Kurzbeschreibung
'Der schönste französische Roman in englischer Sprache'
'Man hat Ford bis heute nicht Gerechtigkeit widerfahren lassen,'sagte Ezra Pound. Das gilt auch heute noch, zumindest, was 'Die allertraurigste Geschichte', Fords Meisterwerk, betrifft. Es ist die Geschichte eines Liebesverrats. Sie spielt vor dem Ersten Weltkrieg und in den 'besten Kreisen', aber sie spielt auch in der Hölle. Nicht nur ist der Erzähler ein ahnungsloser Ehemann, der neun Jahre lang kaltblütig betrogen wird; nicht nur erweist sich sein Freund, der scheinbar grundsolide Gentleman, als brutaler Schürzenjäger und seine Frau als gierige Hure. Die diabolische Ironie der Erzählung besteht vielmehr darin, daß der Getäuschte selbst ein emotionaler Krüppel ist, dessen zwanghafte Vernünftigkeit ihn irrereden läßt, so daß er sich immer tiefer in einem Spiegelkabinett aus Täuschung und Selbsttäuschung verliert. Unter der kultivierten Oberfläche tut sich ein Abgrund von Angst, Sex und Wahnsinn auf. Selten sind Idylle, Tragikomödie und Melodram eine so erstaunliche Liaison eingegangen wie in diesem Roman.
Kurzbeschreibung
Die tragikomische Geschichte eines Liebesverrats
"Dies ist die traurigste Geschichte, die ich je gehört habe. Neun Jahre hindurch hatten wir während der Kursaison in Bad Nauheim mit den Ashburnhams in der größten Vertrautheit verkehrt - oder vielmehr in einem Verhältnis zu ihnen gestanden, das so lose und doch so eng war wie das eines guten Handschuhs mit Ihrer Hand. Meine Frau und ich kannten Hauptmann Ashburnham so gut wie man jemanden nur kennen kann, und doch wußten wir andererseits auch wieder gar nichts von ihnen."
John Dowell, der als Erzähler dieses Romans auftritt, steht vor einem Scherbenhaufen. Er und seine Frau, beide vermögende Amerikaner, hatten über Jahre eine harmonische Freundschaft mit dem englischen Ehepaar Edward und Leonora Ashburnham gepflegt. Wie es sich in den "besten Kreisen" vor dem Ersten Weltkrieg gehörte, verkehrten sie nach den Konventionen einer Oberschicht, die längst keine wirklichen Aufgaben mehr besaß, luden sich zum Dinner ein und verbrachten die jährliche Kur gemeinsam in Bad Nauheim. Erst nach dem Freitod seiner kränkelnden Frau Florence erkennt Dowell, dass ihn der Schein in all den Jahren getrogen hatte: Florence hatte ihre Krankheiten vorgeschoben, um ihn zum Krankenpfleger zu degradieren und systematisch zu hintergehen. Aber auch sein Freund, der scheinbar grundsolide Gentleman Ashburnham, erweist sich als brutaler Schürzenjäger, der nicht nur ein Verhältnis mit Florence hatte, sondern auch zahllosen anderen Frauen nachstellte.
Sogar Edwards Frau Leonora wusste von seiner Untreue, deckte ihn aber, beglich seine Schulden und vertuschte seine Eskapaden, da für sie als Katholikin eine Trennung nicht in Frage kam. Der besondere Kunstgriff Fords besteht darin, dass er den Verrat aus der Perspektive eines Mannes schildert, der nach seiner Veranlagung und Erziehung unfähig ist, Gefühlsverstrickungen zu verstehen. Er lässt ihn eine Version der Vorfälle erzählen, die von einer großen Selbsttäuschung geprägt ist. Dem Leser überlässt der Autor hingegen die Rekonstruktion der 'wahren' Geschehnisse. An seinen großen Vorbildern Flaubert und Maupassant geschult, zeichnet Ford Madox Ford in diesem "schönsten französischen Roman englischer Sprache" ein Bild von Liebe und Leidenschaft in einer gesellschaftlichen Schicht, die sich selbst überlebt hat. Selten sind Idylle, Tragikomödie und Melodram eine so erstaunliche Liaison eingegangen wie in diesem Buch, das erstmals 1915 erschienen ist.Ford Madox Ford wurde 1873 in Merton in Surrey geboren. Bis 1910 führte er eine ebenso glänzende wie schillernde Existenz im Kreis der Londoner Intelligenz. Er war mit Henry James, D. H. Lawrence, H. G. Wellls und Ezra Pound befreundet. Vor allem aber arbeitete er eng mit Joseph Conrad zusammen, mit dem er mehrere Bücher verfaßte. Nach dem Ersten Weltkrieg zog er nach Paris, wo er die Transatlantic Review gründete. Halbvergessen und von Geldsorgen geplagt, schlug er sich als Vortragsreisender in Amerika durch. 1939 ist er in Deauville gestorben.