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Zwischen Gott und der See. Über das Leben und Werk des Gerhard Mercator
 
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Zwischen Gott und der See. Über das Leben und Werk des Gerhard Mercator [Gebundene Ausgabe]

John Vermeulen , Hanni Ehlers
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 687 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257064950
  • ISBN-13: 978-3257064957
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 525.660 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Es scheint John Vermeulen eine echte Herzensangelegenheit zu sein, die Biographien seiner berühmtesten niederländischen Landsleute abzuarbeiten. Pieter Bruegel , Hieroymus Bosch. Man ahnt, wer noch alles kommen könnte. Zwischendurch beleuchtet er einen kaum spektakulären, aber für das heutige Antlitz der Welt umso wichtigeren Mann. Im März 1512 erblickte Gerhard de Kremer im flämischen Rupelmonde das Licht der Welt. Gerhard Krämer? Kein Name für die Geschichtsbücher. Auch die latinisierte Namens- und Ortsbeschreibung Mercator Rupelmundanus rumpelte eher ungeschlacht daher. Besser klang da schon der Name, den sich der 18-jährige Studiosus verpasste: Gerhard Mercator! Seine Karten wiesen der Seefahrt den rechten Weg – und doch war Mercator weit mehr als nur ein Kartograph.

Das Studium der Philosophie hatte ihn für jegliche Art von Dogmen unbrauchbar gemacht. Begraben, der Wunsch des reichen Großonkels Gisbert, den armen Schusterjungen Gerhard in die Arme der Kirche zu führen. Die „Kosmographie“ hatte es ihm angetan, die sich allmählich aus der Astrologie zu entwickeln begann. Seine Weigerung, die Erde als Mittelpunkt des Weltalls anzuerkennen und ein gewisser Hang zum Okkulten, sollte ihm später den Ruf des Ketzers eintragen. Nach einer Kerkerhaft entwickelte das Universalgenie in der reineren Wissenschaftsluft Deutschlands seinen großen Wurf: Mercator löste das schier unlösbare Problem, die Kugelgestalt der Erde auf eine plane Karte zu übertragen. Das gesammelte Karten- und Lebenswerk wurde „Atlas“ getauft.

Vermeulen führt uns in quasi humanistischem Auftrag in einem kühnen Bogen durchs Zeitalter der beginnenden Aufklärung. Weniger aufgeklärt erweist sich sein bescheidener Protagonist, der förmlich zu Tode erschrickt, als seine „mundfertige“ Frau Barbara ihn nackt im Bett erwartet. Mercator, dessen vollbeschäftigter Geist Krümmungskurven spielerisch entzerren konnte, findet an Barbaras Kurven zunächst nur zögerlich Halt. Schade nur, dass man solch farbgebenden erzählerischen Einsprengseln die Anstrengung anmerkt, die es Vermeulen gekostet haben muss, und die ihn von seiner eigentlichen Mission nur abzulenken scheinen. Diese hat einen Namen: Aufklärung! Eine äußerst lehrreiche Lektüre, aber gegen etwas lebensgesättigte Fabulierkraft wäre auch nichts einzuwenden gewesen. --Ravi Unger

Kurzbeschreibung

Gerhard Mercator (1512-594) gilt als der Begründer der modernen Kartographie. Mit seiner Erfindung der 'Mercator-Projektion' gelang es erstmals, die Kugelform der Erde auf eine zweidimensionale Karte zu übertragen. Nur knapp der Inquisition entkommen, verließ Mercator 1552 das niederländische Löwen und suchte mit seiner Familie Zuflucht im liberalen Duisburg. John Vermeulen beschreibt den Menschen hinter dem brillanten Wissenschaftler, sein Lebensdrama, seinen Kampf gegen Intrigen und Ignoranz in dem Jahrhundert, in dem die Welt neu erfunden wurde. Ein pralles Melodram und eine informative Geschichtsstunde in einem.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ccheesy VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Broschiert
Gerhard Mercator hat gerade sein Studium der Mathematik und Philosophie in Löwen hinter sich gebracht und ist auf dem Weg zurück nach Rupelmonde, seinem Heimatort. Dabei trifft er Barbara Schellekens, die später seine Frau wird, und damit eine der wichtigen Nebenfiguren im Buch, nicht zuletzt, weil Barbara ihm in kurzer Folge sechs Kinder gebärt. Nachdem das Familienleben sozusagen geregelt ist, beginnt der Aufstieg Mercators als Kartograph. Unterbrochen wird die Karriere durch einen mehrmonatigen Kerkeraufenthalt wegen Ketzerei. Man kann nur ahnen, wie knapp Mercator einer Hinrichtung durch die Inquisition entkommen ist. Nur aufgrund seiner Qualitäten wird er gerettet - und weil sich herausstellt, daß er denunziert wurde.
Es folgt der Umzug nach Duisburg, um dem Fanatismus der katholischen Kirche zu entgehen. Auch dort setzt Mercator seine Arbeit unermüdlich fort.
Daß der Umzug gerade nach Duisburg vollzogen wird, ist nicht ganz zufällig. Dort wohnt Gertrude Vierlings, die Frau eines Uhrmachers und späteren Bürgermeisters, zu der sich Mercator hingezogen fühlt. Doch er bleibt seiner Frau treu, auch wenn diese ihn über viele Jahre hinweg mit abweisender Haltung bestraft. Erst spät klar, warum.
Mercator wird alt, sieht mehrere seiner Kinder sterben, aber zunächst nicht Arnold, seinen Ältesten, mit dem Mercator seit Arnolds Kindheit Probleme hat und Dauerkonflikte ausficht.
Bis zu seinem Tod im hohen Alter von 82 Jahren arbeitet Mercator unermüdlich an seinem Lebenswerk, der Kosmographie.

Das Buch ist sehr schön zu lesen und gibt interessante Einblicke in Mercators langes Leben. Das hätte normalerweise fünf Sterne verdient. Abzüge gibt es für die (vermutlich) großen literarischen Freiheiten bzw. historischen Ungenauigkeiten.
Aus Interesse habe ich ein wenig gegoogelt, und mir verschiedene Seiten mit Lebensläufen Gerhard Mercators angeschaut. Die konfliktreiche Beziehung zwischen Mercator und seiner Frau sowie seinem Sohn Arnold wird nirgendwo auch nur erwähnt, geschweige denn genauer erläutert. Arnold war selbst ein erfolgreicher Kartograph. Daher gehe ich davon aus, daß diese Beziehungsprobleme erfunden sind.
Trotzdem, unterm Strich ein lesenswertes Buch!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein Prinz der Weltbeschreiber 16. Dezember 2008
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Broschiert
Er hat mit seiner "Mercator-Projektion" die moderne Kartographie begründet und die Navigation auf hoher See nachhaltig revolutioniert: Gerhard de Kremer, der sich später Gerhard Mercator nannte. Geboren wurde der am 5. März 1512 im flämische Dorf Rumpelmonde, gestorben ist er 1594 in Duisburg. Er studierte in Löwen und erfand die Übertragung der Kugelform der Erde auf eine plane Kartenfläche. Damit hat er die Welt verändert und die christliche Seefahrt auf allen Meeren dieser Welt sicherer gemacht. Und das von einem, der nicht reisen wollte und kaum gereist ist.

Mercator war allerdings nicht nur Kartograph, sondern auch Humanist, Theologe und Philosoph und interessierte sich für die Astrologie. Dies alles zusammen machte ihn zu einem bedeutenden Mann, der bald auch in die die Fänge der Inquisition und hinter Kerkermauern geriet. Der Engstirnigkeit, der Intoleranz in den Niederlanden entfloh er mit seiner Familie in das weitaus tolerantere Duisburg.

John Vermeulen, der mit seinen beiden Romanbiographien über Pieter Bruegel ("Die Elster auf dem Galgen") und Hieronymus Bosch ("Der Garten der Lüste") allenthalben Begeisterung ausgelöst hat, legt mit seiner neuen Romanbiographie über diesen genialen Gerhard Mercator nach. Wie immer hat der erfolgreiche niederländische Aurto Fakten und Fiktion geschickt miteinander verbunden. So erzählt er mit Verve, mit großer Sachkunde und distanzierter Zuneigung von diesem Wissenschaftler, der auch als "Prinz der Weltbeschreiber" apostrophiert wurde. Hineingeboren in ein aufregendes Jahrhundert hatte sich Mercator mit den Geistesströmungen des 16. Jahrhunderts auseinanderzusetzen. Und nicht nur das: Er wird der "Lutherei" angeklagt und in den Kerker geworfen. Dank einflussreicher Gönner wurde er freigelassen. Er ist Neidern der wissenschaftliche Zunft ausgesetzt, die ihn um die Früchte seines Werks bringen wollen, und gewinnt viele Freunde.

Mercator war jedoch nicht nur Wissenschaftler. Er war in der Deutung von John Vermeuelen nicht recht verstandener Ehemann und Familienvater, lebte in einer äußerst problematischen Ehe mit einer Xanthippe, hatte sechs Kinder, von den letztlich nur eines überlebte - und fand im Herbst seines Lebens seine ganz große, wahre Liebe. Es war ein regelrechtes Lebensdrama mit allen Höhen und Tiefen - mit Freunden und Feinden, mit familiären Krächen, mit wissenschaftlichen Auseinandersetzungen und menschlichen Verlusten und Gewinnen. Er haderte mit Goott und schrieb eine Kosmogonie, die auf dem Index landete.

Es ist die große Kunst des John Vermeulen, dem Leser nicht nur die historischen Fakten nahezubringen, die natur- und geisteswissenschaftlichen Strömungen der Zeit aufzuzeigen, sondern in diesen Kontext das Leben des Gerhard Mercator hineinzuschreiben. Und das auf eine bis zur letzten Zeile spannende, sehr lebendige und anschauliche Art und Weise.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kleiner Rückschlag 19. Januar 2006
Von Fuchs Werner Dr #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Die Erwartungen an biographische Romane sind verschieden. Daher teilte auch John Vermeulens Roman „Der Garten der Lüste“ die Kritikergemeinde. Die einen bemängelten den saloppen Umgang mir historischen Fakten und Quellen, die anderen lobten die eindrucksvollen Stimmungsbilder einer vergangenen Epoche. Zu den letzteren gehöre ich. Denn für ein kaum stillbares Verlangen nach geschichtlichen Wahrheiten sollen Lexika, wissenschaftliche Seminararbeiten und kaum verkäufliche Dissertationen herhalten. Ein Roman soll mich ver- und entführen, indem sein Autor mir eine von vielen Möglichkeiten vorführt, wie es gewesen sein könnte. Genau das ist dem holländischen Journalisten, Segler und Schriftsteller mit seinem Roman über Hieronymus Bosch grossartig gelungen.

Da ich mich für Entdecker, Karten und Kulturgeschichte interessiere, war es daher klar, dass ich mir die 687 Seiten über Leben und Werk des Gerhard Mercator einverleibte. Nicht dass ich nach dem üppigen Mahl an Magenverstimmung leiden würde, aber der erhoffte ultimative Genuss war es leider nicht. Woran lag es? Was war anders als beim Bosch-Siebengänger?

Ich meine, dass John Vermeulen seine Personen zu viel und zu vieles sprechen lässt und dabei seine Stärke vergisst, Stimmungen fremder und vergangener Welt zu schaffen. Nicht dass diese Biographie Mercators ein schlechtes Buch wäre. Aber Vermeulen setzte die Massstäbe mit seinem Bosch-Roman eben hoch an. Klar ist es ungerecht, seine Beschreibungen der damaligen Seefahrt mit Melvilles Moby Dick zu vergleichen. Und dennoch sind diese Bilder eben in meinem Kopf. Die spielerische Verbindung von Natur und Psyche ist ja ein Kennzeichen der ganz grossen Autoren. Statt zu erklären, beschreiben sie, erzählen sie, konstruieren Kulissen und Requisiten. Das ist Vermeulen weniger geglückt, als er es wohl gern gehabt hätte. Und weil er bereits bewiesen hat, dass er in dieser Kunst einiges vorzuweisen hat, war ich letztlich doch etwas enttäuscht. Das 16, Jahrhundert gibt so viel her, dass es keine fiktiven Gespräche über Gott und die Welt gebraucht hätte, die auch in irgendeiner Betriebskantine unserer Zeit hätten stattfinden können. Zwar flackert die Gabe, Leser durch Stimmungsbilder zu entführen, immer wieder auf. Doch das Feuer ist zu schwach, um es mit fünf Sternen zu prämieren.

Mein Fazit: Ein Roman über eine faszinierende Zeit, einen grossen Wissenschaftler und eine fremde Welt. Lesestoff für unterhaltsame Stunden, der mich aber erstaunlich wenig ergriff.

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