Ob sie's glauben oder nicht: Mir war es nicht bewusst, dass die Berufswelt unserer Kinder so komplett anders aussehen wird, als unsere eigene. Schließlich befinden wir uns doch mitten drin, oder?! Der Wandel unserer Arbeitswelt mit allen Facetten wird anschaulich und unterhaltsam beschrieben: Svenja Hofert stellt im Karriere-Ratgeber für Eltern die Trends des Arbeitsmarktes dar und zwar mit dem Blick nach vorne und nicht - wie bisweilen üblich - in den Rückspiegel. Dabei wird deutlich, dass es den einen Arbeitsmarkt nicht geben wird.
Meine wichtigsten Erkenntnisse:
1. Eltern, die die berufliche Zukunft ihres Kindes im Auge haben, können sich nicht heraushalten. Denn weder Lehrer, noch Mitschüler, noch Arbeitsagentur werden für eine zukunftsorientierte Entscheidung taugen.
2. Eltern, die die berufliche Zukunft ihres Kindes im Auge haben, sollten jedoch keinesfalls die berufliche Planung ihrer Kinder dominieren, so nach dem Motto: "Tue das, was ich tue".
3. Eltern, die die berufliche Zukunft ihres Kindes im Auge haben, sollten ihre Kinder ermutigend und kritisch zugleich begleiten.
Dazu bietet der zweite Teil des Buches konkrete Werkzeuge. Den Neigungen und Bedürfnissen des Kindes auf die Spur kommen, ist Ziel des praktischen Leitfades. Daraus können dann - durchaus vorläufige - Entscheidungen herauskommen.
Dass berufliche Biografien heute nicht mehr unbedingt gradlinig verlaufen werden, ist dabei eine Grundlage für alle Entscheidungen. Da der Arbeitsmarkt der Zukunft ohnehin nur bedingt voraussagbar ist, sind die Bedürfnisse, Neigungen, Interessen und Wünsche des umso wichtiger. Die gilt es in Teil 2 herauszuarbeiten.
Auch wenn sich der Ratgeber in erster Linie an Eltern von Kindern richtet, die in greifbarer Zeit ihre Schule verlassen werden - ich finde ihn bereits hilfreich für Eltern von Grundschulkindern: Bereits ab der zweiten oder dritten Klasse wird die Entscheidung für die weiterführende Schule fällig. Hierzu gibt das Buch nämlich konkrete Hilfestellung. Und das ist wichtig, weil daraus bereits Folgen für den Berufseinstieg vorgegeben werden: MINT-Abi, Fachabi, kein Abi und zweiter Bildungsweg, Handwerkliche Ausbildung, duales Studium usw.
"Ausprobieren ist eine wunderbare Lebenschance, die später unheimlich viel Zeit spart" lautet deswegen auch ein Credo von Svenja Hofert. Besser zwei Studiengänge ausprobiert und im dritten glücklich gelandet, als ein Studium mit zusammengebissenen Zähnen durchgehalten und jahrzehnte unglücklich im Job. Wie mutig und weise, diese Aussage in einem Eltern-Ratgeber zu wagen.