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Zwischen Naturalismus und Religion: Philosophische Aufsätze [Taschenbuch]

Jürgen Habermas
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

2005
Zwei gegenläufige Tendenzen kennzeichnen heute die geistige Situation der Zeit: die Ausbreitung naturalistischer Weltbilder und die religiöser Orthodoxien. Auf der einen Seite dringt mit den Fortschritten in Biogenetik, Hirnforschung und Robotik eine naturwissenschaftlich objektivierte Selbstauffassung von Personen auch in alltägliche Handlungszusammenhänge ein. Mit dieser Tendenz verbindet sich für die Philosophie die Herausforderung eines szientistischen Naturalismus: Strittig ist nicht die Tatsache, daß alle Operationen des menschlichen Geistes durchgängig von organischen Substraten abhängig sind. Die Kontroverse geht vielmehr um die richtige Art eines naturalistischen Verständnisses der kulturellen Evolution.
Dieser Tendenz begegnet auf der anderen Seite eine unerwartete Revitalisierung von Glaubensüberlieferungen und die weltweite Politisierung von Glaubensgemeinschaften. Mit dieser Wiederbelebung religiöser Kräfte verbindet sich für die Philosophie die Herausforderung einer Grundsatzkritik am nachmetaphysischen und nichtreligiösen Selbstverständnis der westlichen Moderne: Strittig ist nicht die Tatsache, daß es politische Gestaltungsmöglichkeiten nur noch innerhalb des alternativlos gewordenen Universums der im Westen entstandenen wissenschaftlich-technischen und wirtschaftlichen Infrastrukturen gibt. Kontrovers ist vielmehr die richtige Deutung der Säkularisierungsfolgen einer kulturellen und gesellschaftlichen Rationalisierung.
Der vorliegende Band versammelt Aufsätze, die sich im Horizont dieser Fragestellungen bewegen. Durch alle Beiträge zieht sich als roter Faden die Intention hindurch, den gegenläufigen, aber komplementären Herausforderungen von Naturalismus und Religion mit dem nachmetaphysischen Beharren auf dem normativen Eigensinn einer detranszendentalisierten Vernunft zu begegnen.

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 372 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1. (2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518584472
  • ISBN-13: 978-3518584477
  • Größe und/oder Gewicht: 19,8 x 12,6 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

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"Die geistige Situation der Zeit" -- sie ist, kurz gefasst, das Thema dieser Aufsatzsammlung. In ihr lotet Jürgen Habermas das Spannungsfeld zwischen naturalistischer Weltbetrachtung auf der einen und -- zunehmend politisch werdender -- religiöser Orthodoxie auf der anderen Seite aus. Der Band gibt nicht nur einen hervorragenden Einblick in das Denken des Philosophen, sondern behandelt auch das gerade seit dem 11. September 2001 häufig diskutierte Thema auf selten hohem Niveau.

Der Mensch neigt heute immer mehr dazu, nicht nur die ihn umgebende Natur, sondern auch sich selbst und insbesondere seinen Geist als etwas (natur-)wissenschaftlich Analysier- und damit letztlich Verfügbares zu betrachten. Die Fähigkeit zur Selbstobjektivierung, letztlich DAS Erbe der Aufklärung, droht in eine ungebremste Selbstinstrumentalisierung des Menschen umzuschlagen, wie sie z.B. manche Vertreter der Biogenetik zumindest implizit bereits propagieren. Gleichzeitig gewinnen Glaubensgemeinschaften und ihre Überzeugungen immer mehr an Einfluss, kulturell ebenso wie politisch.

Jürgen Habermas stellt sich nun die Frage, wie die Philosophie geistiges Kapital aus dieser Entwicklung schlagen kann, sprich: welche Ansätze einer konstruktiven Kritik an der nachmetaphysischen westlichen Moderne religiöse Überlieferungen bieten. Damit stellt er das -- von ihm selbst mit- und weiterentwickelte -- aufklärerische Weltbild nicht insgesamt in Frage, sondern versucht, auch die aktuelle Renaissance der Religionen für diesen Entwicklungsprozess nutzbar zu machen, indem er Aspekte religiöser Überlieferungen gegen die szientistischen Exzesse der Gegenwart ins Feld führt. Vor voreiligen Schlüssen sei also gewarnt: Habermas ist keineswegs vom Glauben an die Vernunft abgefallen, nur weil er in der Religion nach philosophisch "verwertbaren" Gehalten sucht.

Die Aufsätze des Bandes bewegen sich im Dunstkreis dieser Fragestellungen, ohne eine systematische Abhandlung zu bilden. Die Überschrift des ersten Abschnitts formuliert selbst bereits die philosophische Position, mit der wohl die meisten Leser Jürgen Habermas verbinden dürften: "Die intersubjektive Verfassung des normengeleiteten Geistes". Es folgt der Teil "Religiöser Pluralismus und staatsbürgerliche Solidarität", der den zentralen Text "Religion in der Öffentlichkeit" enthält. Unter "Naturalismus und Religion" findet sich eine brillante Studie zu Kants Religionsphilosophie, in der Habermas u.a. Kants Warnung vor einer "religiösen Philosophie" bekräftigt, die sich bei Begrifflichkeiten der Religion bedient, "um sich von der Strenge diskursiven Denkens zu dispensieren". Unter der Überschrift "Toleranz" schließlich reflektiert Habermas u.a. die Grenzen des Multikulturalismus und -- höchst aktuell -- die Notwendigkeit von Integration. Prägnant formuliert er den unlösbaren Zusammenhang zwischen Grundlagen und Grenzen der Toleranz: "Die kulturellen Berechtigungen und Ermächtigungen finden ihre Grenze an den normativen Grundlagen der Verfassung, aus der sie sich rechtfertigen." Für klare Positionen ist Jürgen Habermas ja bekannt. -- Roland Große Holtforth, Literaturtest

Über den Autor

Jürgen Habermas wurde am 18. Juni 1929 in Düsseldorf geboren. Von 1949 bis 1954 studierte er in Göttingen, Zürich und Bonn die Fächer Philosophie, Geschichte, Psychologie, Deutsche Literatur und Ökonomie. Er lehrte unter anderem an den Universitäten Heidelberg und Frankfurt am Main sowie der University of California in Berkeley und war Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg. Jürgen Habermas erhielt zahlreiche Ehrendoktorwürden und Preise, darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (2001) und den Kyoto-Preis (2004).


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5.0 von 5 Sternen Naturalistische Religion 26. Mai 2012
Format:Taschenbuch
Herr Habermas geht davon aus, dass die Aufklärung bereits hinter uns läge. Die Aufklärung zwischen Religion und Naruralismus. Wer aber weiß das Naturreligionen gezielt und systemisch seit Jahrtausenden seitens einer Institution verhindert wurden, der mag sich fragen wozu schreibt Herr Habermas dieses Buch, dass eine Paradeanleitung für eine neoliberalistische Weltordnung darstellt, und die klandestinen Zirkel auch noch darüber informiert, was beachtet werden muss, damit nichts schief läuft. Nicht umsonst hat Goethe mit seinem westöstlichen Diwan eine Analyse der einzigen abrahamitischen Religionen vollzogen und entdeckt, dass die wahre Aufklärung wohl eher zwischen Naturalismus und Religion liegt. Wenn der Mensch meint mit der Schöpfung rum zu spielen die genetischen Code manipuliert und vieles mehr so ist die Frage nicht mehr Naturalismus und Religion. Nein die Frage ist was ist geplant um von 7 Milliarden Menschen wieder auf 1/2 Milliarden zu bekommen ( siehe Georgia Guide Stones ) und wie sieht der genozitäre Langzeitplan dafür aus ??? Irgendwie kann ich mir nicht helfen aber dieses Buch gibt hervorragende Anleitung wie es gemacht werden kann.
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28 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterschied zwischen Toleranz und Tolerierung 4. Januar 2006
Von Klaus Grunenberg VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Schon Max Frisch hat in seinem Stück: "Biedermann und die Brandstifter" auf das hingewiesen, was uns Normalbürgern abgeht, bzw. umtreibt, nämlich, daß wir meistens unsere Ruhe haben wollen und gewissermaßen ein schönes Glas Bier dazu.

Und so kann das Unheil ruhig daherkommen. Über uns, neben uns und eigentlich überall auf der Erde.

Da kommen dann auch gerne die Philosophen und dankenswerterweise auch emeritierte Professoren, schreiben vielleicht ein Buch und das ist es denn wohl?
Nein, so ist es natürlich nicht, sagen sie (und wir) dann und trotzdem.

Wer über Religion so redet, daß sie z.B. toleriert werden muß und die Menschen nur dann in Frieden leben werden, wenn sie....
Ja dann habe ich auch nichts mehr dazu zu sagen.

Goethe schon war nicht sehr angetan von der Tolerierung (oder war`s die Toleranz?), so lesen wir es in diesem Buch und zwischen Naturalismus und Religion liegt manches noch, was wir gerne wüßten. Zum Beispiel, wie es steht mit der religiösen Einstellung mancher Philosophen außerhalb der bekannten Diskussionen auf dem Papier und in den Medien spätabends bei Professor "Slabberbrei" und Kollegen (siehe H. Rosendorfers "Der Hilfskoch"). Toleranz gut, aber ganz einfach Liebe, wie wärs eigentlich mal damit?

Hier, in diesem Buch aber, das eigentlich auch eine kleine Biografie des Autors darstellt, sind einige interessante Aufsätze zusammengestellt worden, die neben den Entwürfen zu einer (neuen) Toleranz in Fragen der Religionen die hochspannende Einlassung auf die politische Situation weltweit beinhaltet....

Damit sind wir weit vorne, weil hier, nämlich auf dem Spielfeld der menschlich-evolutionären Aggression, dem des Kriegs und des Marktes sich irgendwann entscheiden wird, ob alle oder nur einige ins Boot mitgenommen werden. Die Reformkommission der Vereinten Nationen hat deshalb demnächst viel zu tun.
Und das wird spannend werden und die Seligkeit auf Erden für nur einige oder für viele entscheiden.

Bis dahin Geduld, wie vorne angemahnt! Und hoffentlich hat so mancher in letzter Minute dann auch einen Halt, einen seelischen oder, wie wir gerne sagen, einen inneren. Der äußere wird dann gänzlich vergeben sein an eine Minderheit, die allerdings wahrscheinlich "steinreich" sein wird, wenn neoliberale Vorstellungen a la Washington sich eigenartiglächelnd durchsetzen.

Zwischen Naturalismus also und Religion wählen? Ich wählte beides gerne, wenn ich die Wahl hätte und bin doch auch dem allen ausgesetzt, dem guten wie dem weniger guten Geist, der weht.
Deshalb aber lesen wir so gerne in solchen Büchern wie diesen und holen uns einwenig Trost. Lesen Sie weiter... ›

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