Lesen und Schreiben zu erlernen.

BLAU IST EINE WARME FARBE hat völlig zurecht die goldene Palme gewonnen, mit der zum ersten Male nicht nur der Regisseur, sondern auch die beiden Hauptdarstellerinnen ausgezeichnet wurden. Adele Exarchopoulos und Lea Seydoux überzeugen mit einer unglaublichen Performance. Bereits in den ersten beiden Stunden begeistern beide Schauspielerinnen. Doch in der letzten Stunde, in der die Beziehung in eine schwere Krise gekommen ist und beide einen minutenlangen Streit haben, ist ganz großes Kino. Wie sie in der Lage sind, Gefühle, wie Wut, Frust und Enttäuschung sehr authentisch zu zeigen, ist absolute Weltklasse.

BLAU IST EINE WARME FARBE ist mehr als nur eine einfache Liebesgeschichte. Es ist ein Film mit sehr viel Tiefgang, der die Eitelkeit der französischen Elite offenlegt. Chapeau Monsieur Kechiche!
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am 5. Mai 2014
Wenn es ein Werk gibt, das dem Kinozuschauer den Wunsch auf grosses bewegendes, vor allem menschliches Kino uneingeschränkt erfüllt, dann ist es diese dreistündige filmische Sternstunde.
"Blau ist eine warme Farbe" ist ein langer Film.
Drei Stunden, so meint man vielleicht, könnten doch leicht zu eventuellen Längen führen.
Das Gegenteil ist der Fall.
Das erschütternde ,intensive Liebesdrama könnte auch noch ruhig länger dauern.
Zu sehr ist der Zuschauer mit jeder Facette seiner Emotionen in die kleine und doch so grosse Liebesgeschichte eingetaucht, zu sehr hat die überragende Inszenierung jede Empfindung zum Klingen gebracht.
Schwelgerisch ist Abdellatif Kechiches Filmopus. Schwelgerisch in jeder Nahaufnahme.
Sanft und gleichzeitig so herzzerreisend kraftvoll zeichnet er kleinste Stimmungen, filigrane Gesten und Verunsicherungen in den intimen Grossaufnahmen von Augen, Mündern, von verhuschten Blicken und dann wieder leidenschaftlichen Ausbrüchen.
Die suggestive Kamera umfährt, umschmeichelt zärtlich jeden Körper, und jede Umarmung, läßt die Doppeldeutigkeit hinreissender Dialoge aufblitzen, entlarvt Widersprüche zwischen Denken und gesprochenem Wort, kreiert selten im Kino gesehene vollkommen selbstverständlich sinnliche Bilder von Nacktheit, Erregung und sexueller Vereinigung.
Es ist die alltäglichste und gleichzeitig elementarste Geschichte, die ein Mensch fähig ist zu erleben.
Kein martialisch donnerndes Actiongewitter, keine Krawumm-Story, die die Kinoleinwände in großer Zahl überfluten ;dieser Film handelt in leiser, bewegender, bestürzend realistischer Weise vom der Liebe und Leidenschaft, der ewigen Sehnsucht ,die wie eine sanfte, noch leise, filigrane Melodie zwischen zwei Menschen wunderbarerweise zum Erklingen kommt, die zu einer grossen wilden Sinfonie aus Lust, Hingabe, Verzückung von Höhepunkt zu Höhepunkt eilt
und die doch so bitter, von verhängnisvollen Dissonanzen aus dem Gleichklang gebracht, in grossem Schmerz, Tragik und sellischer Höllenqual endet.
Eine alltägliche Geschichte und doch für jeden einzelnen tiefschürfend.
Die 15jährige Schülerin Adele (eine beispiellos bewegende Schauspielleistung : Adele Exarchopoulos) erlebt das was alle adoleszenten Jugendlichen umtreibt: Veränderungen des Körpers, Erwachen der Sexualität, erste schüchterne Freundschaften, Gruppendynamik, Liebesbeziehungen.
Doch sexuelle Erfüllung und Glück findet sie mit einem Mitschüler nicht.
Irgendetwas fehlt ihr in der Beziehung zum gleichaltrigen Thomas.
Drei Jahre später lernt sie die lebensfrohe, unkomplizierte Kunststudentin Emma kennen (Lea Seydoux).
Blau ist eine warme Farbe, und so wird ihr als erstes ihre blaue Haarsträhne auffallen, bevor sie allmählich mehr Gefühle für die junge Frau entwickeln wird.
Wie unglaublich authentisch hier der Film jede Dialogzeile, jeden Blick, jede langsame Annäherung und jedes schüchterne Zurückweichen inszeniert ist so atemberaubend, daß es schwer fällt es in Worte zu fassen.
Jede einzelne Sequenz spigelt schon nicht mehr nur die Emotionen wider, sie macht sie zu unseren eigenen Empfindungen, läßt die Leinwanddistanz zwischen Adele und uns Zuschauern aufheben.
Eine unfassbare Leistung des Films in jeder Sekunde erspürbar zu machen, was für ein Gedanke jetzt der Protagonistin durch den Kopf geht.
Adele ist in in vielen Assoziationen, im empathischen Empfinden auch wir selbst.
Denn das Erspüren, das hoffnungsvolle Erflammen, das wilde Glück der Vereinigung, die langsam nicht begreifbare Entfremdung, der Schmerz über Verlust ist universelles Erleben von sicherlich jedem Zuschauer.
So ist uns Adele immer ganz nah, läßt uns eigene Liebes-Erlebnisse reflektieren.
Adele und Emma beginnen eine leidenschaftliche Liebesbeziehung voller erfüllter Erotik, inniger Verbundenheit über alle Grenzen hinweg.
Weniger erscheint mir Abdellatif Kechiche an der Tatsache der gleichgeschlechtlichen Liebe interessiert, die natürlich auch heute noch zumindest für Adeles Familie behutsam versteckt werden muß, mehr noch läßt der Regiseeur einfließen wie die Standesunterschiede und die verschiedenen Lebensperspektiven auch die grösste Liebe nachhaltig determinieren können.
Auf der eine Seite Elitebewusstsein der Kunstszene, der sich Emma angehörig fühlt, auf der anderen Seite Adele die ihren harten bodenständigen Job als Lehrerin jeden Tag meistern muß.
"Du solltest auch einmal anfangen deine Träume zu verwirklichen", mit dieser verbalen Grenzüberschreitung und Herabsetzung der Lebensrealität des geliebten Gegenübers beginnt die so schwebend ausschließliche Magie der Liebe ins Wanken zu geraten.
Das ist unglaublich bewegend, und erschütternd, zeigt doch Regisseur Kechiche vorher in selten gesehener Offenheit, bedinglunsloser Zärtlichkeit und lustvoller Verschmelzung wie tief die beiden Liebenden noch vor kurzem verbunden waren.
Eifersucht, Missverständnisse, betäubender tiefer Schmerz, gezeigt in jedem Zittern des Mundwinkels, jeder Träne, jedem verstörten Ausdruck.
Adele reagiert mit nagender Verlusangst.
Der Zauber der Verführung eingeholt von wenig erfüllenden Alltagssorgen um die Zukunft.
"ich habe mich so allein gefühlt", wird sie zitternd ihrer grossen Liebe Emma gestehen.
Doch es ist zwecklos. Die aus verletzten Gefühlen eingegangene kurze Affäre mit einem Kollegen wird ihre Beziehung in einer Kurzschlußreaktion fürs erste das Fundament entziehen..
Diese verbale letzte Auseinandersetzung, das Schreien, die plötzliche Erkenntnis der Aussichtslosigkeit, das Aneinander Vorbeireden, gegenseitige Beschuldigen zweier Menschen, deren Lebenswege mehr und mehr auseinanderdriften gehört zum schauspielerisch Spektakulärsten.
Realistischer kann man nicht spielen. Kann man hier noch von Darstellkunst sprechen ?
Diese Performance gerade der beiden Hauptdarsteller grenzt an Selbstaufgabe, ist an durchdringender erschütternder Wucht nicht zu überbieten.
Drei Stunden lang eine Tour de Force der Gefühle, ungefiltert, schonungslos, reissen sie den Zuschauer mit.
Jeder zarte Kuss, jede sexuelle Exstase, jede Berührung von Händen, Wangen, Mündern, jedes kleinste Erschauern auf sinnlicher Haut, wird nackt und unverstellt, berauschend, dann wieder unsagbar desillusionierend und traurig, wenn am Ende jedes Gefühl tot zu sein scheint, auf den atemlosen Zuschauer übertragen.
Die Liebe eine Himmelsmacht, und ihr Erlöschen die ewige Verdammnis.
Von nicht weniger handelt dieses Epos.
Unfassbar eindrucksvoll durch hunderte kleine Details werden die verschiedenen Charaktereigenschaften des Paares herausgearbeitet.
Die Künstlerin Emma , die selbstbewusst ihr Ziel eine grosse Bilderaustellung zu realisieren verfolgt, ihrer Karriere im Blick hat und dann die so menschlich unsichere, nach Liebe und Hingabe suchende Adele, die selbst noch nach Orientierung im Leben sucht, für einen kleinen Ausrutscher bitter bezahlen muß.
Wie stirbt eine Liebe? Mit den kleinsten scheinbar harmlosesten Verwerfungen.
Eine Künstlerparty Emmas bei der Adele mehr und mehr ins Abseits gerät, eher als Bedienung für die Gäste denn als gleichberechtigte Partnerin fungiert.
Hintergründig wird ihr demonstiert nicht unbedingt diesem scheinbar toleranten Gesellschaftskreis anzugehören.
Am Ende wird es wie ein höhnisch erschütterndes, unendlich trauriges, letztes bitteres Fanal ihr einst in grosser Intimität und Vertrauen gemaltes Aktporträt sein, das Emma zur bewunderten Künstlerin macht und das nun wie ein erstarrte Reliquie aus einer Zeit tiefster Verbundenheit von allen Besuchern seelenlos begafft und der Öffentlichkeit zur Schau gestellt wird.
"Blau ist eine warme Farbe" eben auch ein zutiefst desillusionierender und auch in letzter Konsequenz gnadenloser Film.
Wie so oft auch das wahre Leben keine Gnade oder zweite Chance auf ein Happy End kennt.
Fazit: Mit an Selbstaufopferung grenzender Wucht authentisch inszeniert, mit jeder Faser des Herzens vom Zuschauer erlebt und erspürt.
Wenige Filme gibt es die schmerzhaft die Herzen öffnen und gleichzeitig ob ihrer erhabenen Schönheit glückselig machen. Dieses einmalige Kinoerlebnis ist einer davon.
Vielleicht das Schönste, was das vergangene Kinojahr zu bieten hatte.
Wen wundert es, daß solche Poesie natürlich wieder einmal nur aus Frankreich kommen kann.
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am 9. Januar 2015
Jeder Kunstinteressierte weiß: Blau ist keine warme Farbe.
Aber niemand weiß, was den deutschen Verleih dazu angetrieben hat, den französischen Film „La vie d'Adèle, Chapitre 1 & 2“. umzubenennen.
Der Titel lässt darauf schließen, dass die Geschichte irgendwann weiter erzählt werden muss.

Ein Moment an einer Ampel. Adèle (Adèle Exarchopoulos) , siebzehn Jahre alt, träumt in den Tag hinein.
Plötzlich sieht sie auf der anderen Straßenseite das Mädchen Emma mit den blauen Haaren (Léa Seydoux), den Arm liebevoll um ihre Freundin gelegt.
Sie gehen sie aneinander vorbei, ihre Blicke treffen sich, versenken sich ineinander - und Adèle bleibt stehen. Etwas ist mit ihr geschehen.

Abdellatif Kechiche, der französisch-tunesische Regisseur, ließ diese Szene gleich einhundert Mal drehen.
Das weiß man, weil beiden Hauptdarstellerinnen es, noch immer ein wenig fassungslos, erzählt haben, wie Überlebende eines Abenteuers, dass sie weit über ihre Möglichkeiten forderte.
Doch ihre Qualen waren nicht umsonst. Der Zuschauer spürt diese Intensität .
Der Film ist drei Stunden lang und doch in jeder Sekunde ein Trip zweier Seelen und zweier Körper, die sich nicht näher und bloßgelegter sein könnten, voll innerer Spannung.
Adèle erlebt ihre erste große Liebe mit gewaltiger Intimität.
Aber es sind erst die ersten beiden Kapitel im Leben der Adèle, die im großem Verlust enden.
Sie ist auf dem Weg zum Erwachsensein.

In Cannes, wo der Film wie eine Bombe einschlug, haben- erstmals Geschichte des Festivals - alle drei zusammen die Goldene Palme gewonnen: Die Hauptdarstellerinnen und der Regisseur- .
Schweiß, Tränen, Triumph - und die Erleichterung darüber, dass diese unglaubliche Selbstentblößung nicht zurückgewiesen wurde.
Aber das war Glück von Cannes sollte nicht lange halten.
Die beiden Schauspielerinnen, die fünf Monate lang die Wahrheit ihrer Körper und Seelen erforscht hatten, berichteten über diese ungewöhnlichen Dreharbeiten.
Die Autorin der Comicbuch-Vorlage, Julie Maroh, heizte die Debatte weiter auf.
Die amerikanische Filmkritik erregte sich über die langen, offenherzigen Liebesszenen.
Der Regisseur sah seinen Film beschmutzt, seine Ehre verletzt. Nur die Goldene Palme, erklärte er, habe ihn vor dem professionellen Ruin gerettet.

Mitten in einer Welt gefälschter Gefühle sucht der Regisseur nach einer möglichen Wahrheit.
Welche Rolle spielt der Zufall dabei, ob Menschen sich ineinander verlieben. Ziehen sich dabei nur die Körper an oder dringen wir wirklich dabei in die Seele des anderen ein?

Am Ende des Films, der chronologisch gedreht wurde, sind Emma und Adèle härter und illusionsloser geworden.
Der Blick Abdel Kechiches auf die Frauen und weibliche Lust ist höchst wissend und differenziert, geleitet von einem Klassiker der französischen Literatur, Pierre Carlet de Marivaux, "La vie de Marianne".

Zwischen den beiden Liebenden steht nach Aussage des Regisseurs auch der Abgrund der Klassengegensätzen, den sie nicht überwinden können.
Unter Adèles Mitschülerinnen regiert der zerstörerische Geständniszwang des digitalen Zeitalters, dem niemand entfliehen kann - genauso wie der Dimension des Andersseins, wenn wir die Masken, die wir tragen, endlich abreißen.

Der Film wird letztendlich vor allem davon getragen, was die beiden Hauptdarstellerinnen uns offenbaren:
z. B. wenn Adèle Exarchopoulos eine Szene spielt, in der sie ihre große Liebe Emma anlügt und die Angst in ihrem Blick sie dabei verrät;
oder die Sequenz, wo sie ohne rechten Grund, mit einem Mann fremdgegangen ist und von Emma verstoßen wird,
das alles hat eine erschütternde Kraft.

Die Extras, in denen die beiden Darstellerinnen und der Regisseur sich ausführlich äußern, lassen erkennen, dass, nach der großen Aufregung um den Film, die Kunst gesiegt hat.
Und das ist doch etwas! Ansehen und immer wieder staunen!"
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am 9. Januar 2015
Ich habe in meiner Programmzeitschrift als Filmtipp ein Foto von Adele gesehen, so war das Interesse für den Film geweckt, obwohl das Thema Lesben-Liebe und dann noch die Überlänge des Films nicht meins waren. Dann war ich doch sehr überrascht ! Es ist ein typisch französischer Liebesfilm, viele Dialoge, viel Mimik, dazu eine wirklich in meinen Augen hübsche und super erotische Adele Exarchopoulos. Ich konnte mich an ihr nicht satt sehen, der offene Mund (hier viel beschrieben)..mir gefällt er. Ihr Ausdruck, Ihre Tränen, Ihre Romantik, Ihr Rotz...einfach klasse gespielt und sie sieht immer gut aus.
Das höchste Lob ist wohl : Die 3 Stunden vergingen schnell, der Film war spannend und er war real (auch wenn das vielleicht im Detail lesbische Frauen noch besser beurteilen können). Im Gegensatz zu Adele fiel Emma dann für mich aber sowohl optisch als auch schauspielerisch eher ab.
Die Sexszenen: Kleine Kinder sollten nicht im Zimmer sein, wenn sie laufen ! Selten eine solche Freizügigkeit in einem "Nicht-Porno" gesehen. Auch das ist ggf. typisch französisch. Kaum zu glauben, dass deutsche weibliche Jungstars wie z.B. Maria Ehrich oder Emilia Schüle (die mir für diese Rolle eingefallen wären) eine derartige Offenheit mitgemacht hätten. Hat mir erotisch gefallen, vielleicht ein bißchen too much....aber ich bin immer angetan, wenn es in Filmen mal "was anderes/neues" gibt.
Auch das Ende ist ein typisch französiches, ein irgendwie offenes...das ganze wirkt nicht wie ein Film, sondern das wahre Leben.

Ich würde mich freuen, wenn es eine Fortsetzung oder bald einen anderen Film mit Adele gibt, vielleicht dann mal eine hetero Liebesromanze?
4 Sterne statt verdienter 5 gibts deswegen : Ich weiß nicht, ob mir dieser Film mit einer anderen Hauptdarstellerin als Adele gefallen hätte, zweimal Typ Emma wäre wohl für mich nicht sehr interessant gewesen.
Klare Kaufempfehlung auf jeden Fall !
0Kommentar|6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. Januar 2016
Ein super Film!
Hier hat man endlich was in der Hand, was man jungen Menschen empfehlen kann, die ihren Weg in der
Sexualität noch nicht gefunden haben.
Habe ich schon oft Bekannten empfohlen, sich unbedingt anzusehen.
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am 11. März 2016
Der Film des Regiseeurs Abdellatif Kechiche zeigt , wie der französische Originaltitel, zwei Kapitel aus dem Leben von Adèle (Adèle Exarchopoulos), einem Mädchen aus einer niederen sozialen Schicht (Kechiche spricht von Arbeiterklasse), beginnend im Alter von knapp 16 Jahren.
Das Kapitel 1 beschreibt die Schülerin, die dabei ist, ihre Sexualität zu entdecken. Animiert oder eher getrieben von Klassenkameradinnen, die kaum ein anderes Thema als Sex und "Hast du schon?" haben, schläft sie mit einem Jungen, wobei ihr aber "etwas fehlte." Schon zu dieser Zeit sieht sie erstmals Emma (Léa Seydoux), eine einige Jahre ältere Kunststudentin, auffallend durch hellblau gefärbte Haare, und da wir das Thema des Filmes kennen, sehen wir schon bei dem ersten Blickkontakt der beiden, dass da Interesse oder Neugier ist. Mit einem bekennend homosexuellen Mitschüler besucht sie eine Bar, die von Schwulen und Lesben besucht wird. In der Schule wird sie von den achso aufgeklärten und erfahrenen Mitschülerinnen rücksichtslos gehänselt und beleidigt.
Das Kapitel 2 beschreibt das Kennenlernen von Adéle und Emma, beginnende Zuneígung, in einer großartig von beiden Darstellerinnen, besonders von Adèle gespielten Szene sehen wir schließlich beide auf einer Wiese nebeneinander liegen, sehen den inneren Kampf und die Unsicherheit von Adèle, während Emmas Gesicht eher Erwartung widerspiegelt, wann die Freundin endlich die Initiative ergreift.
Es folgen Sexszenen, die lang, sehr intensiv und leidenschaftlich explizit, aber nie genitaldetailliert gefilmt sind. Wer aks zuschauer tiefere Einblicke beim Soixante-Neuf erwartet, wird umsonst glotzen. Es folgt die Vorstellung der Freundin bei Emmas Eltern, aus der Oberschicht stammend und über die sexuelle Orientierung der Tochter informiert, wobei standesgemäß Austern geschlürft werden. Umgekehrt gibt Adèle ihre geliebte bei ihren Eltern als Nachhilfelehrerin für Philosophie aus, man ißt selbstgekochte Spaghetti mit Tomatensoße, Hie wie auch in anderen Szenen wird moniert, dass andauernd in unappetitlicher Weise der Essvorgang gezeigt werde, was ich nicht nachvollziehen kann. Es wird nicht geschmatzt oder fanfarenartig geschlürft, einzig lustig fand ich, dass die Mutter die Gabel unmittelbar oberhalb der Zinken hielt. In der kleinen Wohnung findet der Sex dann mit zugehaltenen Mündern statt.
Die Beziehung verfällt schließlich in Routinem vor allen Adèle bekocht die Freundin und Gäste, Emma ist mehr die Künstlerin, anfangs missverstanden und wütend über Kritiker, Adèle ist mehr ein Anhängsel und fühlt sich mit Recht zunehmend allein gelassen. Als sie sich öfter mit einem Mann trifft, mit dem sie auch knuitscht und von ihm auch nach Hause zur gemeinsamen Wohnung gebracht wird, macht Emma ihr eine schrecklicjhe Szene. Adèle lügt zuerst nicht überzeugend, Emma wird immer wütender und schimppft sie Lügnerin und Flittchen, Adèle entschuldigt sich, bittet und bettelt und weint zum Steinerweichen, aber Emma schmeißt sie förmlich hinaus.
Wieder einige Jahre später besucht Ad`le noch einmal die erste große Ausstellung der Künstlerin Emma und sieht auch zahlreiche großformafige Akte von sich, fühlt sich dann aber in den Kreisen der Künstler und Kunstkenner oder solche, die sich als solcje ausgeben und für die der Besuch eher eine gesellschaftliche Pflichtveranstaltung ist, wieder einsam und fehl am Platze.

In Interviews von Regisseur, Adèle und Léa wird von einer universellen Liebesgeschichte gesprochen, das kann ich so nicht unterschreiben.Es geht schon um gleichgeschlechtliche Liebe, und das erste Kapitel, das gut ein Drittel des fast dreistündigen Filmes einnimmt, ist hauptsächlich Adèle und ihrer Selbstfindung als lesbische junge Frau gewidmet, mit all den Schwierigkeiten, die ihr die Umwelt und besonders die ach so sexuell reifen Ziegen von Klassenkameradinnen bereiten. Verständnis hat fast nur der schwule Schul- oder auch Klassenkamerad, der die Angegriffene verteidigt und andere Kleingeister in die Schranken weist. Das Liebespaar hätten auch Männer sein können wird gesagt, über Mann und Frau als Alternative wird nicht gesprochen. Mag die Idee auch richtig sein, die Aussage halte ich für ein wenig scheinheilig, der Regisseur hat, das darf er ja auch, sicher auf den Erfolg des Filmes gehofft und aus gutem Grund das Liebespaar mit zwei hübschen Frauen besetzt, ich habe massive Zweifel, ob der Film bei einem breiten Publikum mit eien Männerpaar so ein Erfolg geworden wäre. Ich will nicht für andere und schon gar nicht für alle sprechen, aber ich hätte mit einem Männerpaar Probleme insofern gehabt, dass ich nichts gegen Schwule habe, aber ganz offen, knutschende Männer sehe ich nicht gerne, da reichte schon die Szene des ersten Kapitels in der Bar.
Auch das Problem des Scheitern der Beziehung an den sozialen Unterschieden (in Frankreich bzw. von Kechiche Klassenunterschiede genannt) ist hier ein Problem, aber das ist nicht universell, sondern liegt meins Erachtens mehr an Lèa, die die Geliebte in ihre Kreise nicht richtig mitnimmt. Adèle wirde Lehrerin, und sie macht ihre Arbeit mit den jüngsten Schülern schon als Praktikantin selbstsicher und gut, sie läßt sich nicht auf der Nase rumtanzen, sie hat die Kinder im Griff. Lèa ist zu sehr mit der Planung ihrer Karriere als Künstlerin beschäftigt, ihr scheint Adèle nicht so wichtig wie umgekehrt. Die Unversöhnlicjkeit nach Lèas "Betrug" ist für mich eher die Wut auf ihren Besitz, der sich nicht so verhalten hat, wie es sich für ihn geziemte, eine recht kleingeistige Einstellung, und als arrivierte Künstlerin lebt sie mit einer früheren Freundin mit Kleinkind zusammen, das sei jetzt ihre Famile. Das soll jetzt nicht kritisiert werden, zeigt nur, das sie sich von einem Bohème-Leben verabschiedet hat.
Meine Interpretation ist keine Kritik an dem Film, sondern an seiner Deutung durch den Regisseur und andere Rezensenten. Kechuche sagte selber, zu Beginn der Dreharbeiten habe er nioch wenig konkrete Vorstellungen gehabt und nicht genau gewusst, wohin die Reise in den Monaten der Dreharbeiten ging.
Nach anfänglicher angeblich heftiger Kritik der beiden Darstellerinnen, die angeblich nie wieder mit Kechiche arbeiten wollten, "ruderten die beiden später zurück." Das mag man als opportunistisch ansehen und unehrlich, nachdem der Film ein sensationeller Erfolg war. Wenn man bedenkt, daß die Arbeiten am Film, der übrigens chronologisch gedreht wurde, sich über Monate hinzogen und am Ende mehrere Hundert Stunden Filmmaterial gedreht waren und dann sieht, welche Intensität die beiden Frauen in ihr Spiel legen mussten, etliche Male die Sexszenen, oder die fürchterliche Szene mit dem Trennungsstreit, kann ich verszehen, dass die Schauspielerinnen psychisch ausgepowert waren. Dass dann nach dem Sensationserfolg das anders dargestellt und vielleicht auch gesehen wurde, halte ich für verständlich.

Meine kritischen Anmerkungen gelten der geschilderten Wertung der Aussage des Filmes, nicht dem Film selber: "Blau ist eine warme Farbe" ist einer der großartigsten und berührendsten Filme der letzten Jahre, das liegt an einer tollen Inszenierung,die den Darstellern auch Improvisation abverlangte. aber vor allem an dem glaubwürdigen und wahnsinnig intensivem Spiel von Adèle und Léa, die immer wieder an ihre Grenzen gehen mussten. Ertmalig in der Geschichte von Cannes erhielt nicht nur der Film, sondern auch Léa Seydoux und die einige Jahre jüngere (erst 20!) Adèle Exarchopoulos in ihrer ersten Hauptrolle auch die >Goldene Palme< , und diese Entscheidung der Jury kann man nur begrüßen.
Léa ist phantastisch, die wahre Hauptdarstellerin Adèle spielt einfach sensationell, nicht nur für eine Newcomerin eine der herausragendsten Darstellerleistungen überhaupt. Da ihre Rolle mehr hergab als die der Emma ist die Entscheidung, beide zu ehren, salomonisch, alles andere wäre ein Affront gewesen.
Adèle wurde 2014 noch mit dem CÉSAR und dem Critic's Choice Movie Award belohnt, Léa Seydoux mit der Rolle des Bond-Girls in SPECTRE.

"Blau ist eine warme Farbe" ist insbesondere dank zwei großartiger Darstellerinnen ein Film, der nicht nur die Jury von Cannes, sondern auch das Publikum und die meisten Kritiker und Rezensenten mit Recht begeistert hat.

Doc Halliday
44 Kommentare|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. Januar 2014
Ich habe mich im letzten Jahr auf viele Filme gefreut und wurde oft enttäuscht. Bei diesem Film war es schwer ihn überhaupt zu sehen, da er trotz der Goldenen Palme nur in wenigen Kinos zu sehen ist (war), zu unrecht!
Ich gebe ja zu, nach dem was ich über den Film gehört und gesehen hatte haben mich auch die (lesbischen) Sexszenen ins Kino gelockt, aber die waren dann genau das, was ich im Kino eher uninteressant fand. Die geniale Leistung der beiden Hauptdarstellerinnen, dieses eintauchen in eine eigentlich fremde Welt, das leiden mit den Charakteren, Gefühlskino pur, ohne HFR, ohne 3D und 3 Stunden die gefühlt viel zu kurz waren. Nur eines mochte ich an diesem Film nicht, das Ende. Es war zu schnell erreicht und leider nicht das was ich Adele gewünscht habe, aber wie sagen die Franzosen "C’est la vie". Für mich ist dieser Film das absolute Highlight des sehr schwachen Kinojahrs 2013.
Aber eine Warnung möchte ich nicht vergessen, dieser Film hat mit Popcornkino nichts zu tun, den Kopf abschalten kann man hier nicht. Er ist Kunst auf höchstem Niveau mit den besten Jungschauspielern die ich seit Jahren gesehen habe. Viel Spass beim Anschauen...

Nachdem nun die ersten negativen Rezensionen einflattern und ich auch die Vorlage gelesen habe, muss ich unbedingt noch einiges Anfügen.
Der Film ist wirklich sehr nah am Buch angelegt und hier kann z.B. ein Hr. Jackson mal Nachhilfe nehmen, was man so aus 160 Seiten machen kann. Insbesondere das auf und ab der Protagonisten ist einfach toll in Szene gesetzt. Was hier in einer Rezi als Gummi dargestellt ist, macht es für mich gerade so Lebensnah und Phantastisch, ich kann mich noch gut an jene Zeiten erinnern in denen es mir haargenau genauso ging und nur ein Blick der Liebsten jeden Weg wert war. Wer dies als Gummi empfindet tut mir entweder Leid, weil er diese Achterbahn nie erlebt hat, oder ist Glücklich weil er als wahrscheinlich einziger Mensch der Erde die perfekte Liebe auf Anhieb gefunden hat. Kurz es ist halt wie das Leben, was eben auch fast nie ein perfektes Ende findet, wobei das Ende des Films noch besser wie das der Graphic Novelle ist...
33 Kommentare|40 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Mai 2014
Einleitung:
Worin zeigt sich Liebe? Was bedeutet sie für jeden Einzelnen von uns und spielt das Geschlecht dabei eine Rolle? Gibt es Liebe auf den ersten Blick und wie gehen wir mit Schmerzen um, wenn ein von uns geliebter Mensch unsere Liebe nicht mehr erwidert? Oder kann Liebe gar alles überwinden und selbst eine so kalte Farbe wie Blau Wärme in unseren Herzen erzeugen? Der letztjährige Palm d'Or Gewinner "La vie d'Adéle - chapitres 1 & 2", zu Deutsch "Blau ist eine warme Farbe", hat auf alle diese Fragen eine ehrliche und zutiefst berührende Antwort und offenbart uns eine der hinreißendsten Liebesgeschichten vergangener Jahre.

Inhaltsangabe:
Adéle ist eine junge 17-jährige Frau, die das Gefühl hat, sich selbst etwas vorzumachen. Zwar weiß sie um die Zuneigung des männlichen Geschlechts, kann diese jedoch nicht mit ihren Gefühlen erwidern. Als sie zufällig auf der Straße der blauhaarigen Studentin Emma begegnet, ist sie wie elektrisiert und angezogen von dieser Frau. Sie spürt etwas, was sie stets zu missen wusste und fortan entdeckt sie Sehnsüchte, die sie gemeinsam mit Emma auslebt.

Filmbesprechung:
"Blau ist eine warme Farbe" basiert lose auf der Graphic Novel von Julie Maroh. Regisseur Abdellatif Kechiche ist in seinen Filmen immer auf der Suche nach der Wahrheit, nach dem Lösen der aufgebauten Fassade und Maske im Leben und so dreht er sein Liebesdrama auf sehr natürliche Weise. Hier gibt es überwiegend Großaufnahmen von Gesichtern und Körpern, wenige Schnitte unterbrechen den Filmfluss und er bleibt seiner naturalistischen Inszenierung in jeder Minute treu, denn sowohl Menschen als auch Umgebung werden hier ungeschönt und realistisch (die Darstellerinnen trugen z.B. keinerlei Set-Make-up) dargestellt, im Kern banale Themen zwischen den Dialogzeilen aufgegriffen und hintergründig mit Problemen zwischen Unterschicht/Oberschicht der Kontrast ästhetisiert.

In dem Moment, wenn Adéle, die auf dem Weg zu einer Verabredung mit einem Mann ist, ganz zufällig der Kunststudentin Emma begegnet, dann stoßen hier zwei verschiedene Gesellschaftskreise aufeinander, die sich in ihrem Kontrast gegenseitig anziehen, gleichzeitig aber auch von einander entfernen. So ist die Protagonistin Adéle aus dem Proletariat (schlichtes Elternhaus, Spaghetti als Festmahl, gefangen in klassisch, traditionellen Idealen ect.), während Emma, eine Künstlerin, der Oberschicht angehört (starker Drang zur Kunst, in wohlhabenderen Kreisen gern gegessene Austern, Brechen aus sexuell, sozialpolitischen Idealen ect.) und dennoch herrscht trotz dieser "Komplikationen" ein gegenseitiges Verlangen nacheinander.

Dabei ist die homosexuelle Liebe vollkommen unwichtig. Abdellatif Kechiche selbst sei enttäuscht gewesen, dass sein Film von Teilen seines Publikums als "Queer"-Film angesehen werde. Kechiche's Inspiration dieses Werk zu verfilmen war es die wunderbare, natürliche Liebe zu zeigen, Schicksale und Zufälle, wie auch Schmerz und Leid darzustellen. Dabei ist die homosexuelle Beziehung nur ein Deckmantel, der sich im Hintergrund abspielt. Im Innern wird die Liebe in Verbindung mit der Wahrheit, welche bereits in seinem Film "La graine et le mulet" Anklang fand, präsentiert. Wenn Adéle direkt nach dem Sexakt mit einem männlichen Partner merkt, dass sie kein Gefühl der Besänftigung, der Offenbarung, letztlich der Liebe erfährt und selbst der Orgasmus sich nicht in seiner vollen Kraft entfalltet, dann wird sie mit der bitteren Wahrheit konfrontiert, dass sie sich selbst etwas vorspielt und sie in ihrer derzeitigen sexuellen Orientierung kein Glück finden kann.

Mit Emma tritt jene Emotionalität von der ersten Begegnung an ein. Die Nacht darauf träumt Adéle gar von einem geschlechtlichen Akt mit dieser blauhaarigen Schönheit, während sie sich dabei gefühlvoll und voller Hingabe bis zur Ekstase masturbiert.
Auch Emma ist von der jungen Schülerin fasziniert und in dem Moment, wenn sie Adéle in einer Lesbenbar bemerkt, scheut sie sich in keinster Weise, spricht sie direkt an und führt eine Konversation über Kunst (Literatur) und recht banale Dinge. Dies ist der Beginn einer Beziehung, welche Lust und Freiheit, Liebe und Trauer, Schmerz, Streit und Versöhnung den ganzen Film über trägt und somit die gesamte Palette einer Liebesbeziehung vorzeigt.

Dabei hilft Kechiche's inszenatorischer Stil dieser Beziehung eine emotionale Nähe zum Publikum zu verschaffen, denn die im Diskurs umstrittenen, expliziten Sexszenen zwischen den beiden Frauen schaffen eine starke Intimität, sodass wir uns ganz dem Verlangen und der Obssession der beiden Frauen hingeben können.

Erstmals wurde die Palm d'Or nicht nur an den Regisseur, sondern auch an die beiden Hauptdarstellerinnen vergeben (Jurypräsident Steven Spielberg begründete dies, dass der Regisseur ohne seine beiden Darstellerinnen diesen Film in keinster Weise hätte so realisieren können) und das vollkommen verdient, denn Kechiche selber sagte in Interviews, dass er bei Castings ganz strikt nach der für ihn perfekten Chemie auf der Suche war, welche er vom ersten Moment an in Adéle Exarchopoulos und Léa Seydoux gefunden hat. So hat er die Figur der Protagonistin auch voll und ganz auf Adéle zugeschnitten, die nicht umsonst im Film denselben Namen trägt (was übrigens einer der vielen Unterschiede zur Vorlage ist), auch haben die beiden Darstellerinnen die gleichen Ideale und kommen aus derselben Gesellschaftsschicht wie ihre Figuren.
Und was die beiden auf die Leinwand "zaubern", ist lebensnah und gerade dadurch so hochintensiv; hier stimmt die Chemie in jeder noch so kleinen Geste und Mimik, bei den Sexszenen herrscht eine permanente erotisch aufgeladene Spannung und ihre Begegnungen sind, ganz gleich ob Freude oder Trauer, zu jeder Sekunde glaubhaft, ihre Konfrontationen explosiv und natürlich. Ganz großes und prägnantes Schauspielkino!

Sowohl die Anfangs-, als auch die Endszene stehen schließlich in einer obligaten Symbiose und beim Abspann wird der Zuschauer aus einem der ehrlichsten, natürlichsten und wundervollsten Filme über die Liebe, Sehnsüchte und Selbstfindung gelassen.

10/10 - Meisterwerk

Zum Bild:
Am Bild gibt es nichts auszusetzen, perfekte Detailzeichnung, sensationelle Schwarzwerte, toller Kontrast mit schon fast aus dem Fernseher springenden, plastischen Aufnahmen (2.35:1). Keine Doppelkonturen bei gelegentlichen Wackelkamera-Szenen.
Kurz: Perfektes Bilderlebnis.

Zum Ton:
Auf der Blu-ray finden sich zwei Tonspuren, die deutsche und französische, beide liegen im DTS-HD Master-Audio 5.1 vor und bieten eine stimmungsvolle und vom Klang her dezente Untermalung. Wie üblich bei (Arthaus-)Dramenfilmen liegt der Fokus ganz auf den Dialogen, welche hier zudem immer klar und verständlich transportiert werden.
Erstaunlich ist dabei wie gut auch die deutsche Synchro funktioniert, die gute und "frische" Sprecher bietet und selbst das Textbuch ist dem Original sehr ähnlich. Dennoch ist auch hier die Original-Tonspur zu empfehlen, da die gesamte Stimmung noch besser zum Tragen kommt.
Das einzige Manko war, dass im Original-Ton ein, zwei Szenen deutlich leiser abgemischt waren, was aber anhand von Untertiteln das Filmerlebnis nicht trübt.

Zur Ausstattung:
Die Extras sind anhand der Begeisterung der Presse und Klasse dieses Werkes leider insgesamt etwas enttäuschend. Es gibt drei Interviews mit dem Regisseur Abdellatif Kechiche und den beiden Hauptdarstellerinnen Adéle Exachorpoulos und Léa Seydoux, in denen es um den Dreh, die Inszenierung, Motivation/Inspiration und Rollenanalysis geht. Weiter gibt es drei zusätzliche Szenen, die ihren Weg nicht in den finalen Schnitt gefunden haben, sind aber mehr Randnotiz und nur eine ist wirklich relevant, die so auch hätte den Weg in die finale Fassung finden können. Auch der deutsche Trailer ist mit an Bord, ansonsten noch Trailer zu aktuellen Filmen von Alamode Filmverleih (Moliere auf dem Fahrrad, Gabrielle, Finsterworld ect.).
Von einem ausführlichen Making-Of, gerade wo der Dreh doch als so intensiv und hart angesehen wurde, fehlt jegliche Spur, auch ein Audiokommentar, der sich hier perfekt anbietet, ist nicht zu finden. Zusätzlich gleicht es einem Mysterium, dass auf dem Cover eine "Special Edition mit Bonus" geworben wird, man aber bis auf die oben genannten Extras, die zudem seit 5 Monaten bekannt sind, keinerlei spezielle Extras zu finden vermag. Weder ein Booklet, noch eine anderweitige Zugabe. Wenigstens hat sich Alamode-Film auch für diesen Film für ein Wendecover entschieden (wobei deren Filme grundsätzlich Wendecover besitzen).

Fazit:
"La vie d'Adele" ist ein meisterhafter Film über das Erwachen, die Liebe und (sexuelle) Selbstfindung, welcher durch seine naturalistische Note für eine starke Emotionalität zum Zuschauer sorgt und mit seinen überragenden Darstellerinnen zwei der interessantesten und schönsten Frauenporträts der vergangenen Jahre darstellt, dabei ist die 179 minütige Liebesgeschichte jede einzelne Minute faszinierend. Bild und Ton können sind dem Film würdig, leider fehlt es etwas an tiefer gehendem Bonusmaterial und der versprochene Special Edition Bonus ist nicht zu finden.
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am 11. Februar 2015
Tatsächlich basiert „Blau ist eine warme Farbe“ auf einem Comic, wer hätte das gedacht? Der französische Liebesfilm zweier Frauen heimste einige Preise ein, wurde aber vor allem durch seine expliziten Sex-Szenen bekannt. Und wer jetzt einen heißen Lesbenfilm erwartet, der wird sehr enttäuscht werden, denn „Blau ist eine warme Farbe“ ist ein Film, der sehr realistisch, authentisch und vor allem intim daher kommt, gemixt mit tolle Schauspielern und einer ruhigen Erzählweise.

Die junge Adele entdeckt in ihrer Schulzeit, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt. Das bringt gerade in ihrem Umkreis einige Probleme mit sich. Die größten Verwirrungen entstehen aber in ihr selbst, bis sie sich Hals über Kopf in die Kunststudentin Emma verliebt…

Ja, die Sex-Szenen sind recht explizit, im Gegensatz zu „Brokeback Mountain“ zum Beispiel. Es gibt viel nackte Haut und auch wenn die eine oder andere Liebesszene vielleicht etwas deplatziert wirkt, weil sie ruhig hätte kürzer ausfallen können, so muss man doch den Mut und die Schauspielkunst der Hauptdarstellerinnen anerkennen, die sich voll und ganz der Kamera zeigen, nicht nur auf den Körper bezogen! Echte Emotionen und interessante Figuren bekommt man hier zu sehen, auch wenn die Geschichte im Grunde sehr simpel gehalten ist. Die Art, wie der Film seine Charaktere zeigt, macht ihn so besonders, gerade Adele, die die eigentliche Hauptfigur in diesem Werk ist (im Original heißt der Film ja auch „Das Leben der Adele“), wird oftmals beim Schlafen oder Duschen gezeigt, bei einfachen Dingen in ihrem Leben, die dem Zuschauer aber so mehr Intimität zeigt, wie ich finde. Vor allem zeigt der Film eine natürliche Homosexualität, ohne dabei in Klischees abzurutschen (na ja, fast). Auch generell wirkt „Blau ist eine warme Farbe“ sehr echt und lebendig, sowohl Dialoge, als auch Handlungen der Figuren. Zudem bewegt sich das Werk auf einer schönen metaphorischen Ebene, in der die Kunst die Befreiung der Seele darstellt.

Leider hilft das aber nicht darüber hinweg, dass der Film drei Stunden dauert! Natürlich passiert viel, dennoch finde ich, dass man mindestens eine halbe Stunde hätte weglassen können. Oder man hätte mehr in den Film packen müssen… Wie auch immer, man merkt, dass der Film sich stellenweise zieht, des Weiteren gibt es für mich einige Ungereimtheiten. Erstmal empfinde ich das Ende als zu plötzlich, dann sind einige Zeitsprünge irgendwie seltsam (plötzlich sind drei Jahre vergangen, obwohl es wie der nächste Tag aussieht) und (VORSICHT WEGEN LEICHTER SPOILER) mich würde mich mal interessieren, was mit Emmas fester Beziehung am Anfang wurde? Sie sagt, sie hat seit zwei Jahren 'ne Freundin und ein paar Tage später macht sie mit Adele rum?

Optisch sieht der Film schön aus, schöne Farben und das Licht ist toll, allerdings nervt die ständige Shakey-Cam nach einiger Zeit schon etwas… Dazu gibt es einen dezenten, aber schönen Soundtrack.

Fazit: Ein schöner Liebesfilm, der zwar deutlich zu lang ist und ein, zwei kleine Ecken und Kanten für mich hat, aber vor allem durch seine tollen Schauspieler und seiner Intimität überzeugt!
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am 27. März 2016
Die Liebesbeziehung von Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos als Emma und Adèle ist sicher nicht jedermanns Sache.
Die einen mögen anmerken, dass die expliziten Sexszenen schon sehr vordringlich und direkt sind und nur wieder "Typen mit Ihren Phantasien" ansprechen. Homophobe werden sich den Film (leider) nicht ansehen oder nur darüber spotten. Homosexuelle mögen ihre eigene Meinung haben. Als allgemeine Vorlage für eine gleichgeschlechtliche Beziehung mag es sicher nicht dienen. Muss es aber auch nicht.

Doch ich denke das damit dieser Film schon sein Ziel erreicht hat.
Er regt zum Nachdenken an. Die schauspielerische Leistung von Adele und Lea ist einfach atemberaubend.
Sie sind beide mit einer solchen Hingabe und Leidenschaft dabei, ohne jemals trivial oder schmuddelig zu wirken.
Die 3 Stunden Film lassen auch genug Zeit, dass der Film die Beziehung in seinen Stationen gut darstellen kann ohne
überhastet zu wirken.
Die Story selbst ist glaubwürdig und lehnt sich nicht an klassischen Liebesfilmen mit gespielter Dramatik und Happy End an.
Der Zuschauer bleibt schließlich im Spannungsbogen zurück und stellt sich Fragen.
Wunderbar, wenn ein Film so einen Nachhall hat.
Nicht umsonst hat die Jury in Cannes (zu der auch Spielberg gehörte) im Besonderen die goldene Palme an diese beiden Schauspielerinnen verliehen.Ein bisher nicht dagewesener Vorgang.

Ich kann den Film offenen Menschen empfehlen, die eine Liebesgeschichte in dieser Art einfach mal begleiten möchten um danach etwas zum Nachdenken zu haben.
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