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Zweihundert Jahre zusammen
 
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Zweihundert Jahre zusammen [Gebundene Ausgabe]

Alexander Solschenizyn
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
  • Verlag: Herbig (Oktober 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3776622873
  • ISBN-13: 978-3776622874
  • Größe und/oder Gewicht: 23 x 16,2 x 5,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 520.386 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Aleksandr I. Sol?enicyn
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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 15.10.2002
Alexander Solschenizyn, als letzter Patriarch einer sich auflösenden russischen Kulturtradition, mag eine Art Schiedsrichterrolle vorgeschwebt haben, meint Sonja Margolina, als er darin ging, zweihundert Jahre gemeinsame Geschichte zwischen Juden und Russen aufzuschreiben. Im Grunde ist das Buch eine Anmaßung, so Margolina; voller antisemitischer Ressentiments, mit einem antiquierten Weltbild, das den Paternalismus und die Staatsgläubigkeit des 19. Jahrhunderts spiegele. Dem entspreche auch Solschenizyns vollkommen unwissenschaftliche Arbeitsweise; er stützt sich überwiegend auf jüdische Enzyklopädien und Aussage von Zeitgenossen, berichtet die Rezensentin, die meisten der von ihm zitierten Bücher seien über 100 Jahre alt, fremdsprachige Publikationen wurden grundsätzlich nicht zur Kenntnis genommen. Ein Wissensstand auf dem Forschungsniveau des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Das ist mehr als Dilettantismus, beteuert Margolina. Für sie gehört Solschenizyn in die typisch russische Tradition des "rückwärtsgewandten Erneuerers", die mit Protopop Avvakum begonnen habe. Solschenizyn ist der letzte in dieser Reihe, sagt Margolina; sein Antisemitismus darum "beunruhigend, aber vielleicht nicht so wichtig".

© Perlentaucher Medien GmbH

Pressestimmen

" ... ein faszinierendes Buch, geschrieben mit des Autors ganzer Begeisterung und sprachlicher Erfindungsgabe ..., ein starkes und aufschlussreiches Buch." (Times Literary Supplement)

"Die Blüten, die die Debatte treibt, bestätigen, wie dringend ein solches Buch gebraucht wurde und welche Wissenslücken geschlossen werden müssen." (Die Welt)

"Der Dicher wagt sich weit auf verminte Gebiete der Geschichtsschreibung." (Der Spiegel)

"Auf über tausend Seiten hat Solschenizyn historische Fakten, Irritationen und Vorurteile zusammengetragen, wie sie das Zusammenleben von Russen und Juden seit jeher belasteten. ... Ein löbliches Unterfangen, zumal eine solche Zusammenschau längst überfällig war." (Der Tagesspiegel)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
22 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Hat man das doppelbändige Werk über das Leben der Juden im russischen bzw. sowjetischen Reich zwischen 1800 und 2000 gelesen, möchte natürlich auch die Meinung anderer Leser dazu kennenlernen. Merkwürdigerweise findet sich zur deutschen Ausgabe nur eine kommentierende Stimme, die sich zudem speziell mit dem ersten Band befasst. Man sieht sich die Dinge ein wenig näher an und stellt fest, dass in manchen Ländern der Autor überhaupt irgendwie ausgedient zu haben scheint, so haben offenbar in den USA seine nach 1975 geschriebenen Werke wenig Anklang gefunden, obwohl diese ja gerade in Bezug auf die Geschichte Rußlands und der späteren Sowjetunion eine wesentliche Bereicherung der historischen Literatur darstellen und dem Leser bei der Beurteilung der politischen Verhältnisse im so turbulenten 20. Jahrhundert sehr nützlich sind. Auch das vorliegende zweibändige Werk ist anscheinend bis heute noch nicht in englischer Sprache erschienen.

Im ersten Band des Werkes wird die Lage des jüdischen Volkes innerhalb des russischen Reiches bis zum Ende der Zarenherrschaft beleuchtet, wobei dem Leser vor Augen geführt wird, dass die große Masse dieses Volkes historisch dort erst durch die Teilungen Polens am Ausgang des 18. Jahrhunderts hineingeworfen wurde und mit welchen Schwierigkeiten ihre Integration in diesen Vielvölkerstaat einherging..

Der zweite Band schildert in vielen Einzelheiten das Schicksal der russischen Juden im Sowjetreich durch die verschiedenen Stadien seines Aufstiegs und seines Verfalls hindurch, in denen die Juden dauernd am Wechselspiel der poltischen Strömungen aktiv und passiv beteiligt waren, bis sie sich dann in der dritten Generation geistig vom sowjetischen Staate trennten und so gut sie konnten das Land verließen  zunächst um nach Israel zu gehen, dann aber auch zunehmend mit anderen Zielen.

Solschenizyn beleuchtet in allen Kapiteln des Buches den Zwiespalt, in welchem sich die sowjetischen Juden permanent befanden: der Bolschewismus mit seinem Ziel eines Neuen Menschen, wie er allen Hindernissen zum Trotz als Ziel der Revolution geschaffen werden sollte, bot ihnen zwar nach einem Jahrhundert der Einengung im Russischen Reich die Aussicht auf eine freie persönliche Entfaltung, verlangte jedoch gleichzeitig von ihnen die Preisgabe ihrer traditionellen Identität, wie sich diese bislang in der Religion ausdrückte. Da der jüdische Glaube für den aufstrebenden Sowjetstaat schon zahlenmäßig weit weniger gefährich war als die Orthodoxe Kirche, waren seine Vertreter den ansonsten üblichen Verfolgungen weniger stark ausgesetzt.

Vielen war offenbar anfangs dieses Dilemma zwischen Freiheit und Religion nicht bewusst oder der geforderte Preis dünkte ihnen angemessen für die entscheidende Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Position, wie sie ihnen künftig zuteil werden sollte in einem politischen System, das ohnehin auf völlig anderen Füßen stand, als alle anderen Modelle, und an dessen Formgebung sie aktiv teilnehmen konnten. Die ihnen innewohnende Aktivität führte sie dazu, sich intensiv zu engagieren, doch die Folge war auch, dass sie mehr als manche anderen Völker Rußlands zum Spielball der politischen Kursänderungen wurden, welche die frühe Sowjetunion so entscheidend prägten.

Erst als nach dem 2. Weltkrieg der Zustand der Welt im allgemeinen in ein etwas weniger turbulentes Fahrwasser und die innenpolitische Situation ebenfalls ein wenig zur Ruhe gekommen war, bot die Existenz des Staates Israel den Juden in der Sowjetunion eine Alternative und im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts wirkte sich dies zusehends stärker aus und ermöglichte vielen die Auswanderung.

Jedoch war auch diese Möglichkeit kein reines Geschenk, sagt uns der religiös denkende Mensch Solschenizyn: wenn sich erstmals in der 2000-jährigen jüdischen Geschichte seit der Vertreibung durch die Römer nun endlich die Möglichkeit einer Rückkehr ins Gelobte Land bot, so war es auf alle Fälle für jeden, der sich für eine Auswanderung in einen anderen Staat entschied, im Grunde genommen eine Absage an die Religion, auf die er sich die ganze Zeit gestützt hatte.

Das vorliegende Buch behandelt das unsichere Zusammenspiel der drei Ideologien, die das 20. Jahrhundert geprägt haben. Jeder, der sich näher mit diesen unheilvollen Ereignissen näher befassen will, sollte Solschenyzins Werk lesen.
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18 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Volkmar Weiss TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Im Mittelalter waren die Juden aus einigen Ländern, darunter auch England und Frankreich, vollständig vertrieben worden. Im 12. und 13. Jahrhundert waren es vor allem Juden aus dem Rheinland, die nach Polen flüchteten. Betrug der Bevölkerungsanteil der Juden in Polen um 1500 noch weniger als 1%, so stieg er auf 5% um 1650 und danach im 19. Jahrhundert bis auf etwa 10% an. In der sich allmählich entwickelnden, immer stärker arbeitsteiligen Wirtschaft besetzten sie einen Sektor, der überdurchschnittliche geistige Anforderungen stellte, bei wirtschaftlichem Erfolg aber auch günstige Entwicklungsbedingungen für eine kopfstarke jüdische Familie bot. Mit den polnischen Teilungen kam der größte Teil dieser Juden unter die Herrschaft des russischen Zaren. Solschenizyns Buch berichtet von der zwiespältigen Politik Rußlands gegenüber seinen Juden und ihrer allmählichen Emanzipation. Er benutzt dazu vor allem schwer zugängliche zeitgenössische Quellen, die er in eher erzählender als analysierender Form auswertet. Besonders gelungen ist das Kapitel über die Bildungsbeteiligung der Juden. Als Ende des 19. Jahrhunderts die Jugend des jüdischen Volkes in immer stärkerem Maße an die höheren Schulen und Universitäten als Mittel ihres sozialen Aufstiegs zu drängen begann, erließ der Zar die Weisung, daß der Anteil der Juden an den höheren Bildungseinrichtungen des Ansiedlungsrayons auf maximal 10% zu beschränken sei. Solschenizyn führt zahlreiche Beispiele an, wie dieser Numerus clausus durch die Gründung von Privatschulen umgangen und praktisch unwirksam wurde, auch bei der weiblichen Jugend. Ein Teil der Juden schrieb sich an mitteleuropäische Universitäten ein und legte nur die Abschlußprüfungen in Rußland ab. Dennoch sieht Solschenizyn die gemeinsame russisch-jüdische Geschichte bis zum 1. Weltkrieg vor allem als eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte und eine Geschichte der gegenseitig wachsenden Anpassung und Toleranz. Die Pogrome, die vor allem ab 1881 zahlreiche Juden zur Auswanderung in die USA oder Mitteleuropa veranlaßten, und die Ursachen dieser Pogrome in der wirtschaftlichen Konkurrenzsituation des einheimischen ukrainischen, polnischen und litauischen Mittelstandes zum jüdischen, spielen in seiner Darstellung nur eine untergeordnete Rolle.
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9 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Prof. Dr. Ulrich M. Schmid schrieb in der Neuen Zürcher Zeitung:

"Bei Solschenizyn lässt sich auch ein Ressentiment gegen das nichtorthodoxe Christentum feststellen. So seien Ritualmordprozesse im Russland des 19. Jahrhunderts «meist auf katholischem Boden» aufgetreten. Mit dieser Argumentationsfigur versucht Solschenizyn den Vorwurf zu entkräften, der berüchtigte Bejlis-Prozess von 1911 stelle eine spezifisch russische Spielart des Antisemitismus dar. Allerdings vergisst Solschenizyn zu erwähnen, dass gerade in diesem Prozess die Ritualmordthese durch den orthodoxen Priester Pawel Florenski und den Religionsphilosophen Wasili Rosanow gestützt wurde."

Eine drastische Wendung zum Schlechteren trat für die jüdische Bevölkerung nach der Ermordung des Zaren Alexander II. 1881 ein: Nachdem bekannt geworden war, dass sich unter den Terroristen eine Jüdin befand, brachen in vielen südrussischen Städten Pogrome los. Vom Thronfolger Alexander III. ist das Diktum überliefert: «Ich muss zugeben, dass ich mich freue, wenn man die Juden verprügelt!» Solschenizyn bezeichnet dieses Zitat als «üble Verleumdung», ohne freilich den Nachweis für die Richtigkeit seiner Behauptung führen zu können. Ausserdem verlegt sich Solschenizyn bei der Darstellung der Pogrome auf eine kleinliche Rechenübung und versucht darzulegen, dass die Opferzahlen in jüdischen Publikationen künstlich aufgebauscht worden seien. Wirklich bedenklich ist aber Solschenizyns mystische Historiosophie, die für das Schicksal jedes Volks einen Zusammenhang von Schuld und Sühne postuliert. 1911 wurde der russische Ministerpräsident Stolypin in Kiew von einem jüdischen Terroristen ermordet. Solschenizyn errichtet auf dieser Tatsache eine empörende Spekulation und deutet das Massaker der Nazis an den Kiewer Juden 1941 als metaphysische Strafe für die Ermordung Stolypins."

Nach der Hälfte des Buches mußte ich es wütend in die Ecke schleudern Ich persönlich halte Solschenizyns letztes Werk für ein übles Machwerk, das es fast unmöglich macht ihn weiterhin als großen Autor zu würdigen.
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