Neue Zürcher Zeitung
Römisches Palimpsest
Wig. Franca Magnani, 1925 in Rom geboren, aufgewachsen in Zürich, wohin die antifaschistischen Eltern während Mussolinis Regime emigrierten, war mehr als drei Jahrzehnte als Italien-Berichterstatterin für deutsche und schweizerische Funkanstalten tätig. Aus den vielen hundert Berichten haben ihre beiden Kinder nun zwei Jahre nach ihrem Tod die Rom betreffenden Essays zu einem Buch zusammengestellt. Mit einem zugleich schweifenden und insistierenden Blick sucht Franca Magnani hinter dem Erscheinungsbild der Dinge das Wesentliche und Spezifische zu ergründen. Dadurch erhalten die von ihr porträtierten Plätze, Architekturen und Kunstwerke etwas Durchscheinendes, Palimpsestartiges. Die Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle beispielsweise gewinnen an Intensität und Aussagekraft, wenn man weiss, dass Michelangelo, der sich als Bildhauer, nicht aber als Maler verstand, von Papst Julius II. zur Ausmalung gezwungen wurde und dass er das grandiose Werk allein und unter äusserster physischer und psychischer Anspannung auf dem Rücken liegend in nur zwei Jahren vollbrachte. Gleichzeitig nüchtern-kühl und leidenschaftlich-engagiert schildert Franca Magnani Teilansichten der römischen Kapitale, die nicht zum touristischen Repertoire gehören. Sie klammert die düsteren Seiten nicht aus, weder Armut noch Unrecht. Doch weiss sie wie nur wenige die Schönheiten und Freuden des Alltags plastisch darzustellen das Licht und die Farben, die Grosszügigkeit der weiten Plätze und die Intimität der engen Gassen, diesen ganzen öffentlichen Reichtum der Stadt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Kurzbeschreibung
Die in diesem Buch zusammengefaßten Beobachtungen und Berichte aus "ihrem Rom" bewegen sich zwischen den Werkstätten der Handwerker und den Palästen, zwischen Zerstörung und Rettung, zwischen Geschichte und Heute, Ghetto und Kirche.
Franca Magnani nimmt den Leser mit auf eine spannende Entdeckungsreise durch eine von Gegensätzen gezeichnete Stadt und vermittelt ihr ganz persönliches Rom-Erlebnis.
Herausgeber dieses Buches sind Tochter und Sohn Franca Magnanis. Sie selbst starb 1996.Franca Magnani, 1925 in Rom geboren und in Zürich aufgewachsen, arbeitete seit 1964 als Italien-Korrespondentin für die ARD. Außerdem war sie als freie Autorin für die wichtigsten TV- und Printmedien in Deutschland und der Schweiz tätig. Ihre Erinnerungen an Kindheit und Jugend, "Eine italienische Familie" (1990), wurden ein Bestseller. Sie starb 1996. Die Herausgeber des Buches sind ihre Kinder, Sabina Magnani-von Petersdorff und Marco Magnani.