Wer sich von diesem Buch vor allem Enthüllungen über Diepgens Rolle während des Berliner Bankenskandals erhofft, wird vermutlich enttäuscht werden. Nur diese Episode aus seinem langjährigen politischen Schaffen herauszugreifen, wird dem Menschen und Politiker Diepgen jedoch nicht gerecht. Wie der Titel andeutet, sieht sich der ehemalige Regierende Bürgermeister vor allem als Staatsmann, der zwischen den Stühlen der weltpolitischen Akteure Politik für Berlin machte. So finden sich mehr Referenzen zu Reagan und Thatcher als zu den Protagonisten der jüngeren Geschichte wie Wowereit und Strieder.
Nur am Rande, aber deshalb nicht weniger emotional wird die Frage behandelt, warum nach dem Berliner Bankenskandal nur die politisch Verantwortlichen wie Diepgen und die anderen Senatsmitglieder der CDU abgewählt wurden, während die politisch und fachlich Verantwortlichen, wie Staffelt und die Finanzsenatorin Fugmann-Heesing (beide SPD), keine Konsequenzen aus dieser Affäre ziehen mussten und weiterhin an den Schalthebeln der Macht sitzen.
Einen Stern Abzug gibt es aber deshalb, weil eine Biographie schon aufgrund der Genrevorgaben immer den Eindruck einer stark persönlichen Einfärbung hinterlassen MUSS. Diepgen schreibt selbst, dass "die Darstellung von 20 Jahren politischer Arbeit den Mut zur Lücke verlangt". Dass durch derartige Lücken aber oftmals eigene Fehler verschwiegen werden, liegt auf der Hand. Ansonsten aber ein sehr lesens- und empfehlenswertes Buch.