Ich bin in genau diesen Stadtteilen(Hohenschönhausen, Marzahn), die im Film zu sehen sind aufgewachsen - sagar die gleiche Schule wie die Protagonisten, habe ich besucht. Mir scheint der Film aus irgendwelchen Hollywood-Movies zusammengebastelt. Ich weiß nicht, welche Probleme er darstellen soll - die in Marzahn und Hohenschönhausen jedenfalls nicht. Ok, die Perspektivlosigkeit wird besonders thematisiert und da ist auch was dran, jedoch keineswegs wie im Film dargestellt. Von meinen alten Freunden und Bekanntschaften, die dort aufgewachsen sind, leben nur noch die Hälfte dort. Von einem "Nicht-Mehr-Rauskommen" aus dem Stadtteil, der wie ein Ghetto dargestellt wird, kann also nicht die rede sein. Jedoch ist auch mir aufgefallen, dass die Leute, die nach der Schule dort geblieben sind, erschreckend selten einen Job fanden.
Ansonsten geht der Film krass an der Wirklichkeit vorbei. Am leichtesten lässt sich dies an meiner dort dargestellten Schule zeigen. Auf dem Schulhof dieser Schule sind Hochbeete. Im Film sind sind diese jedoch von Blechwänden verdeckt. Auch hängen im Film die Jugendlichen auf einem Hochhaus rum. Ich habe noch nie gehört, dass irgendjemand in diesen Stadtteilen auf einem Dach rumhängt. Da kommt man einfach nicht rauf - hab ich schon mehrmals vergeblich versucht. Die Jugendlichen verbringen in der Regel ihre Zeit in Jugendclubs, vor dem Fernsehr oder auf einem der vielen Sportplätzen. Mir ist kein weiterer Stadtteil in Berlin oder Dortmund, wo ich gerade wohne, bekannt mit ähnlich vielen Sportgelegenheiten. (Da fällt mir ein, dass die Hauptdarsteller kurz vor ihrem Mord Basketball spielen. Wobei der Basketballkorb ein umgedrehter Einkaufswagen ist. Das ist wirklich ein Tiefpunkt des Films. 40m weiter ist ein Sportplatz mit 2 Körben).
Auch wie die Jugendkriminalität dargestellt wird, ist ziemlich schief. Am helligt Tag wird hinter einer Kaufhalle jemand in einer Schlägerein erstochen. In meinen 22 Jahren, die ich dort gelebt habe, ist mir keine derartige Schlägerei zwischen Jugendlichen am helligten Tag in Erinnerung geblieben. Ja,es gibt dort Gewalt, aber bitteschön, wenns dunkel ist, wie in sicherlich allen anderen Stadtteilen auch. Nichtdestotrotz ist sie in Marzahn und Hohenschönhausen sicherlich höher, jedoch werden die Gewalttäter nicht wirklich thematisiert. In dem Film ist es eine ganz normale Gruppe verschiedener Jugendlicher. Vor denen hätte dort sicherlich keiner Angst. In Marzahn und Hohenschönhausen geht die Gewalt vor allem von Leuten aus, die sich besonders stylen, dem neusten Trend nachrennen, Gewichte heben und mit den Kumpel abends in die Disko gehen. Auch geht Gewalt von wenigen Rechtsradikalen, einigen wenigen Gangs und z.T. auch Leuten mit Migrationshintergrund, die aus der ehmaligen Sowjet Union stammen, aus. Die letzten drei Gruppen wurden im Film schlicht weggelassen. Die erst nur mit viel Vorstellungskraft thematisiert - nicht mal die Kleidung war identisch.
Fazit: Der Film mag vielleicht für den einen oder anderen unterhaltsam sein. Mit der Wirklichkeit hat er jedenfalls kaum etwas zu tun. Mir ist wirklich unverständlich, wie beispielsweise der Spiegel disen Streifen für realistisch hält. Was er vielleicht schafft, sind die Vorurteile gegenüber diesen Plattenbau-Stadtteilen zu bestätigen.