Aus der Amazon.de-Redaktion
Es versteht sich von selbst, dass auch in der hier vorliegenden Leibniz-Biografie des bislang vornehmlich mit theologischen Themen in Erscheinung getretenen Eike Christian Hirsch die Erfindung der Infinitesimalrechnung und des binären Zahlensystems, der mechanischen Rechenmaschine und der Windkraftanlage sowie natürlich die eigentümliche Monadenlehre, die Philosophie der prästabilierten Harmonie, die Theodizée und das Streben nach einer Characteristica universalis breiten Raum einnehmen. Was uns in diesem Buch jedoch auch begegnet, das ist der Mensch hinter alledem. Denn bei aller posthumen Wertschätzung war Der berühmte Herr Leibniz, wie ihn Kant süffisant nannte, zu Lebzeiten eher verkannt, ja beinahe eine tragische Figur. Eigentlich zu Höherem berufen, musste er sein Dasein als schlecht bezahlter Hofgelehrter in Hannover fristen, wurde von radikaleren Rationalisten wie Voltaire verspottet und von Rivalen wie Isaac Newton angefeindet oder schlicht um den Lorbeer für seine Entdeckungen gebracht.
Für manchen Geschmack sicherlich zu lang und minuziös zeichnet Hirsch in seinem streckenweise bewusst romanhaft gehaltenen Buch das warmherzige Porträt eines außergewöhnlichen Mannes und seiner Epoche. Dass es dabei kräftig "menschelt", tut der Sache im Prinzip keinen Abbruch. Fragt sich nur, was davon vor dem Hintergrund des wiederholt geäußerten Umstands, dass Leibniz selbst sehr wenig von sich preisgegeben hat, für bare Münze genommen werden darf. --Roland Detsch
Kurzbeschreibung
Eike Christian Hirsch, geboren 1937, studierte Theologie und Philosophie in Göttingen, Heidelberg und Basel. Bis 1996 war er Redakteur im Hörfunk des NDR und ist jetzt freier Journalist. Er hat Bücher zu Glaubensfragen und zur deutschen Sprache geschrieben.