Wurden die Menschen aus religiösen Gründen sesshaft? Dieser Gedanke liegt nahe, wenn man Schmidts Buch liest. Er selbst behauptet das aber nicht apodiktisch, sondern interpretiert die Funde von Göbekli Tepe, an denen er zum großen Teil selbst beteiligt war, sehr behutsam. Überhaupt ist sein Buch geprägt von einer wohltuenden Seriosität, wenn man es mit anderen Werken vergleicht, etwa "Warum die Menschen sesshaft wurden". Dort etwa spekuliert ein (im Grunde fachfremder) Evolutionsbiologe trotz kaum vorhandener Beweislage einfach mal munter drauf los, dass sich die Menschen niederließen, um Bier brauen und besser dem Rausch frönen zu können. Von solch völlig losgelösten Thesendreschern unterscheidet sich der Experte Schmidt grundlegend. Trotz des wissenschaftlichen Anspruchs ist sein Buch aber auch für den Laien sehr verständlich und gut formuliert geschrieben. Schmidt führt eine Menge Fachbegriffe ein, erklärt aber jeden einzelnen davon direkt im Anschluss. Ein Rezensent hat das kritisiert, ich hingegen finde das gerade gut: Es hat nichts mit Angeberei zu tun. Man kann sowieso davon ausgehen, dass Schmidt das Fachvokabular drauf hat. Das muss so ein Kenner nicht beweisen, aber er bringt es auf unangestrengte Weise dem Leser bei. Der kann davon bei weiterer Lektüre profitieren, denn nicht alle Autoren lassen sich freundlicherweise dazu herab, einem Laienpublikum die Fachtermini persönlich zu erschließen.
Das Buch kommt übrigens auch mit einem netten kleinen Accessoire: einem Lesezeichen, auf dem die Urgeschichte tabellarisch aufgeführt ist. Da kann man zwischendurch immer mal wieder spicken, auch wenn Schmidt sich im Text große Mühe gibt, dem Leser zu erklären, von welchem Zeitabschnitt er gerade schreibt.
Vielleicht findet mancher die detaillierte Beschreibung der Fundlage(n) zu minutiös. Ich fand sie ganz interessant, da Schmidt erstens gut schreibt und mir zweitens seine Sorgfalt gefällt, den Leser wirklich akkurat ins Bild zu setzen. Ebenso schätze ich seine vorsichtigen Schlussfolgerungen. Man hat nicht das Gefühl, da will wieder mal ein eitler Autor mit flamboyanten, möglichst originellen Ideen überraschen, sondern da ist ein echter Wissenschaftler am Werk, der sich ans Faktische hält und (sich und dem Leser) Raum lässt für künftige Entdeckungen.
Für Einsteiger, die nur mal eben so einen lockeren Überblick über die Urgeschichte gewinnen wollen, vielleicht nicht das ideale Erstbuch. Für die, die sich mit der Prähistorie schon ein bisschen beschäftigt haben, aber eine absolut empfehlenswerte Lektüre.