Kurzbeschreibung
Das islamische Recht ist der Aspekt, der in der westlichen Welt als äußerst problematisch wahrgenommen wird, sieht man in der Scharia doch oft ein Indiz für die Rückwärtsgewandtheit des Islam. Diese Meinung nimmt aber vorweg, daß es ein islamisches Recht gibt. Ohne ideologische Vorbehalte und Polemik widmet sich Vikør in "Zwischen Gott und Sultan" den Grundlagen und der Entwicklung der islamischen Rechtsprechung und zeigt auf, daß die Scharia letztlich eine Methode darstellt, die sich auf den Islam und nicht auf einen Staat beruft. Was aber Islam ist, wird wie in jeder anderen Religion auch stetig von den Gläubigen neu verhandelt und ist so einem dauernden Wandel unterworfen. Daher ändert sich auch die Scharia fortwährend. Darüber hinaus steht sie im Spannungsfeld zwischen Glaube und Staat, wobei sie das außerstaatliche Prinzip ist. Der Glaube ist etwas Privates, etwas innerhalb der Seele, während der Staat, und damit auch das Recht, nur damit befaßt sein kann, was Menschen in der Welt tun. Vikør führt in seinem an ein breites Publikum gerichteten Buch in die Methode des islamischen Rechts, seine theoretischen Fundamente, seine Quellen und seine Geschichte ein. Er klärt Grundbegriffe, skizziert die historische Entwicklung, beschreibt regionale Unterschiede und stellt exemplarisch die bestehende Praxis vor. Vikør legt dar, wie sich die Scharia unter theologischem und gesellschaftlichem Einfluß verändert, wie sie staatlicherseits instrumentalisiert oder untergraben wurde und wie sie umgekehrt als Opposition gegen den Staat wirkt.
Über den Autor
Knut S. Vikør, Professor am Centre for Middle Eastern and Islamic Studies an der Universität Bergen, Norwegen. Forschungsschwerpunkte: islamisches Recht, Nordafrika.