Hajo Banzhaf hat in seinem Leben mehr als 20 Bücher geschrieben. Obwohl ich sie nicht alle gelesen habe, behaupte ich, dass dieses - sein letztes Buch - etwas Neues bietet, weil es ganz anders ist: Während es bei seinen Büchern sonst meist darum ging, den Umgang mit Tarot oder Astrologie zu lehren, geht es jetzt um Übergeordnetes. Dazu ein Beispiel:
In seinem Kapitel über Geld liest man zunächst etwas über dessen Entstehungsgeschichte. Die Phönizier haben es vor 5000 Jahren erfunden. "Es entstand aus dem Tauschhandel, weil es irgendwann einfach zu kompliziert wurde, Kamele in Schafe umzurechnen." Dann erklärt Hajo Banzhaf sprachliche Wurzeln einzelner Ausdrücke und verdeutlicht Kriterien, die ein Zahlungsmittel erfüllen mußte, nennt Namen für Münzen, erzählt, wie die Edelmetalle das Abwägen überflüssig machten und wie das Geld mit der Erfindung des Papiergeldes immer abstrakter wurde. Weiter gehts über die Geldmenge, die die Notenbank herausgibt, den "übermächtigen Wertmaßstab", zu dem Geld heutzutage geworden ist und die Erotik des Geldes. Dann ordnet er es in seiner unnachahmlichen Art den vier Elementen zu; und plötzlich begreift man etwas: Geld steht symbolisch eben nicht nur für das Element Erde und damit für Sicherheit, Substanz und solide Werte, sondern auch für das Element Luft, also für die Welt der Ideen, und zwar aufgrund der Abstraktion und des Geldumlaufs. Deswegen wird es "auch immer wieder von einer typischen Luftkrankheit befallen, von der Inflation, die ihm den Wert raubt" und es gibt "luftige Verwirrspiele" wie das Schneeballsystem. Schließlich stellt er fest, dass Geld als Symbol zwar ursprünglich für das Erdelement also für die Wirklichkeit stand und auch immer noch steht, aber eben auch für Feuer = Ideale, Luft = Ideen und Wasser = Gefühle. Jemand, der Probleme mit Geld hat - weil es ihm zwischen den Fingern zerrinnt, weil er sich immer wieder über den Tisch ziehen läßt, weil es ihm einfach chronisch fehlt - hat der Vier-Elementen-Lehre entsprechend also "Wirklichkeitprobleme": "Und die lassen sich nur im nüchternen Alltag beheben", und dann erklärt er wie.
Mir gefällt so etwas einfach. Auch wenn er dann noch über das Thema "Glücksritter" referiert, über Risiken bei der Markteinführung von neuen Produkten, über die Börse und schließlich zum Tarot kommt, indem er sagt, dass die ersten fünf Münzkarten der Kleinen Arkana zeigen, wie der Umgang mit Geld in die Krise führt, während die zweiten fünf Karten die Lektionen auf dem Weg zum Ziel zeigen.
Das ist Hajo Banzhaf wie ihn Tausende aus seinen Vorträgen kannten und liebten. Und in diesem Buch kann man all' das, was man einmal hektisch mitgeschrieben hat, noch einmal nachlesen - und noch viel mehr. Denn das Thema Geld ist ja nur ein Beispiel. Dieses 350 Seiten umfassende Buch vermittelt sehr viel Wissen, wobei mir Hajo Banzhafs profunde Kenntnisse der Geschichte, der Kulturgeschichte, der Bibel, der Mythen, Märchen und Sagen, der Psychologie C.G. Jungs, der Astrologie und es Tarot höchsten Respekt abnötigen.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, u.a. auch deswegen, weil Hajo Banzhaf nüchtern klarstellt, was Esotetik ist. Für Menschen die um jede Esoterik-Messe einen weiten Bogen machen, weil sie das dort Dargebotene, meist leicht Konsumierbare, teilweise geradezu Lächerliche, unerträglich finden, ist dieses Buch eine Wohltat. Auch deswegen, weil es immer wieder kleine Schmankerl bietet, beispielsweise wenn er über "Die Türme der anderen" schreibt und erzählt, dass der Turm von Babylon nicht einstürzte, sondern nie vollendet wurde. Die "Astralpriester" der Sumerer, Babylonier und Chaldäer sahen vor etwa 5000 Jahren im Aufbau des Himmels einen Tempel, den sie in ihren großen Städten nachbauen ließen: "Zikkurat nannte man diese Stufentürme, die aus mehreren Stockwerken bestanden und auf deren oberster Plattform sich der eigentliche Tempel befand. Die bedeutendste Zikkurat wurde als der Turm von Babel bekannt, der innerhalb des Marduk-Heiligtums mit einer Grundfläche von 8000 qm und einer Höhe von 77 m entstand. Zu Unrecht wurde er zum Symbol menschlichen Größenwahns. Den Priestern ging es nicht darum, einen Turm bis in den Himmel zu bauen, wie es die Bibel der feindlichen Nachbarn berichtet. Zu Ehren ihrer Götter wollten sie vielmehr auf Erden einen vollkommenen Tempel nach himmlischem Bauplan errichten, den sie 'Etemenanki' nannten, das heißt 'Haus des Himmelsfundaments auf der Erde'."