Zwischen den Jahren 1982 - 1989 hatte Dean Koontz wohl seine (bislang) beste schriftstellerische Phase. Viele innovative, aber auch erfolgreiche Bücher wie "Mitternacht", "Brandzeichen" oder "Unheil über der Stadt" erschienen in diesem Zeitraum, avancierten zu modernen Klassikern des Genres und brachten Koontz den Ruf ein, einer der besten und virtuosesten Meister der Spannung und gleichzeitig der schärfste Konkurrent Stephen Kings zu sein.
Herausragendes Werk aus dieser Zeit stellt allerdings sein Roman "Zwielicht" für mich dar (dass leider noch immer unterschätzt wird).
In "Zwielicht" lernen wir den Teenager Slim McKenzie und sein dunkles Geheimnis kennen. Gesegnet mit der Gabe der "Zwielicht-Augen" kann er normale Menschen von jenen Kreaturen unterscheiden, die ihr Dasein unter dem Deckmantel eines menschlichen Lebewesens verbringen, gleichzeitig jedoch Schmerz, Leid und Tod über die Welt bringen. Nachdem er feststellen musste, dass auch sein Stiefvater ein solches Monster war, und ihm keine andere Wahl blieb, als ihn zu töten, ist aus Slim ein Junge ohne Heimat geworden; ein rastloser Wanderer, der als Mörder angesehen wird.
Das Schicksal zieht ihn schließlich hinein in den magischen Sog eines Wanderjahrmarktes und seiner bizarren und erstaunlichen Bewohner. Gleichzeitig lernt Slim aber auch die Liebe, den Glauben und die Hoffnung an dass Gute kennen - und die ganze, unvorstellbare Wahrheit über jene Kreaturen, die im Stillen an der Vernichtung der Menschheit arbeiten ...
Erneut gelingt es Koontz, sich jeder möglichen Klassifizierung zu entziehen. "Zwielicht" ist weder Horror- noch SciFi, sondern liegt irgendwo dazwischen. Man könnte den Roman am ehesten noch als Dark Fantasy bezeichnen. Mit seinem (offenbar) äußerst fundiertem Wissen über dass Jahrmarktsmilieu stellt die Geschichte ausserdem die vielleicht beste Innenansicht eines solchen dar, die jemals in einem Roman geschildert wurde.Gleichzeitig vermittelt Koontz erneut eine reichliche Palette an Gefühlen, wie Liebe, Wut, Hass und Hoffnung, vermischt mit großartigen Actionszenen und toller Atmosphäre.
"Zwiellicht" wirkt wie ein großes schwarzes Loch auf den Leser. Kaum hat man die ersten Seiten einigermaßen schadhaft überwunden, ist es kaum möglich, den Roman aus der Hand zu legen. Mann MUSS einfach weiterlesen, um zu erfahren, ob alles gut geht. Und selbst nachdem man die Geschichte beendet hat, hallen die Bilder, Orte und Personen noch lange im Gedächtnis wieder. Dass ist wirklich Kino für den Kopf!