Er hat mit seiner "Mercator-Projektion" die moderne Kartographie begründet und die Navigation auf hoher See nachhaltig revolutioniert: Gerhard de Kremer, der sich später Gerhard Mercator nannte. Geboren wurde der am 5. März 1512 im flämische Dorf Rumpelmonde, gestorben ist er 1594 in Duisburg. Er studierte in Löwen und erfand die Übertragung der Kugelform der Erde auf eine plane Kartenfläche. Damit hat er die Welt verändert und die christliche Seefahrt auf allen Meeren dieser Welt sicherer gemacht. Und das von einem, der nicht reisen wollte und kaum gereist ist.
Mercator war allerdings nicht nur Kartograph, sondern auch Humanist, Theologe und Philosoph und interessierte sich für die Astrologie. Dies alles zusammen machte ihn zu einem bedeutenden Mann, der bald auch in die die Fänge der Inquisition und hinter Kerkermauern geriet. Der Engstirnigkeit, der Intoleranz in den Niederlanden entfloh er mit seiner Familie in das weitaus tolerantere Duisburg.
John Vermeulen, der mit seinen beiden Romanbiographien über Pieter Bruegel ("Die Elster auf dem Galgen") und Hieronymus Bosch ("Der Garten der Lüste") allenthalben Begeisterung ausgelöst hat, legt mit seiner neuen Romanbiographie über diesen genialen Gerhard Mercator nach. Wie immer hat der erfolgreiche niederländische Aurto Fakten und Fiktion geschickt miteinander verbunden. So erzählt er mit Verve, mit großer Sachkunde und distanzierter Zuneigung von diesem Wissenschaftler, der auch als "Prinz der Weltbeschreiber" apostrophiert wurde. Hineingeboren in ein aufregendes Jahrhundert hatte sich Mercator mit den Geistesströmungen des 16. Jahrhunderts auseinanderzusetzen. Und nicht nur das: Er wird der "Lutherei" angeklagt und in den Kerker geworfen. Dank einflussreicher Gönner wurde er freigelassen. Er ist Neidern der wissenschaftliche Zunft ausgesetzt, die ihn um die Früchte seines Werks bringen wollen, und gewinnt viele Freunde.
Mercator war jedoch nicht nur Wissenschaftler. Er war in der Deutung von John Vermeuelen nicht recht verstandener Ehemann und Familienvater, lebte in einer äußerst problematischen Ehe mit einer Xanthippe, hatte sechs Kinder, von den letztlich nur eines überlebte - und fand im Herbst seines Lebens seine ganz große, wahre Liebe. Es war ein regelrechtes Lebensdrama mit allen Höhen und Tiefen - mit Freunden und Feinden, mit familiären Krächen, mit wissenschaftlichen Auseinandersetzungen und menschlichen Verlusten und Gewinnen. Er haderte mit Goott und schrieb eine Kosmogonie, die auf dem Index landete.
Es ist die große Kunst des John Vermeulen, dem Leser nicht nur die historischen Fakten nahezubringen, die natur- und geisteswissenschaftlichen Strömungen der Zeit aufzuzeigen, sondern in diesen Kontext das Leben des Gerhard Mercator hineinzuschreiben. Und das auf eine bis zur letzten Zeile spannende, sehr lebendige und anschauliche Art und Weise.