„Crossing California": 10 Stadtneurotiker auf der Suche nach sich selbst. 444 Tage lang in den Jahren zwischen 1979 und 1980. In der Zeit von Bands wie Nazareth, Foreigner, Foghat, Lynyrd Skynyrd, Journey, Styx. Zwischen Carter und Reagon. Und klar: schon damals war die Welt nicht (mehr) in Ordnung.
Im Grunde aber passiert gar nicht viel in Adam Langers' Chicago jener Jahre. Von den großen und winzigen Nichtigkeiten und Dramen, Triumphen und Tragödien des illustren Romanpersonals einmal abgesehen. Es geht um das Leben an sich. Um was auch sonst? Davon aber weiß Adam Langer viel zu erzählen. Manchmal fast zu viel. Der Stoff seines Debütromans hätte gereicht für mehrere Bücher. Das merkt man „Crossing California" mitunter auch an. Der Roman wirkt stellenweise - des Autors pingelige Beschreibungen des US-amerikanischen jüdischen Mittelstandes tun ihr übriges - recht überladen. Das Buch ist trotzdem lesenswert. Und zur Lektüre zu empfehlen.
Die Geschichte der Chicagoer Familien Rovner, Wasserstrom und Wills ist in einem leicht schnoddrigen Ton geschrieben. Die Lektüre schreitet zügig voran. Man liest und liest und liest. Und bedauert jede Unterbrechung. Allein an der Handlung kann das nicht liegen. Der Roman entfaltet eine merkwürdige Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Ein Phänomen, das spätestens seit den Lektüren der Werke von Jonathan Franzen und Jeffrey Euginedes bestens bekannt ist. In dieser Tradition steht auch Adam Langer. Und das auch gleich mit seinem ersten Roman. Dafür gebührt im aller Respekt.
Was ‚geht ab' im Chicago der 1970er und 80er Jahre? Die melancholische zwölfjährige Jill, deren nicht wesentlicher ältere (aber über Sex, Suff und Drogen bestens informierte) Schwester Michelle schlagen und winden sich mehr schlecht als recht durch die mannigfaltigen Irrungen und Wirrungen der Pubertät. An ihrer Seite Larry - Möchtegern-Rock-und-Fickstar (den besten Sex hat er stets nur mit sich selbst) - und dessen jüngere Schwester Lana von der befreundeten Familie Rovner. Der taffe Muley Wills hat's auch nicht besser. Die Eltern unserer „Jungstars" (und das sind sie natürlich alle) veröden in nervigen Ehen und verqueren Liebesabenteuern. Das mit der Liebe klappt sowieso nur selten östlich und westlich der California. Und trotzdem strampeln sich die Protagonisten kräftig ab für ein kleines bisschen Glück. Hin und wieder auch mit Erfolg. Aber nach all den Anstrengungen will sich wahre Freude darüber fast nicht mehr einstellen. Das Leben kann so schwer sein. Und geht trotzdem weiter.
Adam Langer beherrscht genau das, was auch an Franzen, Euginedes, Irving (und viele anderen US-Autoren) so bestechend ist: mit dem abgeklärten und treffsicheren Witz des Amerikaners schreiben. Und stimmungsvolle Szenen des amerikanischen Alltags liefern.
Seine Protagonisten in „Crossing California" wachsen uns dabei schnell ans Herz. Und wir fühlen uns mitunter an die eigene Jugendzeit erinnert. An unsere Sturm- und Drangzeit. War schön damals. Zumindest hin und wieder. Die durch „Crossing California" bei uns ausgelösten Erinnerungen zeigen: auch wir werden langsam alt. Und sind jetzt vielleicht genau so, wie wir als wild pubertierende Jugendliche haben niemals werden wollen. Wie unsere Eltern zum Beispiel. Haben Sie Kinder? Dann ist ja gut: die Revolte lebt weiter!