Einen Literaturpreis wird dieses Buch sicher nicht gewinnen, aber das ist auch nicht der Anspruch dieser äußerst leichtverdaulichen Lektüre. Ein Sachbuch ist es auch nicht, denn dazu ist es nicht ausreichend recherchiert und redigiert. Nur zwei von zahlreichen Beispielen: An einer Stelle wird auf die hohe Lebenserwartung der Isländer hingewiesen, an einer ganz anderen Stelle freut sich die Autorin an der Dynamik der überwiegend jungen Bevölkerung - ein Widerspruch, dessen Aufklärung das Buch schuldig bleibt. Auffallend häufige Entziehungskuren auf der Insel werden ohne jegliche Erläuterung und ohne Herstellung irgendeines Zusammenhangs am Rande erwähnt. Und dann die mehrfach wiederkehrende fast peinliche Floskel "soweit ich weiß"... Na ja.
Den Leser erwarten vielmehr sehr persönliche Eindrücke einer deutschen Auswanderin in Sachen Liebe, die ihre Erlebnisse ganz offensichtlich mit statistischen und sonstigen Sachinformationen aus Fernsehreportagen und Zeitungsberichten angereichert hat, ein Buch etwa im Stil von Briefen von der Tochter, die - immerhin thematisch gegliedert - ihre Familie über ihr Leben in einem anderen Land auf dem Laufenden hält und dies sicher nicht zuletzt zur persönlichen Aufarbeitung ihrer eigenen Lebensumstände als Hausfrau und Mutter tut.
Wenn man die etwas nervenden, da permanenten, Hinweise auf den Lebenspartner als einzigartiges Exemplar eines Isländers ausblendet, handelt es sich um eine wirklich nette Lektüre über subjektive Erfahrungen mit isländischer Lebensart und -umständen, ganz einfach weil sie äußerst lebensnah sehr interessante Einblicke in eine für Deutsche doch eher fremde Welt liefert und in meinem Fall vorhandenes Wissen bestätigt, das ich durch einen eigenen kurzen Aufenthalt auf der Insel sowie durch meine Freundschaft zu zwei Isländern erworben habe. Ich kann das Buch daher jedem Island-Interessierten als unterhaltsame Lektüre empfehlen.