Anatol Regnier beschreibt leichtfüßig, amüsant und kenntnisreich das Leben seiner Großmutter Tilly Wedekind, seiner Tante Kadidja und seiner Mutter Pamela. Am gelungensten fand ich die Passagen über Tilly Wedekind, vielleicht weil der Autor hier zum Gegenstand noch die größte Distanz besaß. Es ist wunderbar, wie viel Distanz er in seiner Darstellung, die nie zu privat und familienklatschartig ist, zu den Porträtierten war und sich selbst möglichst aus dem Geschehen heraushält. Diese Bescheidenheit nimmt den Leser sehr für den Verfasser ein. Auch sonst war ich beeindruckt von den vielen Einblicken in die breitgefächerte Künstlerszene des 20. Jahrhunderts. Man begegnet vielen bekannten Gestalten und wundert sich, dass sich irgendwie alle untereinander kannten. Dass es Anatol Regnier hier gelingt, die Ordnung und Übersicht zu wahren, so dass der Leser dem Trubel nicht hilflos ausgeliefert ist, finde ich bewundernswert.
Eigentlich habe ich dieses Buch nur gekauft, weil ich mehr über Pamelas Beziehung zu Klaus und Erika Mann herausfinden wollte, die durchaus facettenreich dargeboten wird. Tatsächlich aber besteht dieses Buch aus viel mehr, besonders durch Tilly Wedekinds spannenden Lebenslauf, sodass die Lektüre rundum ein Gewinn ist, der unterhält und glücklich macht.