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Der Mensch neigt heute immer mehr dazu, nicht nur die ihn umgebende Natur, sondern auch sich selbst und insbesondere seinen Geist als etwas (natur-)wissenschaftlich Analysier- und damit letztlich Verfügbares zu betrachten. Die Fähigkeit zur Selbstobjektivierung, letztlich DAS Erbe der Aufklärung, droht in eine ungebremste Selbstinstrumentalisierung des Menschen umzuschlagen, wie sie z.B. manche Vertreter der Biogenetik zumindest implizit bereits propagieren. Gleichzeitig gewinnen Glaubensgemeinschaften und ihre Überzeugungen immer mehr an Einfluss, kulturell ebenso wie politisch.
Jürgen Habermas stellt sich nun die Frage, wie die Philosophie geistiges Kapital aus dieser Entwicklung schlagen kann, sprich: welche Ansätze einer konstruktiven Kritik an der nachmetaphysischen westlichen Moderne religiöse Überlieferungen bieten. Damit stellt er das -- von ihm selbst mit- und weiterentwickelte -- aufklärerische Weltbild nicht insgesamt in Frage, sondern versucht, auch die aktuelle Renaissance der Religionen für diesen Entwicklungsprozess nutzbar zu machen, indem er Aspekte religiöser Überlieferungen gegen die szientistischen Exzesse der Gegenwart ins Feld führt. Vor voreiligen Schlüssen sei also gewarnt: Habermas ist keineswegs vom Glauben an die Vernunft abgefallen, nur weil er in der Religion nach philosophisch "verwertbaren" Gehalten sucht.
Die Aufsätze des Bandes bewegen sich im Dunstkreis dieser Fragestellungen, ohne eine systematische Abhandlung zu bilden. Die Überschrift des ersten Abschnitts formuliert selbst bereits die philosophische Position, mit der wohl die meisten Leser Jürgen Habermas verbinden dürften: "Die intersubjektive Verfassung des normengeleiteten Geistes". Es folgt der Teil "Religiöser Pluralismus und staatsbürgerliche Solidarität", der den zentralen Text "Religion in der Öffentlichkeit" enthält. Unter "Naturalismus und Religion" findet sich eine brillante Studie zu Kants Religionsphilosophie, in der Habermas u.a. Kants Warnung vor einer "religiösen Philosophie" bekräftigt, die sich bei Begrifflichkeiten der Religion bedient, "um sich von der Strenge diskursiven Denkens zu dispensieren". Unter der Überschrift "Toleranz" schließlich reflektiert Habermas u.a. die Grenzen des Multikulturalismus und -- höchst aktuell -- die Notwendigkeit von Integration. Prägnant formuliert er den unlösbaren Zusammenhang zwischen Grundlagen und Grenzen der Toleranz: "Die kulturellen Berechtigungen und Ermächtigungen finden ihre Grenze an den normativen Grundlagen der Verfassung, aus der sie sich rechtfertigen." Für klare Positionen ist Jürgen Habermas ja bekannt. -- Roland Große Holtforth, Literaturtest
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Und so kann das Unheil ruhig daherkommen. Über uns, neben uns und eigentlich überall auf der Erde.
Da kommen dann auch gerne die Philosophen und dankenswerterweise auch emeritierte Professoren, schreiben vielleicht ein Buch und das ist es denn wohl?
Nein, so ist es natürlich nicht, sagen sie (und wir) dann und trotzdem.
Wer über Religion so redet, daß sie z.B. toleriert werden muß und die Menschen nur dann in Frieden leben werden, wenn sie....
Ja dann habe ich auch nichts mehr dazu zu sagen.
Goethe schon war nicht sehr angetan von der Tolerierung (oder war`s die Toleranz?), so lesen wir es in diesem Buch und zwischen Naturalismus und Religion liegt manches noch, was wir gerne wüßten. Zum Beispiel, wie es steht mit der religiösen Einstellung mancher Philosophen außerhalb der bekannten Diskussionen auf dem Papier und in den Medien spätabends bei Professor "Slabberbrei" und Kollegen (siehe H. Rosendorfers "Der Hilfskoch"). Toleranz gut, aber ganz einfach Liebe, wie wärs eigentlich mal damit?
Hier, in diesem Buch aber, das eigentlich auch eine kleine Biografie des Autors darstellt, sind einige interessante Aufsätze zusammengestellt worden, die neben den Entwürfen zu einer (neuen) Toleranz in Fragen der Religionen die hochspannende Einlassung auf die politische Situation weltweit beinhaltet.
Damit sind wir weit vorne, weil hier, nämlich auf dem Spielfeld der menschlich-evolutionären Aggression, dem des Kriegs und des Marktes sich irgendwann entscheiden wird, ob alle oder nur einige ins Boot mitgenommen werden. Die Reformkommission der Vereinten Nationen hat deshalb demnächst viel zu tun.
Und das wird spannend werden und die Seligkeit auf Erden für nur einige oder für viele entscheiden.
Bis dahin Geduld, wie vorne angemahnt! Und hoffentlich hat so mancher in letzter Minute dann auch einen Halt, einen seelischen oder, wie wir gerne sagen, einen inneren. Der äußere wird dann gänzlich vergeben sein an eine Minderheit, die allerdings wahrscheinlich "steinreich" sein wird, wenn neoliberale Vorstellungen a la Washington sich eigenartiglächelnd durchsetzen.
Zwischen Naturalismus also und Religion wählen? Ich wählte beides gerne, wenn ich die Wahl hätte und bin doch auch dem allen ausgesetzt, dem guten wie dem weniger guten Geist, der weht.
Deshalb aber lesen wir so gerne in solchen Büchern wie diesen und holen uns einwenig Trost.
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