Stephen King ist einer der wenigen Autoren, die mich schon mein ganzes Leben lang begleiten. Dadurch führte er mich durch sämtliche Höhen und Tiefen, die er in seinen Geschichten hinterließ. Im vorliegenden Buch scheint er sich nicht nur an seinen Ruf zurück besonnen zu haben, sondern auch sogleich die Gelegenheit ergriffen, einige grundsätzliche Gedanken in den Raum zu stellen. Wie bei manchen Horrorfilmen stellt sich in Zwischen Nacht und Dunkel" durchweg die Frage, wie weit man bereit ist zu gehen. King befriedigt natürlich nicht nur diese Frage, sondern zeigt im gleichen Augenblick zusätzlich detailliert auf, welche Folgen dies für die Beteiligten haben kann.
Durchweg fragt sich der Leser, ob er ähnlich handeln würde, bzw. was muss geschehen, bis man sich dermaßen in die Enge gedrängt fühlt, um mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln einen Ausweg zu suchen - egal, ob dies Opfer jeglicher Art zur Folge hat.
King bleibt sich durchweg treu und lässt diese Fragestellung in einem Umfeld entstehen, das durchweg als bürgerlich und somit für jeden nachvollziehbar zu betrachten ist.
In seiner ersten Geschichte überredet ein Vater seinen Sohn, gemeinsam die Mutter umzubringen, da sie sonst die Farm - an der den beiden männlichen Protagonisten unwahrscheinlich viel liegt - zu Geld machen würde. Im weiteren Verlauf nimmt das Gewissen durchweg mehr Raum ein als gedacht.
Weiter geht es mit einer im Horrorgenre beinahe als klassisch zu betrachtenden Geschichte, in der eine Schriftstellerin auf brutalste Weise vergewaltigt wird und selbst das Zepter der Vergeltung in die Hand nimmt.
In Faire Verlängerung" geht ein schwer Krebskranker einen teuflischen Pakt ein, der natürlich nicht ohne Gegenleistung gewährt werden kann. Zuletzt führt uns King in Eine gute Ehe", in der Darcy das brutale Doppelleben ihres Mannes nach 27 glücklichen Ehejahren entdecken muss. Wie soll man damit umgehen? Kann man mit diesem Wissen normal weiterleben?
Alle vier Geschichten sind ohne jeglichen Kritikpunkt zu empfehlen. Teilweise sehr hart erzählt - aber dadurch um so bedrückender und glaubhafter.
Nach langem also endlich mal wieder ein absoluter Blockbuster eines Autors, der seinem Ruf in diesem Fall ohne jegliche Umschweife durchweg gerecht wird.
Jürgen Seibold/24.01.2011