Es ist nicht zu übersehen: Dennis L. McKiernan, der Autor des Buches "Zwergenzorn", muss ein leidenschaftlicher Verehrer von JRR Tolkien sein, oder besser gesagt, von dessen bekanntestem Werk, dem "Herrn der Ringe". Anders ist es nicht zu erklären, dass McKiernan eine Geschichte erzählt, die man so schon einmal gelesen zu haben glaubt:
In der Welt Mithgar (deren Name nicht nur ähnlich wie Tolkiens Mittelerde/Midgard klingt sondern deren mitgelieferte Karte auch nahezu identisch aussieht) machen sich zwei Wurrlinge (die Tolkiens Halblingen nicht nur dem Namen nach ähneln und darüber hinaus die bekannten Accessoires mitführen, sprich "Mithril"-Kennenhemd, ein bei passender Gelegenheit leuchtendes Schwert sowie Elbenumhänge), begleitet von einer Gruppe aus Menschen (unter ihnen natürlich ein König in spe), Zwergen und Elfen (allerdings ohne Zauberer), auf den Weg, einer Zwergenarmee bei der Rückeroberung einer ehemals an den Dunklen Lord (der hier nicht Sauron heisst) verlorenen Zwergenfestung mit Namen Mo..., nein, Drimmenheim zu helfen. Mit sich führen sie keinen Ring, sondern das Wissen um die Durchquerung der Festung, deren Portal, wie sollte es anders sein, von einem gewaltigen, einer Riesenkrake ähnelnden Ungetüm in einem Tümpel bewacht wird.
Damit ist der Kern der Geschichte erzählt, die nicht nur aufgrund des fehlenden Flairs, das Tolkiens "Herrn der Ringe" auszeichnet, eher langweilt als fasziniert, und die aufgrund der Banalität der Erzählung mitunter Kopfschütteln oder sogar zornige Enttäuschung hervorruft. Abgesehen von der Rahmenhandlung (es geht um die Durchquerung/Eroberung der Festung, nicht darum, einen Ring zu zerstören) hat man das Gefühl, in einem "Herr der Ringe" - B-Movie bzw. der Buchversion desselben, angekommen zu sein. Akteure und Schauplätze sind leblos beschrieben, Namen und Bezeichnungen sind enttäuschend einfallslos gewählt. Die Handlung läßt kaum Spannung aufkommen (wie denn auch, einerseits kennt man sie größtenteils schon, andererseits passiert einfach nichts außer andauerndem Wache halten und dem "Kampf" gegen Naturgewalten) und die Möglichkeit, aus dem Aufeinandertreffen verschiedener Rassen, Charakterzüge und Temperamente Konflikt und Bewegung entstehen zu lassen, wird durch eine allgegenwärtige "Wir-haben-uns-alle-lieb-und-wollen-einander-helfen" - Mentalität im Keim erstickt.
Fazit:
Es ist kein lesenswertes Buch, weder für diejenigen, die nach Fantasy-Abenteuern á la "Herr der Ringe" suchen, noch für die, die, motiviert durch "Die Zwerge" von Markus Heitz, schlicht etwas mehr über dieses eher eigenbrödlerische doch faszinierende Volk der Krieger, Schmide und Baumeister erfahren wollen.