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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
78 von 87 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Anregung zum Nachdenken trotz großen Streitbedarfs,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der blockierte Riese. Psycho-Analyse der katholischen Kirche (Taschenbuch)
Der selbstgewählte Anspruch des vorliegenden Buches ist ein doppelter: Zum einen soll eine Einführung in die moderne Psychotherapie gegeben werden, zum anderen wird die katholische Kirche als Patient wahrgenommen und psychotherapeutisch durchleuchtet. Beide Aspekte werden mit einander verbunden, um systemische und lösungsorientierte Sichtweisen zu präsentieren, mit deren Hilfe sich Krisen effizient bewältigen lassen. Die katholische Kirche bietet sich als Patient dieser Behandlung in besonderer Weise an: Sie ist bekannt, die "älteste noch bestehende Großinstitution der Welt" und befindet sich derzeit in einer sehr schwierigen Lage, wie nicht zuletzt in Österreich besonders augenscheinlich wird. Lütz konstatiert, daß ihn die katholische Kirche derzeit an eine Alkoholikerfamilie erinnere, die schwierigste Familienkonstellation überhaupt: Spaltungen, Depressionen, Abwertungen, Überverantwortlichkeit, Rollendiffusionen, Überlastung aller Beteiligten. Eine ausführliche Diagnose dieser problematischen Situation findet in der ersten Hälfte des Buches statt. Die kontinuierlichen Diskussionen über Zölibat, Frauenpriestertum, Sexualmoral und Demokratisierung werden als Anlässe für eine "Problemtrance" ausgemacht: Man redet nur noch über die Probleme, statt sich mit den Lösungen zu befassen. Ansätze, die es der Kirche ermöglichen sollten, sich aus ihrem weitgehend selbstverursachten Dilemma zu lösen, stehen im Mittelpunkt der zweiten Buchhälfte. Ausgangspunkt ist dabei für Lütz, daß die katholische Kirche durch kirchliche Gemeinschaft, Bekenntnis, Gottesdienst und Sozialengagement nach wie vor Lebenssignale aussendet. Damit sind zugleich aber auch die Ressourcen für eine erfolgversprechende Therapie vorhanden. Die Kirche muß sich immer wieder bewußt machen, daß sie kein Selbstzweck ist, sondern eine Aufgabe (und damit auch Ressourcen) auferlegt bekommen hat. Dieses Buch hat viele Widerhaken. Während die Einführung in die Methoden der Psychotherapie vorwiegend informativ ist, reizt gerade deren Anwendung auf die Kirche zum Widerspruch. Stundenlang könnte man mit dem Autor streiten! Und gerade hierin - in der Anregung zum Nachdenken und zum eigenen Argumentieren liegen der besondere Reiz und der große Wert des Buches.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die katholische Kirche auf der Therapeutencouch,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der blockierte Riese: Psycho-Analyse der katholischen Kirche (Taschenbuch)
Psychologie und Theologie. Das klingt nach einer - lässt man die Seelsorge mal außen vor - recht eigenartigen Kombination. Was allerdings herauskommt ist eine sehr interessante und vor allem aufschlussreiche Gedankenreise.Der Psychologe und Theologe Manfred Lütz hat sich auf solch eine Reise gewagt, um einerseits an Hand psychologischer Modelle die Problematik, die Blockade der katholischen Kirche aufzuzeigen, um in einem nächsten Schritt konstruktive Lösungswege aus dieser festgefahrenen Beharrungssituation aufzuzeigen. Der Autor beginnt damit, den "Patienten" Kirche in seiner momentanen Krisensituation darzulegen. Er zeigt auf, in welcher Situation die Kirche sich einerseits befindet und wie sie andererseits in der Gesellschaft wahrgenommen wird. Ist der "Patient" bekannt, fährt Lütz damit fort, den Pradigmenwechsel in der Psychotherapie aufzuzeigen. Er beschreibt wie in modernen psychologischen Modellen nicht mehr das einzelne Individuum, sondern viel mehr das gesamte Umfeld in die Analyse mit aufgenommen werden muss (systemischer Ansatz). Durch seine beispielhaften "Illustrationen" gelingt es dem Autor, die Annahmen hinter den Modellen leicht und verständlich darzulegen, wenn es beispielsweise darum geht, einen magersüchtiger oder alkoholkranken Patient zu analysieren/behandeln. Um aufzuzeigen, wie schnell und im Grunde einfach, man sich selbst in die Frustration treiben kann, bezieht sich Lütz auf ein Buch von Paul Watzlawick, in welchem beschrieben wird, wie es jemanden gelingen kann, sich selbst unglücklich zu machen und wie es der katholischen Kirche "gelungen" ist, diesen Weg zu gehen. Bei den Lösungen psychotherapeutischer Ansätze beruft sich der Autor auf bekannte Psychologen und zeigt auf, dass oft ein Perspektivenwechsel und damit einhergehend eine Abkehr der Fokussierung vom Problem, hin zu den Stärken/ den Ressourcen des Patienten ein erfolgsversprechendes Potential in sich birgt. Um die Pathologie des "Patienten" Kirche aufzuzeigen, geht Lütz auch übersichtsartig auf die zweitausendjährige Kirchengeschichte ein, ohne dabei zu widersprechen, dass auch die Kirche in ihrem Handeln und Tun viele Fehler hatte und auch noch heute hat. Jedoch ist das heutige Bild der Kirche unter anderem durch die Medien stark verzerrt und in sich festgefahren. Diese Verzerrung möchte der Autor ein wenig korrigieren, um den wahren "Patienten" vor sich zu haben. Im zweiten Teile seines Buches wird Manfred Lütz sehr theologisch. Er versucht unter der im Vorfeld dargelegten Sichtweise neuer psychotherapeutischer Perspektiven den Blick auf die vorhandenen Ressourcen der Kirche zu legen. Dabei nimmt er teilweise eine sehr apologetische Haltung ein und versucht bestimmte Einstellungen der Kirche zu rechtfertigen. In manchen Passagen scheint Lütz etwas zu sehr vom eigentlichen Thema - dem Aufzeigen von Lösungswegen für die Kirche - abzukommen und sich zu sehr in theologische Erklärungen zu versteifen, wenn er sich auf Bibelzitate oder Pabstverkündigungen beruft. Sehr schön ist jedoch, dass Manfred Lütz unter einem guten Christen nicht jene sieht, die jeden Sonntag den Gottesdienst besuchen. Für ihn sind gerade Nächstenliebe und die daraus resultierende Aufgabe, sich den Problemen der Menschen anzunehmen und ihnen zu helfen, ein wichtiges Charakteristikum. Dabei ist der Dienst am Nächsten nicht immer ein und dasselbe. So zeigt der Autor sehr schön, dass selbst Caritas-Verände nicht automatisch richtig "funktionieren". Viel zu sehr wird auf Professionalität der dortigen Mitarbeiter geachtet und die Stellung von Laien ungerechtfertigterweise unterbewertet, wodurch die grundlegende Absicht der Caritas - das Helfen an sich - aus den Augen verloren wird. Das mag an dieser Stelle etwas sozialphantastisch und irreal klingen, wird aber im Buch ausführlicher behandelt und verliert dort auch seinen Utopiegeschmack. Lütz kritisiert, dass viele Menschen sich nicht mehr mit der Kirche solidarisieren können, da die Kirche nicht voll und ganz den Vorstellungen und Einstellungen dieser Menschen entspricht. Doch wer sich nur mit denen solidarisiert, die dieselbe Meinung vertreten wie man selbst, der solidarisiert sich auch nur mit sich selbst und wird im Endeffekt auf sich zurückgeworfen. Dabei wird oft vergessen, dass Unterschiede keine Defizite sein müssen. Viel mehr kann hier ein fruchtbarer Dialog stattfinden. Um dieses Buch zu lesen muss man kein überzeugter Christ oder gar frommer Katholik sein. Wer sich für psychotherapeutische Modelle und der damit einhergehenden Systemischen Theorie interessiert, wird in diesem Buch eine gut Lektüre finden, in welcher die Kirche als beispielhafter Patient zu verstehen ist. Wer sich jedoch für den christlichen Glauben und der Problematik, in welcher sich dieser in heutiger Zeit befindet interessiert, darf gespannt sein, welche Sichtweisen und Lösungsansätze Manfred Lütz aufzuzeigen hat. Dabei wird der Fokus wieder weg von der vielen Polemik und der durch Medien hervorgerufenen verzerrten Darstellung hin auf die Grundlage des christlichen Glaubens gelegt. Oft ertappt man sich beim Lesen selbst, wie man in seinen Einstellungen festgefahren ist. Dieses Buch hilft, auch den christlichen Glauben wieder attraktiv zu machen ohne dabei all zu viel Kosmetik aufzutragen. Lediglich die eingefahrenen Bahnen werden verlassen, der sich abgelagerte Staub wird entfernt, um die wahren Absichten, Einstellungen und auch lebensbehilflichen Möglichkeiten des christlichen Glaubens wieder in den Vordergrund zu schieben. Man muss nicht immer der gleichen Meinung wie der Autor sein. Auch wenn man einige Punkte durchaus anders sehen kann, so stürzt das gesamte Gerüst dadurch nicht gleich in sich zusammen. Das Fundament und die tragenden Teile seiner Argumentation und Absicht halten durchaus ernsthafter Kritik stand. Denn, wie bereits geschrieben: Unterschiede müssen keine Nachteile sein. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
44 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
hilfreich,konstruktiv, ein absolutes MUSS,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der blockierte Riese. Psycho-Analyse der katholischen Kirche (Taschenbuch)
Dieses Buch sollte jeder interessierte Katholik gelesen und danach griffbereit haben. Es steckt voller Fakten und guter Argumente zur offensiven und positiven Verteidigung der kath.Kirche. Der innerkirchliche Leidensdruck durch "Flügel- kämpfe" kann abgebaut und in positive Energie umgewandelt werden. Das Buch ist wissenschaftlich fundiert und trotzdem unterhaltsam geschrieben. Hr. Lütz hat,so erscheint es mir, den Kern und das Wesen unserer Kirche begriffen. Danke für dieses Buch, Hr.Lütz.
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