Die Zielgruppe ist wohl 70 plus, aber bei der gesellschaftlichen Bedeutung dieses stark wachsenden Teils der Bevölkerung, kann man diesem Thema eine gewisse Relevanz nicht absprechen. Es geht unter anderem um das Alter, die Einsamkeit, eine sinnvolle Beschäftigung in der letzten Lebenshälfte, aber auch um das Verhältnis Eltern - Kinder und Großeltern - Enkel. Das sind aber eigentlich alles nur Asides. Hauptsächlich geht es um die Liebe. Donna Regina ist eine Informantin der Polizei Codename 'Schneewittchen'. Sie (preisgekrönt Fernanda Montenegro) glaubt einen Mord auf der anderen Seite der Strasse beobachtet zu haben und forscht nach. Sie lässt sich sogar auf ein Date mit dem mutmaßlichen Täter ein, dem Richter Camargo (Raul Cortez). Er ist genauso ahnungslos wie die Zuschauer und außerdem unschuldig. Mit viel Einfühlungsvermögen schildert Regisseur Marcos Bernstein, wie sie sich näher kommen und auf Wolke 9 landen. Die Scham, ihren verwelkten, mit Narben bedeckten Körper dem anderen zu zeigen, ist rührend. Unsicherheit und Misstrauen, Angst vor inneren Verletzungen bestimmen das Verhalten der beiden Oldies. Sie spielt ein doppeltes Spiel mit ihm und so hängt sogar so etwas wie Spannung in der Luft, bis sich alles aufklärt. Am Ende steht jeder der beiden am Fenster seiner Wohnung, Fernglas vor den Augen und den Hörer am Ohr. Regina hat das letzte Wort 'Ich bin hier, auf der anderen Seite der Straße.'
Kein Happy End, aber vielleicht ist später eine Fortsetzung möglich unter anderen Vorzeichen'