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39 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kuttners Eistüte oder es muss ja nicht immer Goethe sein..., 16. April 2007
Sicherlich ist "Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart" kein Buch wie jedes andere, denn eigentlich ist es schon mal gar kein Buch, wie ich kurz nach dem Erwerb dieses Werkes feststellen durfte. Nun, eigentlich trifft auch das Wort "Werk" nicht ganz, denn unterbewusst schwingt ja in beiden Ausdrücken mehr mit als nur die Erwartung eines irgendwie eingebundenen Schriftstückes: Sehr konservative Menschen mögen eine Handlung erwarten, die meisten aber zumindest einen durchgehenden Text und einen ominösen "roten Faden". Sollten sie nun einer jener Menschen sein, so werden sie wahrscheinlich kaum Freude an Frau Kuttner finden, denn, um es vorweg zu nehmen, sie bietet ihnen leider keines von beiden.
Was sie stattdessen vorfinden, mag ernüchternd und banal zu gleich sein: Im Grunde beschränkt sich ein Großteil des Buches darauf, dass die Autorin in je ungefähr 6 Sätzen all die kleinen, sinnigen und unsinnigen Fragen des absurden Alltages der unter 30jährigen beantwortet, sei dies nun bezüglich der angesagtesten Nagellackfarbe des Sommers oder der zweifelhaften Vorteilhaftigkeit des Fahrradfahrens: Der geistige Anspruch steht erst einmal im zweiten Glied. Daraus lässt sich dann sicher auch noch folgern, dass sie dieses Buch verächtlich betrachten werden, wenn sie sich lieber mit den großen Problemen der Welt beschäftigen oder sowieso schon der Meinung sind, die Jugend hätte nichts wirklich Wichtiges im Kopf. Voraussichtlich werden sie zwar in diesem Buch einige Bestätigung für letztere Annahme finden, aber leider auf eine Weise, die sie sicher nicht zufrieden stellen wird.
Was den Schreibstil von Frau Kuttner angeht, nunja, er ist grundsätzlich schwer zu beschreiben. Böse Menschen mögen sagen, dass das Wörtchen "rotznäsig" oder die schlichte Umschreibung "doof" ganz trefflich passen, doch das wäre wohl zu tief gegriffen. Man muss zwar kein Freund ihrer Wortwahl sein, auch nicht der Jugendlichkeit der Autorin, aber zumindest muss man ihr zubilligen eine stringente Linie in ihrer Sprache zu haben, eine, die es dem Leser trotz ihrer Eigenheiten erlaubt stetig bei der Stange zu bleiben. Dass dabei die "Political Correctness" einmal vollkommen unter den Tisch fällt, ist wirklich etwas Wunderbares, denn auch in der Sprache gibt es Normen und Regeln, die häufiger zu hinterfragen -wie Sarah Kuttner es tut- dann und wann durchaus wünschenswert wäre. Es muss ja nicht immer Goethe sein, um etwas Wahres zu sagen.
Nachdem nun aber genug Kritikpunkte an "Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart" genannt worden sind, werden sie sich sicher fragen, warum das Buch trotzdem 5 Sterne bekommen hat. Es sei vorweg gesagt, Gründe gibt es viele und ich werde hier nur einige nennen:
Der Mensch Sarah Kuttner ist auf ihre Weise einzigartig: Nicht immer konform, nicht zwanghaft rebellisch, nicht nur auf den Bildzeitungseffekt aus und schon gar nicht hedonistisch. Ganz im Gegenteil gibt es an manchen Stellen des Buches fast schon philosophische Ansätze, so zum Beispiel bei der Frage inwiefern man sich für das Gute engagieren sollte, die sie lapidar damit beantwortet, dass, egal ob nun George Bush oder ein Selbstmordattentäter, ja jeder glauben würde, er würde sich für das "Gute" engagieren. Sicherlich ist das keine höhere Philosophie, keine Welterklärung, aber die versucht sie auch gar nicht zu geben: Vieles von dem was Sarah Kuttner schreibt, würde sie wohl "Alltagspoesie" nennen und genau das ist es auch.
Daran anknüpfend ist "Alltagspoesie" auch etwas wie "Kuttners Eistüte": Etwas Buntes und Zuckersüßes, dass man gerne auf langen Zugfahrten oder an heißen Tagen zu sich nimmt und sich dabei doch immer wieder an den kleinen besonderen Geschmacksnuancen erfreut. Ein seltsamer Vergleich, zugegeben, aber ein treffender: Dieses Buch wird nämlich gerade durch seine Lebensfreude lesenswert, denn genauso wenig, wie es immer Goethe sein muss, müssen es immer große Dinge, große Worte, große Taten sein. Manchmal ist weniger mehr und das Detail wichtig, also die Freude über die richtige Fingernagelfarbe im Sommer oder die Entscheidung lieber doch kein Fahrrad zu besitzen. Gerade diese schönen Details des Lebens bringt Sarah Kuttner sehr eigen, aber ebenso lebendig wie witzig, herüber.
Kurzgefasst wird "Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart" wohl nie für den Literaturnobelpreis nominiert werden und ebenso wenig von Marcel Reich-Ranicki auf Arte gelobt werden, aber davon sollte man sich nicht trügen lassen.
Sarah Kuttner ist eine ebenso fähige wie eigene Autorin hinter deren Worten durchaus mehr steckt als man denken mag.
Sicherlich also eine große Kaufempfehlung für dieses Stück lebendige Jugend, vor allem für alle zwischen 16 und 29.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mit der Lizenz zum Totlachen, 28. Januar 2008
Welche Leute stellen sich Fragen wie "Sind Schweißbänder eine Modesünde oder super Sommerkleidung?" oder wer macht sich Gedanken über das "Toiletten-Verhalten" von Lindsay Lohan? Wer denkt ernsthaft darüber nach, ob Augenklappen sexy sind?
Sarah Kuttner!
Auf etwa 175 Seiten setzt sie sich mit solch mehr oder weniger lebenswichtigen Fragen auseinander und ist fähig mit einer ungewöhnlich treffenden Wortwahl ihre Meinung auf sehr ehrliche Art und Weise kundzutun. So lernt man Sarah Kuttners Privatleben dank dieser Kolumnensammlung in fast allen Einzelheiten kennen. Sie duscht zum Beispiel nicht, ihren Bettrand säumen Jung-Dandys und sie ist eine der besten Freundinnen von George Bush, mit dem sie bei seinem letzten Besuch erstmal eine "Restmauerbesichtung" vornehmen musste. Behauptet sie.
Dank dieses Buches, weiß die Nation endlich, dass in unserer Bundeshauptstadt Unmengen an herrenloser, alkoholisierter Jugendlicher herumstreunen und die feinen Vorgärten vollbrechen, aber dies tun ja auch die so genannten "urbanen Penner".
Es gibt Epiliergeräte, die kopiergeschützte Telefongespräche abhören und dabei außerdem zwölf Latte Makkaroni kochen können. Doch Vorsicht, diese Maschinen sind äußerst arrogant und zickig!
Man lernt über wichtige Dinge, zum Beispiel über das Elterngeld, man lernt, dass Christian Wulff der karohemdtragendste Politiker ist oder dass sich alle Mädchen eine Badewanne in der Küche wünschen.
Sarah übertreibt, Sarah lügt, Sarah ist charmant. Gerade das macht das Buch so lesenswert und lebendig.
Die Schlagfertigkeit und Eloquenz, gemischt mit einer guten Portion Quatsch-Erzählen, die Sarah (dank ihres Vaters, einem Radiomoderator) in die Wiege gelegt wurden, macht die Kolumnensammlung aus der "Süddeutschen Zeitung" so unterhaltsam, dass man Mühe hat, vor Lachen nicht weinen zu müssen.
Zu Recht wird das kleine Mädchen (1,60m), das am 29. Januar 1979 in Ost-Berlin geboren wurde, heute als "Leitfigur der unter 30-Jährigen" (F.A.Z.) bezeichnet. Der Hauptgrund liegt wohl an seiner gnadenloser Selbstironie und der Gabe genau das zu sagen, was ihm in den Sinn kommt, ohne Rücksicht auf Verluste, und irgendeine politsche Correctness wird sowieso nicht beachtet.
Der witzige Schreibstil verführt dazu, das Buch in einem Zug durchzulesen, was jedoch folgende Nachteile mit sich bringt:
1. der Titel könnte in "Die anstrengende Daueranwesenheit der Sarah Kuttner" umbenannt werden, da man sich bei dauerhafter Einnahme dieser Lektüre eventuell totlachen könnte. Daher sollte es wohldosiert gelesen werden.
2. man ist deprimiert, weil es vorbei ist
3. es gibt keine Vorfreude mehr auf dieses Buch.
Einziger Vorteil:
Man kann das Buch direkt noch einmal verschlingen und genießen!
(Oder den Vorgänger "Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens" lesen.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sprachstil., 21. Juni 2009
Was habe ich gelacht, habe gebadet in den Wortsehen der Realität, habe mich erfreut an den sprachakrobatischen Wortschöpfungen. Beim Vorgänger dieses Buches "Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens". Und auch diesmal wurde mein Verbalnerv wieder gekitzelt. Nur habe ich nicht so oft gelacht. Und doch ist es gut, dieses Buch. Dieser Nachfolger. Dieser Teil 2 vom besonderen ersten Teil.
Ich freute mich daran, dass Frau Kuttner die Herumreiterei der holländischen Fans auf der deutschen Vergangenheit absegnete. Auch ihre Offenbarung, sie wäre Geizwohner fand ich sehr aufschlussreich. Wieder faszinierte mich diese gestochen scharfe Sprache. Ausgestochen mit kleinen Förmchen, so wie an Weihnachten.. Doch ist das Buch bei weitem nicht so witzig wie der Vorgänger, trotzdem aber gut.
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