Die Grundthese des Buches, daß wir unbezahlten Tätigkeiten einen erheblich höheren Stellenwert einräumen müssen, ist an sich begrüßenswert. Freilich hätten die Autoren das Wenige, was sie darüber wirklich zu sagen haben, auch auf maximal 30 bis 50 Seiten unterbringen können. So ist aus dem Buch eine Aneinanderreihung von Substanzlosigkeiten und quälenden Wiederholungen von wenigen immergleichen und keineswegs sonderlich in die Tiefe gehenden Kernaussagen geworden, die wohl nur auf diejenigen überzeugend wirkt, welche die Ansicht der Autoren ohnehin schon teilen. Zudem verengt sich die Darstellung auf einen einzigen Aspekt der Beschäftigungsproblematik, eben die Integration nichtmonetarisierter Tätigkeiten - unbestritten ein wichtiger Punkt, aber wohl kaum der entscheidende; eine wesentlich überzeugendere Analyse der Ursachen für die anhaltende Massenarbeitslosigkeit liefert z.B. "Energie und Kreativität" von R. Kümmel.
Das schwerwiegendste Manko aber ist die sprachliche Unbeholfenheit der Autoren (oder der Übersetzer?). Insbesondere der extreme Nominalstil macht die Lektüre zur Qual: In einem fort werden Schlagworte und mitunter nichtssagende Phrasen notdürftig aneinandergekleistert zu "Sätzen", die unnötig kompliziert, ohne Kraft und Ausstrahlung und mitunter schlichtweg sinnlos oder falsch sind, wie das folgende Beispiel illustriert:
"Eben weil materielle Produkte immer weniger Wert haben, solange sie nicht angemessen genutzt werden, verlangt der wirtschaftliche Wert der Nutzung und der Prozesse der Eigenproduktion und Eigenkonsumtion, zu denen er anregt, die Neuberücksichtigung dieser Tätigkeiten als voll wertschöpfend in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht."
Fazit: Zwar sind wissenschaftliche Texte oftmals nicht ganz leicht zu verstehen; aber nicht alles, was kompliziert und schwer verständlich ist, sollte sich wissenschaftlich nennen.