Ich muss sagen, dass ich kein Freund des heute erfolgreichen Grönemeyer bin. Ganz untypisch fand ich ihn ab "Bochum" schwächer werdend, "Sprünge" und "Ö" noch ganz gut, der Rest gefällt mir gar nicht. Mir persönlich zu fett, zu bombastisch, zu schwülstig.
Das soll nun keine Gegenmeinung sein, Geschmäcker sind verschieden. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass für alle Freunde des modernen, intelligenten Chansons (also ein anderes Genre, als das er heute bedient) ein kleines Schmückstück vorliegt. Die Stücke sind intelligent, in dem Sinne, dass sie einen sowohl musikalisch als auch textlich immer wieder überraschen. Sie kommen unaufgeregt daher und atmen doch eine gewisse Tiefe - diesen Balanceakt bekommen nicht viele hin. Die Arrangements sind sparsam und zeigen den professionellen Musiker. Seine Stimme nutzt er hier mehr wie es ihrem nun mal beschränkten Fähigkeiten entspricht, nämlich zurückhaltend in sprech-chansonartiger Weise, aber gleichsam sehr emotional. Die Texte atmen jugendliche Frische und doch schon erwachsene Reife - fast wie der junge Reinhard Mey.
Wer also z.B. Brel-artige Musik ein bisschen rockiger und mit deutschem Touch mag. Der ist hier bestens bedient. Ich habe die Platte jetzt erst entdeckt und bin traurig, dass sie mir so lange entgangen ist.