Es gibt sie, jeder kennt einen, doch meistens trifft man nur einen. Gemeint sind Zwillinge. Karl Kröhnke hat mit seiner Anthologie, in der er Zwillingsgeschichten in der Literatur aus allen Epochen zusammengesucht hat, eine Nachfrage befriedigt, die man sich nicht vorstellen. Das literarische Motiv 'Zwillinge' ist in der Sekundärliteratur kaum behandelt worden, wobei bestimmte Muster in Zwillingsanekdoten immer wieder kehren. Wahrscheinlich liegt es daran, daß bislang wohl niemanden aufegfallen ist, wie oft Zwillinge in der Literatur wirklich auftauchen. Bei Kinderbücher, na klar, denkt jeder sofort an das Doppelte Lottchen von Erich Kästner oder Hanni und Nanni von Enid Blyton. Doch in der Weltliteratur gibt es von den zwei Eineiigen einiges mehr. Kröhnke beginnt in seiner Anthologie mit dem Buch der Bücher: Die Bibel, in der die Geschichte der Brüder Jakob und Esau geschrieben steht. Das Motiv der äußerlich identischen oder ähnlichen Geschwister, von denen einer bösartig und der andere naiv und gutmütig ist tritt immer wieder auf. Aber auch andere Klassiker wie Boccachio oder Plautus sind vertreten. Jede von Kröhnke ausgesuchte Geschichte hat ihren eigenen Reiz und von selbst kommt man spontan auf die Idee, die Anekdoten oder Auszüge untereinander zu vergleichen. Bis in dieses Jahrhundert reicht das abwechslungsreiche Sammelsurium an Zwillingsgeschichten. Nicht zuletzt trug Karl Kröhnkes Zwillingsbruder, seines Zeichens Schriftsteller, selbst zu der Anthologie bei. Nicht zu vergessen ist natürlich das Nachwort von Karl Kröhnke, der als Zwilling selbst genau weiß wovon er spricht und amüsant mit dem roten Faden 'Zwilling' Realität, Gegenwart und Literatur miteinander verwebt. Patrick Körber (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)