Kurzbeschreibung
Literatur und Malerei haben ihre Realismus-Epoche. Was sagt die Musik dazu - die weltabgewandteste aller Künste? Martin Geck weist dem Realismus einzelne bedeutende Werke wie Schumanns »Rheinische Symphonie« oder Wagners »Meistersinger« zu, zeichnet aber vor allem den spannenden politisch-ästhetischen Diskurs nach, in dem sich die Musik zwischen den polaren Vorwürfen der Selbstverliebtheit und der Politiksüchtigkeit glänzend behauptet. Eine zentrale Gestalt des Buches ist Richard Wagner, von den Zeitgenossen entweder als Parteigänger des sozialistisch-realistischen Malers Gustave Courbet verunglimpft oder zum Spiritualisten reinsten Wassers gemacht. Geck untersucht, was es mit dem »psychologischen Realismus« von »Tristan und Isolde« auf sich hat. Er beleuchtet aber auch die Ränder des musikalischen Realismus-Diskurses der Zeit: Herrschte anfangs die revolutionäre Aufbruchsstimmung der Jahre 1848/49 mit Schumanns »republikanischen Märschen« und Lortzings Revolutionsoper »Regina«, so steht am Ende die Gründerzeit und in ihr Brahms als melancholischer Abwickler realistischer Euphorie. Alles in allem: ein Buch mit viel neuem Quellenmaterial, überraschenden Querverbindungen zu anderen Künsten und originellen Ausblicken auf ein Jahrhundert, das man nun nicht länger pauschal als das »romantische« bezeichnen kann.
Autorenportrait
Martin Geck, geb. 1936; seit 1976 Professor für Musikwissenschaft an der Universität Dortmund; Veröffentlichungen u. a. zu Buxtehude, Bach, Beethoven, Mendelssohn und Wagner sowie zu musiksoziologischen Fragestellungen. Bei J.B. Metzler sind erschienen: "Von Beethoven bis Mahler. Die Musik des deutschen Idealismus", 1993 (vergriffen); "Denn alles findet bei Bach statt. Erforschtes und Erfahrenes", 1999.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.