Also ich bin normalerweise kein Shooter-Spieler, außer für Halflife 1 und 2 konnte ich mich bisher für keines dieser Spiele erwärmen. Bei Far Cry liegt der Fall aber anders.
Story:
Die Hauptfigur Jack Carver kreuzt in irgendeinem tropischen Inselparadies mit einer Yacht und in Begleitung einer Strandschönheit, die er kürzlich aufgegabelt hat, durch die Gegend, als er von Söldnern überfallen wird, die seine Yacht zerstören und seine Begleitung entführen. Im bunten Hawaii - Hemd macht sich der Held an die Verfolgung. Im Laufe der Handlung findet man heraus, dass die schöne Badenixe eine toughe CIA-Agentin ist (man sieht, es werden alle Klischees bedient), und dass das Inselparadies von einem Konzern zu genetischen Experimenten genutzt wird. Man versucht, aus Primaten Supersoldaten zu züchten, aber man ahnt schon früh, dass das erst die Spitze des Eisberges ist. Die Inseln wurden von Söldnertrupps zu Festungen ausgebaut, da Publikum bei solchen Forschungen ja eher unerwünscht ist. Im Laufe des Spieles gerät das Experiment außer Kontrolle, die Mutanten befreien sich, und man steht plötzlich zwischen den Fronten, ähnlich wie bei Halflife: Alle Fraktionen bekämpfen sich gegenseitig.
Gameplay: Hier die wesentlichen Unterschiede zu anderen Ego-Shootern:
Man kann maximal vier Waffen tragen, das Spektrum ist das im Genre übliche. Von der Machete über die P90 und das Schrotgewehr bis zum Raketenwerfer ist alles an Meinungsverstärkern vertreten, was man in einer aggressiven Diskussion mit üblen Typen so braucht. Dabei haben alle Waffen Stärken und Schwächen, die man im Laufe des Spieles mit viel Leid kennenlernt. Zur Ausrüstung gehört ein elektronisches Fernglas mit starker Vergrößerung: Alle Gegner werden von diesem Fernglas erfasst und auf einem Radarschirm weiter beobachtet. Aber man muß diese Gegner erst mit dem Fernglas gesehen haben, um diese Funktion zu nutzen. Ferner ist ein Richtmikrophon integriert, d.h. bei entsprechender Vergrößerung kann man auch weit entfernte Gespräche der Söldner belauschen. Die Gegner selbst sind extrem aufmerksam. Wenn man beispielsweise im einem Gebiet ohne Schalldämpfer (nur die MP5 hat einen Schalldämpfer) schießt, kriegen das alle im Gebiet mit und schon hat man mächtig Ärger am Hals. Wenn man einen Gegner ausschaltet und ein Zweiter findet die Leiche, ist es ebenso. Hat man es mit einer Gruppe zu tun, dann versuchen manche Gegner, Jack zu umgehen und von hinten anzugreifen. Kombiniert mit der Tatsache, dass der Feind sehr gut schießt und man selbst nur wenige Treffer einstecken kann, wird dies zu einer echten Herausforderung, selbst auf normalem Schwierigkeitsgrad. Man muß in die Gebiete hineinschleichen und sehr überlegt vorgehen. An vielen Orten hat man die Wahl, man kann die Gegner umschleichen oder sie angreifen, oft genug muß man aber kämpfen. Je nach persönlicher Vorliebe wählt der Spieler dann seine Waffen aus: Der Schleicher nimmt gerne die MP5, da sie schallgedämpft und damit unauffällig ist. Der Nachteil daran ist ihre mangelnde Durchschlagskraft. Der Fighter dagegen nimmt die M5 (eine Art M16), die ist zwar laut aber wirkungsvoll und zielgenau. Das Snipergewehr ist genau, halbwegs realistisch (bei starker Vergrößerung wackelt die Sache ordentlich, was das Zielen erschwert), aber unglaublich laut. So muß jeder Spieler seine Vorlieben finden und die unpassenden Waffen zurücklassen. Im Radarschirm wird der Aufmerksamkeitsgrad der Gegner farbig dargstellt und ein Balken im Display verrät, wie nahe man dran ist, gesehen oder bemerkt zu werden. Als Zugabe gibt es Fahrzeuge (Flugdrache, Hummer, Motorboot), stationäre Gatlings (brauchte ich nie) und die Cry Vision (eine Mischung aus IR und Restlichtverstärker).
Wichtig erscheint mir noch zu sein, dass man nicht selbstständig speichern kann, das Spiel übernimmt dies an Speicherpunkten automatisch. Stellt euch darauf ein, dass ihr viele Stellen mehrmals spielen müsst, obwohl ihr diese geschafft habt, aber vor dem nächsten AutoSave hopps gegangen seid. Hingegen anders lautender Gerüchte ist dieses Spiel durchaus geskriptet, aber die KI der Gegner und das etwas andere Spielprinzip machen das wett.
Technik:
Tolle Graphik, man taucht tief in die Vegetation ein, um sich zu verstecken, noch nie habe ich Büsche und Gräser so realistisch gesehen (abgesehen von meiner Wehrdienstzeit). Die deutsche Übersetzung ist gut gelungen, die Synchronstimmen passend ausgewählt. Das Spiel läuft unheimlich stabil, selbst vor dem Patchen sind mir keine Bugs aufgefallen, Systemabstürze gab es nie. Das ist schon ein Zusatzsternchen wert.
Fazit: Einziges Manko ist das Fehlen einer Speicherfunktion, das läßt hin und wieder Frust aufkommen. So lange bin ich noch nie von einem Shooter unterhalten worden, obwohl das Spiel streng geskriptet ist.