Es rührt an und trifft den Kern, wie Alice Miller die Ursachen unseres teilweise schmerzvollen Seins offenbart. Man spürt sich selbst, wenn Alice Miller in ihren drei - zu einem Buch zusammengefassten - Aufsätzen ihre tiefenpsychologischen Theorien über die kindlichen Verletzungen in uns darlegt. Sie läßt den Leser an ihren Beobachtungen und jahrzehntelangen Erfahrungen in der psychoanalytischen Arbeit mit ihren Klienten teilhaben. Wir erkennen, dass die Wurzeln unseres neurotischen Verhaltens - oder "kranken Narzißmus'" - in defizitären Entwicklungen in der frühen Kindheit zu suchen sind. In der für das Kind überlebenswichtigen Hingabe und Ausrichtung auf elterliche Bedürfnisse, um durch solche Anpassungsleistungen wohlwollende "liebende" Zuwendung zu erhalten, geht die Entfaltung eigener Bedürfnisse zu großen Teilen unter. Oft wird der Rest des Lebens zu einer mühsamen, wenngleich ohne analytische Bemühungen zumeist unerfüllten Suche nach dem eigenen wahren Selbst. Wer offen ist für tiefgängige Betrachtungen der menschlichen Psyche und letztlich wissen möchte, wer er ist, und warum einige emotionalen Muster bei ihm so sind, wie sie sind, wird bei der Lektüre einen großen Schritt weiterkommen.
In der Um- und Fortschreibung läßt Alice Miller Erkenntnisse aus ihrer weiteren Entwicklung einfließen.