Diesen Entschluß, den Schatze Page (Lauren Bacall) wiederholt dem vermeintlich armen, weil krawattenlosen Schlucker Tom Brookman (Cameron Mitchell) verkündet, nur um sich dann doch wieder von ihm einladen zu lassen, mag ich als Hobby-Rezensent denn nun doch nicht auf Jean Negulescos Komödie "How to Marry a Millionaire" aus dem Jahre 1953 anwenden, auch wenn dieser Klassiker schon ein wenig verstaubt ist.
Die Ausgangssituation ist genauso einfach wie die Handlung vorhersehbar ist: Drei Models eines Bekleidungshauses, die resolute Schatze, die lebensfrohe Loco (Betty Grable) und die einfältige Pola (Marilyn Monroe), mieten sich mit ihrem letzten Geld ein vornehmes Apartment, um von hier aus ihr Projekt "Wie heirate ich einen reichen Mann und habe für den Rest meines Lebens ausgesorgt?" zu starten. Allerdings dauert es ein wenig, bis die drei Grazien durch den Ölmagnaten Hanley (William Powell) mit reichen Männern in Berührung kommen. Während sich Schatze daran macht, den älteren Mr. Hanley für sich zu gewinnen, und dabei zunächst konsequent alle Versuche Brookmans, sie näher kennenzulernen, abwehrt, läßt sich Loco mit dem chronisch schlechtgelaunten Waldo Brewster (Fred Clark) ein, der zu allem Überfluß auch noch verheiratet ist und nur das eine will. Pola gerät an einen zwielichtigen Typen namens Merrill (Alexander D'Arcy), aus dessen Netz sie später nur ihre eigene Kurzsichtigkeit und ihre standhafte Weigerung, in der Öffentlichkeit eine Brille zu tragen, befreien sollen. Am Ende wird bei allen drei Frauen kühle Berechnung durch wärmstes Gefühl zunichte gemacht, und eine von ihnen heiratet dann geradezu aus Zufall einen Millionär.
Man ist sicher zunächst erst einmal geneigt, aus vollem Herzen Nein zu sagen zu diesen drei berechnenden Biestern, die im Verlaufe ihres Abenteuers sogar die Möbel ihres Apartments, die ihnen doch gar nicht gehören, versetzen, um standesgemäß auftreten zu können. Vielleicht wird man sich sogar fragen, was für ein Frauenbild denn diesem Film zugrunde liegt. Doch sollte man nicht vorschnell einen zu großen Schluck aus der billig zu habenden Moralinflasche nehmen, mit der sich unsere ewig auf der richtigen Seite stehenden Wächter über das richtige Denken heute so ungeniert die Kante geben. Denn aus Schatzes Vorgeschichte erhellt doch eindeutig, was es in den 50er Jahren für eine Frau bedeuten konnte, mit dem falschen Mann verheiratet zu sein, und wer Jane Austen nicht nur gelesen, sondern sich auch mit ihrer Biographie beschäftigt hat, weiß auch, daß es Zeiten gab - und ich würde auch die 1950er Jahre noch dazu zählen -, in denen die Möglichkeiten einer Frau, ihren Weg im Leben zu machen, durchaus begrenzt waren. Vor diesem Hintergrund bin ich vielmehr dazu geneigt, den moralischen Schluß des Filmes, daß es doch vielmehr auf wahre Liebe ankomme, als einen Ausfluß patriarchalischen Denkens zu deuten, das darum bemüht ist, weibliche Emanzipationsversuche in die Schranken zu weisen.
Bevor ich hier jetzt aber noch mehr auf die Metaebene abdrifte, möchte ich mich an der Bemerkung festhalten, daß "How to Marry a Millionaire" letzten Endes und in erster Linie eine nette romantische Komödie ist, als die dieser Film, heute allzumal, auch genossen werden kann. Der Film bietet nicht nur eine lebenslustige Betty Grable, die hier wohl langsam endgültig den Lorbeerkranz der Pin-Up-Ikone weiterreicht, sondern auch eine bezaubernde Marilyn Monroe, die diesen Kranz annimmt und mit treu-dummem Blick das kurzsichtige Blondchen mimt und dem Film einige große Momente beschert. Am anschmachtwertesten bleibt für mich dagegen immer noch Lauren Bacall, die einen wie immer distinguiert und doch warmherzig wirkenden William Powell umgarnt. Der Film hat außerdem einige Dialoge von hintergründigem Witz, wobei vor allem die verbalen Gefechte zwischen Betty Grable und Fred Clark hervorstechen, in denen der gebeutelte Ehemann Jeremiaden über sein Privatleben zum besten gibt. Aber auch Sätze wie der folgende, gesprochen von Bacalls Figur, sind von augenzwinkerndem Humor: "I've always liked older men. Look at that old fellow, what's his name, in 'The African Queen'. I'm absolutely crazy about him."
Dennoch hat der Film auch gewisse Längen, was sich schon zu Beginn abzeichnet, als fünf Minuten lang ein Orchester die Eröffnungsmusik spielt, ohne daß auch nur die Eröffnungstitel kämen. Dies war wohl der Tatsache geschuldet, daß "How to Marry a Millionaire" einer der ersten in CinemaScope gedrehten Filme war, so daß man mit dem Orchester einen guten visuellen Effekt zelebrieren wollte. Für mich leidet dieser Film gerade ein wenig unter dem Mangel an Nahaufnahmen, beläßt er den Zuschauer doch in einer gewissen Distanz zu den Figuren; allerdings beruht dieser Eindruck auf meinem subjektiven Empfinden.
Alles in allem ist "How to Marry a Millionaire" mit leichten Abstrichen ein großer Spaß und mit den hintergründigen Dialogen, die man sich nach Möglichkeit nicht durch die deutsche Übersetzung vermiesen lassen sollte, [1] eine willkommene Abwechslung zu den tumben und zotigen Komödien unserer Tage.
[1] Hier fängt es schon damit an, daß man die Namen der Heldinnen ändert und aus "Loco" das alberne "Tütü" macht, während aus "Schatze" das im Vergleich zu "Tütü" nicht viel bessere "Tschikki" wird.