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Minimum:
Die Story spielt zwar - wie so oft - in einer mittelalterlichen Fantasiewelt, doch dennoch wirkt sich frisch und unverbraucht.
Statt eines superauserwählten Prinzen, der mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde, ist man in Gothic zuerst nur einer von vielen. Ein Sträfling, der in eine magische Barriere geworfen wurde, um dort für den König Erz zu schürfen. Und der zuerst nur eines im Kopf hat: Hier wieder hinauszukommen. Denn die Barriere läßt nichts Lebendes hinaus, nur Gegenstände können über sie beidseitig ausgetauscht werden.
Doch ganz so wie ursprünglich gedacht, läuft es nicht: Die Gefangenen haben revoltiert und sich in 3 selbstständige Lager aufgespalten.
Um Schutz und Ausbildung im Kampf zu erhalten und um seine Fähigkeiten zu verbessern, muß man sich einem dieser Lager anschließen. Nur so hat man eine Überlebenschance, denn in der Kolonie geht es rauh zu. Nur wer sich durchsetzt, kann es zu was bringen. Und am Anfang sollte man möglichst zu abgelegenes Gebiet meiden, denn dort verbergen sich Orks, Raubechsen und anderes Getier, für die ein unerfahrener Held nicht mehr als eine leckere Mahlzeit ist.
Das alte Lager hat mit dem König Kontakt aufgenommen und erpreßt diesen mit dem magischen Erz, daß er dringend für seine Armeen benötigt. Dieses Erz wird gegen Nahrung, Waffen und andere Annehmlichkeiten getauscht, so daß zumindest die Erzbarone mit ihren Schergen, den Gardisten und Schatten, ein angenehmes Leben führen. Dazu befinden sich die Feuermagier mit im Lager, die damals die Barriere miterschufen.
Als Held kann man zuerst Schatten werden, dann später seinen Weg als Gardist oder als Feuermagier wählen.
Das neue Lager schürft auch Erz, jedoch tauschen diese es nicht gegen Ware. Stattdessen planen die Wassermagier, einen gigantischen Erzhaufen in die Luft zu jagen, um die Barriere zu vernichten. Neben diesen wird das Lager von den Söldnern und Banditen kontrolliert. Die Karriereleiter des Helden kann hier vom einfachen Banditenschläger bis zum mächtigen Söldner mit schweren Waffen und Rüstungen reichen. Natürlich kann man auch Wassermagier werden.
Und zu guter Letzt gibt es das Sumpflager, deren Bewohner als "Sektenspinner" verschrieen sind. Denn diese bereiten sich auf eine große Anrufung eines mächtigen Wesens vor, daß die Barriere so beseitigen soll. Dazu versetzen sie sich durch das Rauchen von Sumpfkraut in Trance.
Der Held kann sich hier zuerst als Novize beweisen, später wird er zum Templer befördert, die die Schutztruppe der Gurus, der spritituellen Anführer des Lagers darstellen. Leider kann man selber kein Guru werden.
Egal welches Lager man wählt, immer muß man sich erst beweisen. Für die wichtigsten Personen, die über die Aufnahme des Helden entscheiden, muß man bestimmte Aufträge erledigen, die von einfachen Botengängen bis zu Diebstählen oder dem Beseitigen mißliebiger Personen reichen.
Schlußendlich wird die Hauptstory von der Lagerwahl wenig beeinflußt, vielmehr ist dies für den Helden persönlich wichtig. Bestimmte Lehrer unterrichten nur Angehörige ihres Lagers, ebenso erhält man jeweils verschiedene Aufträge von seinen jeweiligen Meistern. Handlungsmittel ist das Erz, mit dem man bessere Waffen, Rüstungen und Tränke kaufen kann.
Wer stark genug ist, kann einen Händler auch mal ausrauben, indem man ihn einfach verprügelt und die Sachen klaut.
Mit jeden Levelanstieg erhält der Held mehr Trefferpunkte und Lernpunkte, die es auf die Fertigkeiten wie Stärke oder die Spezialisierung auf eine bestimmte Waffengattung zu verteilen gilt. Aber auch das Ausnehmen von Wild und die verschiedenen Stufen der Magie erfordern Lernpunkte.
Mit der Zeit entwickelt man sich so vom unerfahrenen Laufburschen zu einem mächtigen Kämpfer, der sich locker seinen Weg durch eine Orkhorde metzeln kann.
An Monstern trifft man auf "alte Bekannte" wie Orks, Goblins, Untote und Golems. Rieseninsekten gibt es auch, wie etwa die Blutfliegen, die überdimensionale Stechfliegen darstellen, oder Minecrawler, die in dunklen Höhlen ihr Unwesen treiben.
Im Sumpf trifft man auf Wesen wie Sumpfhaie, schlangenähnliche Reptilien, die an die Sandwürmer aus Dune erinnern. Dazu trifft man auf allerhand Echsen, wie Warane, die gefährlicheren Feuerwarane, die den Helden mit Feueratem angreifen, raubsaurierähnliche und flinke Biester wie Snapper und Razer sowie Lurker, Wasserechsen mit langen Klauen.
Die meisten der Biester versuchen den Helden erst durch Drohgebärden zu verjagen. Bei stärkeren Gegnern sollte man sich hier auch rasch verdrücken, aber wenn man stark genug ist, kann man dem folgenden Kampf locker entgegensehen.
Natürlich muß man auch mal gegen den einen oder anderen Menschen kämpfen. Hierbei gibt es eine Art Ehrenkodex selbst unter verfeindeten Fraktionen, den Gegner nur bis zur Bewußtlosigkeit zu prügeln (bis er nur noch einen Trefferpunkt hat), statt ihn zu töten. Bei Todfeinden ist dies natürlich anders; jedem Bewußtlosen kann man - und manchmal muß man - den Gnadenstoß versetzen.
Natürlich sollte man dabei daran denken, daß man so bei der Fraktion des Getöteten im Anesehen sinkt und wenn man nicht aufpaßt, mit allen ihrer Mitglieder auf Kriegsfuß steht, die einen angreifen.
Die Spielwelt ist riesig, vom Wald bis zum Gebirge ist allerlei vorhanden. Man bewegt sich frei und ohne Level in dieser. Lediglich beim Betreten von Minen oder ähnlichem wird ein anderes Gebiet geladen.
Wie schon oben geschrieben, sollte man ganz am Anfang nicht gleich losstürmen, denn erst ab einem gewissen Level des Helden sollte er sich in bestimmtes feindliches Gebiet wagen. Doch zum Glück kann er dieses meistens problemlos umgehen.
Die Atmosphäre des Spieles ist großartig. Ein Musikteppich je nach Gebiet und Situation (Kampf z.B.) untermalt das ganze, dazu plätschern Bäche und zwitschern Vögel. Die Story ist fesselnd, vor allem da man nicht sofort weiß, wie man vorgeht und wer der Oberbösewicht ist ;-). All dies muß man erst nach und nach erforschen. Dies finde ich sehr positiv gegenüber anderen Rollenspielen, wo man sofort am Anfang mitgeteilt kriegt, daß irgendein böser Magier oder Dämon zu besiegen ist.
Ein Kritikpunkt ist die teilweise etwas fummelige Steuerung. Kämpfe wollen damit erstmal gelernt sein, da man zwei Tasten zum Schlagen drücken muß.Hat man sich erstmal daran gewöhnt, geht es aber. Jedenfalls ist die Maus für das Spiel überflüssig, man kann es komplett nur mit Tastatur spielen.
Das Handeln ist ebenfalls etwas fummelig, so muß man dem Händler beispielsweise 50 Erz ins Inventar legen, will man etwas entsprechendes kaufen und umgekehrt beim Verkaufen.
Der Schwierigkeitsgrad des Spieles ist angenehm fordernd, ohne große Frustmomente. Zwar ist es am Anfang nicht leicht und auch später noch kniffelig, doch man schafft es. Am Ende ist das Spiel schon fast zu leicht, wenn fast alle Gegner nur noch Kanonenfutter sind. Dann ist man aber so oder so bald durch. Ich habe knapp 50 Stunden für einmaliges Durchspielen gebraucht, was ich als gerade richtig empfinde, nicht zu lang und nicht zu kurz.
Die Ansprüche des Spieles an die Hardware sind inzwischen natürlich nicht mehr nennenswert, man man alles locker auf höchsten Stufen spielen.
Leider treten auch mit dem aktuellsten Patch immer noch sporadische Abstürze auf, gegen die nur oftmaliges Speichern hilft.
Aber auch einige storyrelevante Bugs treten leider selten mal auf.
So war es mir an einer Stelle nicht möglich, ein wichtiges Tor mittels eines Schusses auf ein höhergelegens Feld zu öffnen, wie es vorgesehen war.
Das Tor blieb zu, und ohne einen Cheat, mit dem man durch die Wand geht, wäre ich steckengeblieben. Ansonsten habe ich das Spiel aber "ehrlich" durchgespielt.
Insgesamt gesehen bietet sich mit diesem Spiel ein packendes Rollenspielerlebnis mit gewissen Suchtfaktor("nur noch diesen einen Quest, nur noch dieses eine Monster umhauen...").
Ich persönlich finde es wegen der Atmosphäre, dem besseren Balancing und der Story auch noch besser als den Nachfolger.
Nun bin ich auf den 3. Teil gespannt...
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