Die Ärzte - das waren die Helden meiner Jugend. Das war die Band, bei der Anarchie in Texten, Musik und Habitus herrschte und die ihr Dasein als deutsche Superstars mit übersteigert-selbstironischen Sprüchen wieder auf eine sympathische Ebene herunterquatschten. Songs, die man auch nach 15 Jahren noch auswendig kann. Songs, die einem über Teenagertrennungen hinweghelfen konnten.
Man wird älter, und Die Ärzte auch. Man entwickelt einen differenzierteren Musikgeschmack, aber irgendwie kommt man auf Parties doch wieder auf "Meine Ex(plodierte Freundin)" oder "Zu Spät" zurück. Live würde man diese Band auch auf jeder Tour nicht verpassen wollen.
Nur mit den Tonträgern ist das so eine Sache... nach der unglaublichen "13" fing es schon an: da waren zwar noch Witz, Charme und Experimentierfreudigkeit, aber irgendwie war eben auch alles schon mal dagewesen. Alles gab's von dieser Band bereits früher: Bessere Songs gegen Nazis, bessere Songs über Frauen, bessere Songs über Trennungen. Es blieben Alben, auf denen man eben nicht wie früher jeden einzelnen Song gut fand. Es kam ein Doppelalbum, auf dem die Schwächen Rodrigo Gonzalez' deutlich wurden: ein hervorragender Musiker, ein miserabler Texter. Es wurde klar, dass Farin Urlaub mit seinem Racing Team mehr rockte, als mit seiner Hauptband. Es kamen Soloalben von Bela B. heraus, die eigentlich nur sein Image zum Thema hatten und musikalisch... nunja, eher mäßig waren sie jedenfalls.
Und "auch" passt insofern in diese Linie: das Album hat einen großartigen Opener, geht schon mäßig weiter, verliert sich im Schlager, wenn Rodrigo singen darf, bietet Bela Gelegenheit zur Imagepflege und beißt nur noch selten so richtig. Musikalisch ist das alles nicht schlecht, es hat auch einige Highlights.
Bin nur ich älter geworden oder Die Ärzte belangloser? Ich habe keine Antwort auf diese Frage. Mit "Cpt. Metal" hat Farin Urlaub mich dann wieder versöhnt, aber wenn von 16 Songs nur ca. die Hälfte so klingt, als würde ich sie noch einmal hören wollen, dann bleiben mir die Typen zwar sympathisch. Nur gilt jetzt wirklich, was früher selbstironisch gesagt wurde: "Früher waren die viel punkiger!" - "Früher waren Die Ärzte viel besser!" - "Die sind zu Berufsjugendlichen geworden!"