...sie endet, wo sie begann. Fatih Akin schafft es mit Auf der anderen Seite mehrere dieser Kreise zu schließen. In unaufdringlichen Zeitsprüngen und Blenden zeigt er uns, wie virtuos er es beherrscht, eine Geschichte durch Bilder zu transportieren. Fast magisch zieht er uns in seinen Bann; wir müssen nur folgen, uns widerstandslos in die Story hineinziehen lassen. Auf der anderen Seite ist eine Erzählung über Väter und Söhne, Mütter und Töchter, Liebe und Hass, Vergeltung und Vergebung. Ein Blick, ganz tief und gefühlvoll auf die Andere Seite.
Netar ist Professor an einer Hamburger Uni. Sein Vater Ali lebt allein Bremen. Ali lernt die Prostituierte Yeter kennen und holt sie zu sich nach Hause. Netar lernt sie nur kurz kennen und erfährt von ihr, dass sie sich nach ihrer Tochter Ayten sehnt, die in Istanbul lebt. Sie hat keinen Kontakt mehr zu ihr. Ayten denkt, ihre Mutter würde in Bremen in einem Schuhgeschäft arbeiten. Als der betrunkene Ali Yeter im Streit erschlägt, wird er verhaftet und in die Türkei abgeschoben. Netar ist über seinen Vater entsetzt. Er fühlt sich Yeter gegenüber schuldig und macht sich auf die Suche nach Ayten. Netar lässt sich in Istanbul nieder, verfolgt jede, noch so kleine Spur, hat aber keinen Erfolg.
Währenddessen wird Ayten von der türkischen Polizei verfolgt. Sie ist Mitglied einer Untergrundorganisation und muss fliehen, um nicht verhaftet zu werden. Sie setzt sich nach Bremen ab und sucht dort ihre Mutter Yeter. Aber die Suche in den Schuhgeschäften der Stadt kann nicht vom Erfolg gekrönt werden. Ayten lernt die Studentin Charlotte kennen und lieben. Die beiden werden ein Paar. Bis Charlotte und Ayten in eine Polizeikontrolle geraten. Ayten wird abgeschoben und landet im Türkischen Gefängnis. Charlotte folgt ihr, trotz großer Bedenken ihrer Mutter Susanne. Als Charlotte in Istanbul stirbt, folgt ihr Susanne und versucht, den Willen ihrer Tochter, Ayten zu helfen, in die Tat umzusetzen. Sie lernt Netar kennen und die abenteuerlichen Wendungen des Schicksals finden sich zu einem Ende...
Fatih Akin ist der geniale Geschichtenerzähler unter den Filmemachern. Mit ruhigen Bildern und einer Story, die niemals den roten Faden verliert, lässt er uns bei Auf der anderen Seite mitfühlen, fiebern, hassen und lieben. Selten, dass man so gespannt auf den Weitergang der Geschichte wartet, und das, obwohl Akin die ruhigen, sachlichen Bilder einer übertriebenen Darstellung vorzieht. Das ist Kino in seinem allerbesten Sinn. Unterhaltend, lehrreich, interessant und kurzweilig. Dazu eine Garde von Schauspielern, die ihr Metier bis auf den I-Punkt beherrschen. Herauszuheben sind dabei Baki Davrak und eine Hanna Schygulla, bei der ich erst jetzt, als ich sie sah, merkte wie sehr ich sie in den letzten Jahren vermisst habe.
Also, kommen sie mit auf die Andere Seite. Sie werden es ganz sicher nicht bereuen.