Wer dieses Buch kauft, um sich an Schadenfreude über die Fehler der Chemie-Großkonzerne zu ergötzen, hat nicht lange Spaß daran. Zu allgemein und damit austauschbar sind die Orte und Szenarien - mit Ausnahme des traurigen Mittelpunktes des Buches - gewählt. Vielmehr jedoch gewinnt man Einblicke und Einsichten, wie der "ganz normale Wahnsinn" in großen Unternehmen regiert und wie schnell ein Akteur, gerade noch personelles Glanzlicht mit Blitz-Karriere, zu einer Person non rata degradiert werden kann und verkümmert, sofern er nicht irgendwann den Verstand einschaltet und versucht, dort, wo er es kann, wieder normal denkender Mensch zu sein und nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln, -wenn auch zu spät.
Obwohl der Name des Werkes zunächst anderes vermuten läßt, beschreibt der Autor nebenbei sehr schön das Leben der Menschen mit Chemie und Pharmazie und deren Großkonzernen in der Nordwestschweiz. "Zwischenfall in Seveso" ist somit auch für "Neu-Basler", vor allem jedoch für deutsche Grenzgänger, empfehlenswert, um einen Beitrag zur eigenen Meinungsbildung über diesen speziellen Landstrich und seine Menschen zu leisten. Daß das Buch sich stellenweise eher an der schweizerdeutschen Grammatik orientiert, bestätigt diese Empfehlung.
Insgesamt ist das Werk sehr lesenswert und kurzweilig. Mitunter ist jedoch die Fülle der auftretenden Personen und deren Positionen eher hinderlich denn hilfreich, um vollumfänglich den Überblick über deren Funktion und Bedeutung für den Verlauf der Geschichte behalten zu können.