Aravind Adiga nimmt den Leser in diesem Buch mit auf einen siebentägigen Rundgang durch Kittur. Er erzählt in seinen Geschichten von dieser imaginären Stadt, besonders aber von seinen sehr unterschiedlichen Menschen.
Man lernt Bewohner unterschiedlicher Herkunft, Konfession, Überzeugung und Kastenzugehörigkeit kennen. Eines haben diese Menschen gemeinsam: sie werden angetrieben von der Hoffnung, Erreichtes zu erhalten, mehr Wohlstand und Ansehen zu gewinnen. Dabei wird aber deutlich, dass allein aufgrund des Kastensystems und auch der Konfession so manches Schicksal unausweichlich vorherbestimmt scheint.
Da sind die Reichen, wie Mrs. Gomes, die in einer Villa lebt, Angestellte hat und zweimal am Tag badet, auch bei Wasserrationierung. Da sind die Armen, wie der Fahrradkurier Chenayya, der der niedrigsten Kaste der Hoyka angehört, für jede Rupie hart arbeiten muss und unter freien Himmel schläft.
Der Autor macht auch deutlich, dass die Inder ein ganz besonderes Volk sind. Korruption, Vetternwirtschaft und Ungerechtigkeit spielen eine große Rolle, aber die Inder sind zäh. Die Rückschläge, die die Protagonisten in den Geschichten einstecken müssen, lassen sie nicht aufgeben.
Durch seine Erzählweise entführt Aravind Adiga den Leser schnell in die für uns fremde Welt. Er zeichnet die Charaktere so, dass man auch hinter die Fassaden schauen kann. Vor allem aber schreibt er schonungslos offen von dieser eher unschönen Seite Indiens. Glimmer, Glitter und "Touristen-Indien" sucht man in diesem Buch vergebens.
Obwohl die einzelnen Geschichten in sich abgeschlossen sind, greifen sie doch ineinander und liefern so ein Gesamtbild.
Aravind Adiga zeigt sich wieder als starker Erzähler wie in seinem preisgekrönten Roman "Der weiße Tiger".