Indien ist das Land der spirituellen Energien, der heiligen Männer und Gurus. Aber es ist auch ein Land unvorstellbarer Armut, von Elend, Bettelei, klimatischen Extremtemperaturen und Katastrophen, religiöser und sozialer Spannungen. Es ist aber auch ein Land großer geistiger Traditionen. Sarah MacDonald hebt in ihrer Aufzeichnung das Spirituelle hervor. Sie folgt ihrem Freund, der in Neu Delhi als Auslandskorrespondent arbeitet, und hat nach Jahren einer Radiokarriere plötzlich keinen 'westlichen' Lebensentwurf mehr, hier geht es nicht um Karriere. Ihren indischen Nachbarn und Freunden ist es vollkommen egal, welche Karriere MacDonald in Australien gehabt hat. Sie sehen eine Frau als einen Mensch, der nur in Verbindung mit einem Mann vollkommen sein kann. Aber es gibt inzwischen auch indische Frauen, die diese Sicht ablehnen. Auch von ihnen handelt dieses Buch.
MacDonald geht dann auf die Suche und durchstreift Indiens Regionen und Religionen: Sikhs, Muslime, Hindus, Buddhisten, Parsen und Christen werden unter die Lupe genommen. Manchmal meditiert MacDonald zehn Tage im Ashram, manchmal ist sie einfach nur ein paar Tage zu Gast und spricht mit Leuten, die dieser Religion angehören oder sie ausüben. Sie trifft auf die Stars indischer Religionen und Richtungen. Aber die Erleuchtung sucht sie jedenfalls nicht heim, auch wenn sie manchmal schon sehr beeindruckt ist.
MacDonald ist eigentlich eine typische, distanzierte westliche Christin, deswegen kann der Leser ihr sehr gut folgen. Der Nachteil daran ist der, dass MacDonald natürlich nicht die den spirituellen Zugang findet, sondern auf einer spirituellen Suche hängen bleibt. Für den Leser ist das aber interessant, denn so lernt er Indien von diesen Seiten kennen.
Gleichzeitig ist MacDonalds Buch auch eine Beschreibung von zwei Jahren Indien. So beschreibt sie ihr Leben mit ihrem Freund (später Mann) und ihren Hausangestellten recht lustig, einfühlsam und detailliert. Auch die Oberschicht Neu Delhis, nämlich ihre Nachbarn und Freunde werden ausführlich beobachtet und beschrieben. Wer nach Indien reisen oder dort leben will, wird sicherlich viel mit diesem Buch anfangen können. Für alle anderen ist es ein unterhaltsames Stück Reiselektüre.