...ein böser Zauberer, der es sich zum Ziel gesetzt hat, eine Fantasywelt zu versklaven und der dabei nicht zurückschreckt, die Horden der Untoten auf diese loszulassen.
Zugegeben, diese einleitenden Worte mögen etwas sarkastisch klingen, aber man muss ergänzen, dass Stories dieser Art natürlich für ein Fantasy-Szenario fast schon ein Pflichtstoff sind. Daran ist auch so lange nichts Schlechtes zu finden, so lange die Geschichten nett inszeniert und damit überzeugend präsentiert sind.
Bei Sacred ist dies definitiv der Fall und selten hat man, bei einem entsprechend eher simplen Spielprinzip, so einen Drang seinen Charakter auszubauen und die komplette Verschwörung aufzudecken. Den Vergleich mit dem Genreprimus "Diablo" muss man dabei, meiner bescheidenen Meinung nach, überhaupt nicht scheuen, denn das "Ascaron"-Produkt präsentiert sich auf Augenhöhe - und schon alleine dafür gebührt dem deutschen Spielemarkt einmal mehr grosser Respekt.
Die Spielwelt selbst ist umfangreich und ingesamt doch recht abwechslungsreich aufgebaut und beim Durchqueren dieser, ist man nicht auf Schusters Rappen, sondern tatsächlich auch Pferde angewiesen. Bei den entsprechenden Entfernungen und dem ständigen "Respawnen" der Gegner, ist das auch bitter notwendig, wenngleich auch die Reiterei, aufgrund des "Festhalten"-Zaubers einiger Gegner, manchmal zur nervenden Partie verkommt.
Die Waffenauswahl ist sehr grosszügig, wenngleich manchmal etwas verwirrende Waffenbezeichnungen gewählt wurden. Wer hinter einem "Defekten Schwert" eine sehr miese Waffe vermutet, wird oftmals überrascht werden, wenn diese bessere Werte als ein "Glänzendes Schwert" aufweist - aber mit diesem Umstand lernt man virtuell zu "leben". :)
Der Soundtrack ist über alle Zweifel erhaben und sehr atmosphärisch komponiert, als besonders gelungen sehe ich die Stücke aus dem Kloster der Seraphim und dem angrenzenden Frostgard an, die jedem prominenten Fantasyfilm Ehre erweisen würden.
Bei der Wahl der Synchronstimmen wurde auch nicht gespart, die diesbezüglichen Credits lesen sich wie ein "Who is Who" der deutschen Synchronsprecherriege. Von Manfred Lehmann (Bruce Willis) als Gladiator, über Martin Kessler (Nicholas Cage)als Dunkelelf, bis hin zu Franziska Pigulla (Gillian Anderson)als Vampirlady, kann man an der perfekten Synchro nicht herummeckern.
Grafisch hingegen darf man kein Highlight erwarten, denn schliesslich hat das Spiel schon ein paar Jahre auf dem virtuellen "Buckel". Schon beim Erscheinen war die Grafik eher ein Kritikpunkt, allerdings ist sie dafür (in der vorliegenden Version) schnell und praktisch. Auch auf älteren Systemen sollte es keinerlei Schwierigkeiten geben.
Kommen wir nun zum letzten Punkt meiner kleinen Besprechung, welcher schlicht und einfach damit auseinandersetzen soll, wie "liebevoll" das Spiel programmiert ist - und das dies zweifelsohne so ist, merkt man an den vielen kleinen Details während des Spielverlaufes, welche einen den Spass der Macher an der Entwicklung sehr verdeutlichen. Zum einen sind da die zahlreichen Sprüche auf den Gräbern zu nennen, bei welchen die Autoren nicht einmal vor entsprechenden Insidern zurückschrecken: So steht auf einem Grabstein: "Hier ruht Armalion" - viele werden sich dabei nichts denken, aber wenn man bedenkt, dass "Sacred" auf dem leider nie veröffentlichten Rollenspiel "Armalion" beruht, wird der Hang der Programmierer zur Selbstironie sehr deutlich. Auch wird man früher oder später über das Grab eines gewissen "Karl Ranseier" stossen, welcher dem einen oder anderen vielleicht noch als ständig Verstorbener aus der Nachrichtensendung bei "RTL Samstag Nacht" bekannt sein dürfte. Generell muss man also anraten: "Jedes Grab anklicken und sich über die Sprüche freuen".
Weitere liebevolle Details betreffen z.B. die Architektur der Örtlichkeiten. In der Stadt der Zauberer stolpert man sowohl über einen seltsamen Sportplatz, der einen sehr an Harry Potters "Quidditch"-Erlebnisse erinnert, als auch über einen kleinen Zauberladen, welcher von einer gewissen "Anya" geführt wird, die eine Hasenphobie hat...wer auch nur halbwegs aufmerksam die Serie "Buffy - The Vampire Slayer" verfolgt hat, dem dürfte dieser Person sehr bekannt vorkommen. An anderer Stelle erinnert die seltsame Ausdrucksweise eines liebenswerten Ogers sehr an den komischen Dialekt der "Gunganer" aus "Star Wars: Episode 1" .
Kurzum: Zu diesem Preis ist das Spiel ein absolutes Spielspass-Schnäppchen und jeder, der auch nur halbwegs was mit Rollenspielen anzufangen weiss, sollte die 10 Euro ruhig als Investition in ein spannendes Zocker-Wochenende tätigen. Viel Spass dabei.