Über den Autor
Lindsey Davis wurde in Birmingham geboren und lebt heute in Greenwich. Nach einem Englischabschluss in Oxford arbeitete sie zunächst im öffentlichen Dienst, schreibt aber nun ausschließlich Romane. 1995 erhielt sie den Crime Writers' Association Dagger Award.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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"Vergiftet wurde niemand beim Festessen der Gesellschaft der Olivenölhersteller von Baetica - was, im nachhinein betrachtet, recht überraschend war. Hätte ich gewußt, daß Anacrites, der Oberspion, anwesend sein würde, dann hätte ich eine kleine Phiolemit Krötenblut mitgebracht und in meiner Serviette versteckt bereitgehalten. Allerdings mußte der Mann sich so viele Feinde gemacht haben, daß er bestimmt täglich Gegengifte schluckte, falls eine arme Seele, die er zu töten versucht hatte, die Chance nutzte und ihm Aconitessenz in den Wein träufelte. Vorzugsweise ich, wenn möglich. Das war Rom mir schuldig. Der Wein war vielleicht nicht so vollmundig wie ein Falerner, aber es war das Beste, was die Gilde der hispanischen Weinimporteure zu bieten hatte, und er war zu gut, um ihn mit tödlichen Tropfen zu verderben, außer man hegte einen wirklich ernsthaften Groll gegen jemanden. Viele der Anwesenden mochten Mordgedanken haben, aber ich war neu hier, mußte mich erst mal zurechtfinden und he rausbekommen, wer mit wem ein Hühnchen zu rupfen hatte. Vielleicht hätte ich aber doch mißtrauischer sein sollen. Die Hälfte der Gäste arbeitete in der Regierung, die anderen hatten mit Handel zu tun. Das roch nach nichts Gutem. Ich war an diesem Abend auf alles mögliche vorbereitet. Der erste - wenn auch angenehme - Schock war, daß mir der Sklave am Eingang zur Begrüßung einen Becher ausgezeichneten Rotwein aus Barcino reichte. Der Abend war Baetica gewidmet, der reichen, heißen Schatzkammer im südlichen Spanien. Ich persönlich finde die Weine aus dieser Provinz seltsam enttäuschend: weiß und dünn. Aber offenbar waren die Leute aus Baetica vernünftig. Kaum verließen sie ihre Heimat, tranken sie Tarraconenser - den berühmten Laeitana aus dem Nordwesten von Barcino, von den Hängen der Pyrenäen, wo der Wein in den langen, heißen Sommermonaten reift, es im Winter aber genügend Regen gibt.Ich selbst war nie in Barcino, hatte weder eine Ahnung, was Barcino für mich bereithielt, noch war i ch daran interessiert, es herauszufinden. Wer braucht schon die düsteren Prophezeiungen von Wahrsagern? Das Leben hält auch so genug Unannehmlichkeiten bereit. Dankbar nippte ich an dem lieblich schmeckenden Wein. Ich war als Gast eines Ministerialbeamten namens Claudius Laeta hier, war ihm hinein gefolgt und tappte höflich in seinem Troß mit, während ich mir klarzuwerden versuchte, was ich eigentlich von ihm hielt. Sein Alter war schwer zu schätzen, irgendwo zwischen vierzig und sechzig. Er hatte volles Haar (einestumpfe, braune Matte, kurz, gerade, nicht sonderlich aufregend geschnitten). Sein Körper war durchtrainiert, seine Augen scharf, sein Verhalten wachsam. Er trug eine weitgeschnittene Tunika mit schmaler Goldborte unter der schlichten weißen Toga des Palastbeamten. An seiner Hand blitzte der breite Goldring der Ritterschaft, was bewies, daß irgendein Kaiser viel von ihm hielt. Mehr, als die Obrigkeit von mir zu halten schien ..."