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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zwischen den Attentaten,
Von Lieke "Lieke" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Zwischen den Attentaten, 6 Audio-CDs (Audio CD)
"Zwischen den Attentaten" beginnt wie ein Reiseführer: vorgestellt wird die indische Stadt Kittur. Mindestens 7 Tage soll man dort bleiben, um den Ort kennenzulernen. Doch gleich nach der Reiseführer-Passage wird die erste Geschichte erzählt: die eines kleinen Jungen, der in einem Teehaus arbeitet.Die Hörbuchfassung dieses ungewöhnlichen Romans wurde mit den Sprechern Heikko Deutschmann und Alexander Doering hervorragend umgesetzt. Einer erzählt in typischer Reisemagazin-Manier über die Stadt Kittur, die Sehenswürdigkeiten und dergleichen, der andere erlaubt dem Hörer anhand von einzelnen Personen und deren Erlebnissen einen Blick hinter die touristischen Kulissen. Ich kann dieses Hörbuch nur wärmsten empfehlen, die Geschichten sind spannend und erzählen ergreifend vom Leben in Indiens Unterschicht, ähnlich wie in "Slumdog Millionaire" und jenseits jeder Bollywood-Romantik. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kritisch, aufrüttelnd, provokant und meisterhaft erzählt!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Zwischen den Attentaten, 6 Audio-CDs (Audio CD)
In "Zwischen den Attentaten" skizziert Aravind Adiga in diesen und weiteren Episoden die gesellschaftspolitische Situation Indiens in den 1980er und frühen 1990er Jahren, und zwar genau im Zeitraum zwischen zwei Ereignissen, die Indien damals aufrüttelten und traumatisierten: die Ermordung der Premierministerin Indira Gandhi im Jahr 1984 und die spätere Ermordung ihres Sohnes und Amtsnachfolgers Rajiv Gandhi im Jahr 1991.Adigas Werk ist diesmal kein zusammenhängender Roman wie der international erfolgreiche Vorgänger "Der weiße Tiger", sondern eine Sammlung von einzelnen Episoden, die viel schärfer, als es eine einzelne Erzählung je könnte, ein genaues Abbild der indischen Gesellschaft zur damaligen Zeit zeichnen. Aravind Adiga gilt in Indien als Nestbeschmutzer, weil er ungeschönt und kritisch die sozialen und gesellschaftlichen Zustände schildert und dabei den Finger in zahlreiche Wunden legt. Damit öffnet Adiga auch den ausländischen Lesern, die Indien häufig reichlich verklärt betrachten, die Augen und zeigt ein Indien, das man in den kitschigen Bollywood-Produktionen garantiert nicht findet. Dabei beschränkt der Autor sich aber nicht einseitig auf Schilderungen von Armut oder Slums - der gefeierte Film "Slumdog Millionär" hat das Augenmerk eher auf die Situation der Ärmsten der Armen gelenkt -, sondern er geht subtiler vor und zeichnet einen interessanten und äußerst lebendigen Querschnitt durch mehrere Gesellschaftsschichten hindurch. Adiga ist ein meisterhafter Erzähler, was vor allem darin deutlich wird, dass die zahlreichen Anekdoten alle so unterschiedlich und nichtsdestotrotz ausnahmslos so interessant und spannend erzählt sind. Die Menschen, die sich hier Ungerechtigkeiten ausgesetzt sehen - Ungerechtigkeit, Korruption und Klassenschranken sind große Themen in Adigas Schilderungen -, sind sehr unterschiedlich und nicht zwangsläufig mittellos. Einer ist ein armer Moslem, der als Kuli am Bahnhof arbeitet, ein anderer ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann, der regelmäßig teure Clubs besucht, der nächste ein angesehener Journalist. Religionskonflikte werden ebenso thematisiert wie der Umstand, dass das Kastensystem zwar offiziell abgeschafft ist, dass Indien aber immer noch durch und durch durchdrungen ist vom Klassendenken - die Kasten heißen jetzt einfach "communities", Diskriminierung und Ächtung von niedriger Gestellten finden weiterhin ganz selbstverständlich statt. Gelesen wird die Hörbuchfassung von Adigas Roman von Heikko Deutschmann - er liest den Hauptteil, nämlich die einzelnen Anekdoten - und Alexander Döring, der den erzählerischen Rahmen vorliest, den Aravind Adiga nach Art eines kleinen Reiseführers durch Kittur um die Geschichten herumgelegt hat. Deutschmann mit seiner ruhigen Art und der angenehmen Stimme führt bedächtig durch die Lesung und trifft genau den richtigen Ton, um den nüchternen, unaufgeregten Stil Adigas einzufangen. Indien ist ein sehr politisches Land mit vielen schwelenden Konflikten, das für Ausländer schwer zu verstehen ist und viel mehr zu bieten hat als Touristenattraktionen und typische Assoziationen wie Yoga oder Bollywood-Glitzer. Adigas Werke helfen, ein Stück weit hinter die Kulissen zu blicken und Indiens Gesellschaft zu verstehen. Kritisch, aufrüttelnd, häufig schmerzhaft und provokativ, aber auch bezaubernd und schön - eine absolut lesenswerte Sammlung von Anekdoten aus einer fiktiven Stadt, die unter die Haut gehen. Von Aravind Adiga wird man hoffentlich noch viel hören! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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