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Oui, mon commandant! In kolonialen Diensten. Zweiter Band der Lebenserinnerungen
 
 
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Oui, mon commandant! In kolonialen Diensten. Zweiter Band der Lebenserinnerungen [Gebundene Ausgabe]

Amadou Hampate Ba


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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Leben zwischen zwei Kulturen

Erinnerungen von Amadou Hampâté Bâ

«Wir wissen viel über die afrikanische Literatur», erklärt Hermann Schulz vom Wuppertaler Peter-Hammer-Verlag, «aber wir kennen sie eigentlich nicht.» Denn nur ein kleines Spektrum der tatsächlich vorhandenen schwarzafrikanischen Literatur kommt auf dem Weg über englische oder französische Verlage, über Zeitschriften oder durch obskure Zufälle bis auf den Schreibtisch deutscher Verleger. Schlimmer noch: Vieles, was in diesen Ländern geschrieben wird, kann niemals gedruckt werden, weil es Autoren wie Verlagen an Geld mangelt und oft sogar Papier nur schwer erhältlich ist.

Und noch ein Aspekt kommt hinzu: Wo erst einmal ein Radio eingeschaltet wird, dringen die mündlich weitergereichten Erzählungen nicht mehr durch; die Initiationsmythen, Märchen oder Historien geraten in Vergessenheit, und damit verstummt eine wesentliche Quelle der Literatur – auch jener, die sich avancierten literarischen Experimenten und nicht nur traditionellen Erzählformen verschrieben hat.

Amadou Hampâté Bâ aus Mali hat das in einem mittlerweile etwas überstrapazierten Satz so auf den Punkt gebracht: «Wenn in Afrika ein Greis stirbt, verbrennt eine Bibliothek» – das war Ende März auch in Leipzig wieder zu lesen, wo im Rahmen der Buchmesse eine kleine Wanderausstellung zu Leben und Werk dieses modernen Politikers und traditionellen Weisen eröffnet wurde. Ein Leben in und zwischen zwei Kulturen ist zu besichtigen und auch nachzulesen, denn der zweite Band der Autobiographie Amadou Hampâté Bâs liegt inzwischen in einer Übersetzung von Karin Boden und Monique Lütgens unter dem Titel «Oui, mon commandant» im Peter-Hammer-Verlag vor.

Eine Mittlergestalt

Amadou Hampâté Bâ selbst hatte mit diesen Bedingungen des literarischen Marktes sicher nur wenig Probleme. Er stammte aus einer noblen Familie des Stammes der Fulbe, wurde im Jahr 1900 geboren und traditionell erzogen, arbeitete nach dem Ersten Weltkrieg im Dienst der französischen Kolonialverwaltung und vertiefte sich parallel dazu in die Weisheit des Islams. Er sammelte und erforschte seit den frühen vierziger Jahren in französischem Auftrag die Überlieferungen seiner Heimat und gab Übersetzungen heraus. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er für die Unesco und später als Botschafter seines Landes. Er schrieb Bücher, religiöse Lyrik und eine Autobiographie, die erst nach seinem Tode 1991 veröffentlicht wurde.

Er hat sich bewusst und früh für die Zusammenarbeit mit den Europäern und gegen eine Beteiligung an ersten afrikanischen Emanzipationsbewegungen entschieden, hat in französischen Kolonialdiensten Karriere gemacht; das kann man ihm vorwerfen – aber hätte er für die afrikanischen Überlieferungen etwas Ähnliches leisten können, wenn er sich den fremden Herren verweigert hätte? Amadou Hampâté Bâs Bedeutung – das zeigt seine Autobiographie nur zu deutlich – liegt vor allem in seiner vermittelnden Rolle, liegt im empirischen Reichtum seiner Bücher, nicht in der literarischen Ausgestaltung und auch nicht in seiner politischen Haltung. Der erste Band, «Jäger des Wortes», schon vor zwei Jahren in Übersetzung erschienen, schilderte die Jahre zwischen 1900 und 1920, die Jugendjahre des Verfassers, sowie die Geschichte seiner Familie und die der alten afrikanischen Reiche – und deren Untergang. Der zweite, soeben erschienene Band trägt nun den zentralen Satz aller Kolonialherrschaft als Titel: «Oui, mon commandant!» Das steht auf den ersten Blick für den Gehorsam der Menschen zweiter Klasse und schwarzer Hautfarbe – die allerdings wegen ihrer Vertrautheit mit den Verhältnissen für die weissen Herren dennoch unersetzlich waren. Und bei näherem Hinsehen zugleich für den Spott hinter dem Rücken der französischen Kolonialverwalter, für den Hohn angesichts ihrer Unkenntnis, für die Chancen, eigene Interessen gegen die Weissen durchzusetzen, wenn man nur geschmeidig genug aufzutreten wusste. Die Zeit der ungebrochenen Achtung vor den Weissen war mit dem Ersten Weltkrieg ohnehin vorbei; zwischen 1914 und 1918 hatten schwarze und weisse Soldaten nebeneinander gekämpft, hatten sich gleichermassen als Feiglinge oder als Helden entpuppt, vor allem aber als sterblich und fehlbar.

Entzauberter Kolonialismus

Amadou Hampâté Bâ schildert den entzauberten Kolonialismus und liefert einen detaillierten Einblick in dessen Verfahrensweisen. Er beschreibt die Herren, aber auch die Rivalitäten zwischen den Landeskindern, die im Dienst um die Gunst der Franzosen konkurrierten. Das Buch schildert die Jahre zwischen 1921 und 1933, u. a. also Anfang und Ende der Kolonie Obervolta, zugleich aber auch das private Leben des Erzählers. Die traditionellen Familienbindungen funktionieren auch, aber sie tragen das Land nicht mehr. Der junge, meist recht erfolgreiche Beamte widmet sich zunehmend dem Studium des Islams und bildet sich zum Weisen in der Nachfolge seines Lehrers Tierno Bokar (1875–1940) aus. Dafür opfert er einerseits die «Freuden der Jugend» – und es ist schon etwas merkwürdig zu lesen, wie er ständig darum bemüht ist, seine Ehrbarkeit vor den Nachstellungen junger Frauen zu retten, und sich dafür Jahrzehnte später immer noch wortreich rechtfertigt –, und anderseits zieht er Schikanen am Arbeitsplatz auf sich.

«Oui, mon Commandant» zeigt viele Facetten seiner Person: stellenweise eine erstaunlich ungebrochene Eitelkeit, dann wieder Selbstkritik und weise Bescheidenheit. Amadou Hampâté Bâ hat keine Hemmungen, auf seine Verdienste zu verweisen oder seinen gesellschaftlichen Rang zu betonen. Aber das ist nur eine und sicherlich die nebensächlichste Seite seines Buches. Denn den Reichtum machen die Verweise auf die Überlieferungen der Griots, der traditionellen Sänger, aus, die Einblicke in die Lebenswelt westafrikanischer Städte und Gesellschaften im frühen 20. Jahrhundert sowie die Durchleuchtung der kolonialen Vergangenheit seiner Heimat. «Oui, mon commandant» ist deshalb auch eine Art von Kulturgeschichte und nicht bloss der Roman eines Lebens.

Michael Schmitt

Kurzbeschreibung

Lächelnd öffnete sie die Schlafzimmertür und trat beiseite, um mich vorbeizulassen. Es gelang mir, die Villa würdig zu verlassen, den Hof mit blitzartiger Geschwindigkeit zu überqueren und auf die Straße hinauszugelangen. Als ich mich umwandte, sah ich Frau Adjutant auf der Treppe ihrer Veranda stehen, mir mit der rechten Hand zuwinkend. Ich erwiderte ihren Gruß mit der linken Hand. Wäre sie ein Fulbemädchen gewesen, hätte sie an dieser einfachen Handbewegung erkannt, daß es keinerlei Übereinstimmung zwischen uns gab. Mit dem Gefühl eines Gefangenen, der die Schwelle zur Freiheit überschreitet, schwang ich mich auf den Sattel meines Fahrrads und trat kraftvoll in die Pedale, wie ein Radrennfahrer auf der Jagd nach dem gelben Trikot.

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