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Zweier ohne: Novelle
 
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Zweier ohne: Novelle [Gebundene Ausgabe]

Dirk Kurbjuweit
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 136 Seiten
  • Verlag: Nagel & Kimche (16. August 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3312002893
  • ISBN-13: 978-3312002894
  • Größe und/oder Gewicht: 19,4 x 12,3 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 556.638 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Dirk Kurbjuweit
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Bodenlose Gemeinsamkeit

«Zweier ohne» – Dirk Kurbjuweits meisterhafte Novelle

«In der Nacht, als das Mädchen vom Himmel fiel, wurde Ludwig mein Freund.» Mit diesem märchenhaft intonierten Satz beginnt eine bewundernswert dichterische Erzählung, die ihr Autor etwas altmodisch als «Novelle» präsentiert. Doch nichts wirkt antiquiert an diesem strengen, scharf geschliffenen Text, mit dem der 39-jährige Romancier Dirk Kurbjuweit sprachliche Kunstfertigkeit auf ästhetisch eindringliche Weise Stil werden lässt. Formal und thematisch aber vollzieht sein schönes kleines Buch tatsächlich eine überzeugende Rückwendung zu jener angeblich längst abgetakelten literarischen Gattung der Novelle, deren klassisch konzentrierte Struktur hier der Geschichte vom fatalen Scheitern einer Jugendfreundschaft beklemmende Dichte verleiht.

Von Anfang an birgt das Geschehen von «Zweier ohne» – gemeint ist ein Boot für zwei Ruderer ohne Steuermann – die Schatten einer «Ungeheuerlichkeit» in sich. So nennt der rückblickende Erzähler in seinem Monolog das, was Goethe im Gespräch mit Eckermann als «unerhörte Begebenheit» bezeichnete. Bei Kurbjuweit ereignet sie sich sofort in der Eröffnungsszene seiner Geschichte: als ein für den Leser zunächst rätselhafter Höhenflug eines Mädchens, der zwangsläufig im Absturz endet. Denn keine Lichtgestalt schwebt da im Dunkel, sondern ein todessüchtiges Wesen, das den Weg in den Abgrund gesucht und sich von einer Brücke gestürzt hat. Und gleich nebenan, fast unter dieser Brücke, wohnt Ludwig, der Schulkamerad des Erzählers.

Wie präzise auch die Architektur der Brücke ins Bild gesetzt ist, für die beiden Knaben bleiben entscheidende Daten ungewiss: «Ich weiss bis heute nicht, wie viele Pfeiler sie hat, obwohl ich oft versucht habe, sie zu zählen . . . Ich kann nur sagen, dass es 15, 16 oder 17 Pfeiler waren, aus hellem Beton, stämmig und doch verstörend schmal, zu schmal für den Wind, für die grossen Laster, für vier Spuren Autobahn. Ich weiss auch nicht, wie hoch die Brücke ist, ich kenne keine genaue Zahl, obwohl wir uns viel damit beschäftigt haben. Hoch wie der Himmel, sagten wir als kleine Jungs . . . Ich weiss nicht, ob das stimmt. Man kann so schlecht in den Himmel hinein schätzen.»

Zeichenhaft und damit weniger deutlich als Leitmotiv akzentuiert, taucht die Brücke immer wieder an wesentlichen Punkten der Erzählung auf. Als ambivalentes Symbol des Empirischen, des Verbindenden sowie des Trennenden, des Absoluten. Wie in einer Ballade verströmt ihre Silhouette etwas Unenträtselbares, ja Beängstigendes, das den Leser bannt und ihn Unvermeidliches ahnen lässt: «Ich war nicht sicher, ob Ludwig zu mir passt. Dann fiel das Mädchen vom Himmel.» Für die beiden Schüler hingegen wird der dramatische Zufall des unheimlichen Ereignisses zum Auslöser eines Gefühls der Verbundenheit. Pubertär nach Selbstbestätigung durch ein verwandtes Du suchend, gelangen sie über das gemeinsame fatale Erlebnis zu einem wortlosen Einverständnis, zur komplizenhaften Vertraulichkeit von Augenzeugen, die sie für Freundschaft halten. Denn «nur ein Freund konnte einem ununterbrochen das Gefühl geben, da zu sein».

So jedenfalls erklärt es der Erzähler Johann in seiner geradlinigen Diktion, die auf angenehme Weise ohne Versatzstücke aus dem modisch deftigen Vokabular verbal auftrumpfender junger Männer auskommt. Stärker noch als Ludwig ist der mit seiner grämlichen, vom Vater verlassenen Mutter allein lebende Johann mangels Zuwendung und Führung in seinem Selbstbewusstsein unterentwickelt. Mehr als der zunächst dynamischere und elastischere Gefährte bedarf er, um sich authentisch zu fühlen, der konturierenden Spiegelung seines Ich in der ihm allerdings nur vermeintlich zugänglichen Seele des anderen.

Ergeben folgt er dem Freund nach Hause, wo «alles anders war, als ich es kannte, Holzdielen, die bei jedem Schritt knarrten, als liege jemand darunter und beschwere sich über die Störung».  Wiederum ist es nur ein minimaler Verweis, der die kleinweltliche Atmosphäre dieses Handwerkerhaushalts überhöht. In einer schäbigen Werkstatt repariert da ein «verlegener Vater» mit «sehr dünnen Beinen» Motorräder, beobachtet von einer unauffälligen weiblichen Gestalt, die eine ölverdreckte Katze streichelt: «Ich weiss nicht mehr, was mein erster Eindruck von Ludwigs Schwester war. Ich glaube, ich habe sie nicht wahrgenommen, sondern die Katze. Es waren keine guten Gedanken.»

Trotz der beiläufigen Vorwarnung vor einer sich unterschwellig andrängenden dunklen Wirklichkeit folgt Johann seinem gelegentlich durchaus herrischen Kumpel bei allen kühnen Unternehmungen. Konfliktscheu und ohne Gegenwehr, mehr fasziniert als willig, lässt er sich auf äusserst riskante Mutproben ein, denen Ludwig ihn auf der Brücke unterzieht. Schliesslich wollen sie ja «Zwillinge» sein und im wörtlichen wie im übertragenen Sinn ins «Gleichgewicht» kommen. Das gelingt ihnen auch für einige Zeit in einem weniger luftigen, weniger gefährlichen Bereich als dem der «hohen, sehr hohen» Brücke: Johann, der «den Fluss darunter liebt», ist Mitglied im Ruderklub und beginnt mit Ludwig Regatten im Zweierboot ohne Steuermann auszutragen. Scheinbar nur auf dem Wasser autark, spürt er allerdings auch hier bald die zwiefache Bodenlosigkeit ihrer Beziehung. Denn plötzlich bringt sein Freund aus unerklärlichen Gründen die beiden Ruderer durch manisches Essen aus der Gewichtsbalance.

Mit virtuoser Dezenz hält Kurbjuweit Ludwigs ambivalentes Spiel zwischen fordernder Annäherung und verhohlener Abkehr in der Schwebe. Allein ein kunstvolles Verweissystem von Zeichen lässt ahnen, dass wirkliche Gemeinsamkeit hier nur punktuell im Ausloten von Grenzsituationen aufscheint. Nähe und Distanz, Vertiefung und Verletzung, Offenheit und Verhüllung überspielen die geheimnisvolle Präsenz des Faktums. Trügerisch wird sie übermalt von den unpathetisch schraffierten erotischen Initiationen der beiden Heranwachsenden. Schon lange ist erwachende Sexualität in der deutschsprachigen Literatur nicht mehr mit solch feinfühliger Verhaltenheit und Intensität in Szene gesetzt worden.

Dass voreinander geheim gehaltene Rituale jeweils Wendepunkte in der ohnehin prekären Freundschaftsbeziehung setzen könnten, bleibt dank der raffinierten, unaufdringlich kriminalistischen Handlungsführung des Autors Dirk Kurbjuweit unvorhersehbar. Die Gründe für das finale Scheitern dieser Vertrautheit ohne Innerlichkeit kennt nur ein ganz anderer Steuermann, der von Anfang an den Kurs vorgegeben hat. Ihn aufzuspüren, wird dem Leser überlassen, dessen empathischem Bedürfnis diese Novelle auf wahrhaft klassische Weise entgegenkommt.

Ute Stempel.

Pressestimmen

"Seit Grass und "Katz und Maus" hat man nicht mehr so schön von dieser Zeit gelesen, in der Gefühle nur in Wirbeln auftreten und Glück immer auch traurig macht. Ein kleines Buch, in dem eine Stille herrscht, wie nach einem Unglück." Die Zeit, 27.12.2001

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Ein leises eindringliches Buch über zwei Jungen auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden. Freundschaft und Gefolgschaft, Wortlosigkeit und die eigene Welt von Jugendlichen finden ihren Ausdruck in einer merkwürdig unspektakulären Sprache und z.T. skurillen Bildern und Ereignissen. Das Buch geht auf eine sehr stille Art unter die Haut.
Mich beschlich ein Gefühl von Wärme und Trauer für die beiden "Hauptdarsteller" des Buches und erinnerte mich nach Jahrzehnten wieder an mein eigenes Gefühl von "Eingesperrtsein in den eigenen Körper und das Abgetrennt sein von der Welt der Erwachsenen und der gerade abgestreiften Kindheit - zuhause nirgendwo.

Lesenswert für Jugendliche (junge Männer und Frauen) - und deren Eltern.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
Von Inga
Format:Broschiert
Nun, wir haben den Kram mit der Schule gelesen und ehrlich gesagt wahr ich zunächst... wenig begeistert und auch beim Lesen dachte ich... naja... hm...
Dann hab ich allerdings das ganze Buch an einen Nachmittag durchgelesen und war am Ende ziemlich begeistert. Wenn man wirklich drüber nachdenkt ist das Buch im Grunde ziemlich genial, das beste war allerdings, dass Johann am Ende NICHT eingesehen hatte, dass Vera recht hatte... Das hat es ziemlich realistisch gemacht. Das Buch ist im ganzen unglaublich Realistisch. Manchmal so eklig, dass du es am liebsten weglegen würdest (Ich sag nur Josephine ;)) und manchmal so lustig, dass ich laut gelacht habe, obwohl ich allein war. Dann wieder bemerkenswertes Unverständnis und Verleugnung von Johanns Seite aus, was wirklich sehr realistisch war, muss ich sagen. Ludwig habe ich bis zum Ende nicht ganz einschätzen können und auch die inneren Monologe und sowas aus Ludiwgs Sicht sind mir ziemlich schwer gefallen, weil er einfach so eine geniale Figur ist. Also,ich denke, man kann sagen, dass das Buch im ganzen ziemlich genial ist. Allein wäre ich nie drauf gekommen es zu lesen, aber ich kann es nur weiter empfehlen!!!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Beeindruckend 19. Mai 2010
Format:Broschiert
Da eine recht ausführliche Inhaltsbeschreibung von anderen Rezensenten vorliegt, beschränke ich mich hier auf meine eigenen Eindrücke des Inhalts. Ein paar Rezensenten kritisierten den fehlenden Spannungsbogen der Erzählung. Dem kann ich mich nur bedingt anschließen. Zwar stimmt es, dass Kurbjuweit auf die Konstruktion eines Spannugsbogens verzichtet hat - dies tat er allerdings meiner Meinung nach völlig bewusst. Denn der leicht melancholische Unterton, der sich durch die gesamte Novelle zieht, bereitet den Leser bereits sehr früh auf das vor, was einem der beiden Protagonisten des Buches letztendlich widerfahren wird. Nicht "dass" es passiert, ist daher die Frage, sondern nur noch das "wann" und "wie". Insofern sollte man diese Novelle vielleicht nicht im Tenor eines klassischen Romans lesen, in denen ein Spannungsaufbau etc. ja durchaus Sinn macht und die Geschichte vorantreibt. Doch in dieser Novelle setzt der Autor meines Erachtens andere Schwerpunkte. Schreibstil, Erzählweise und das Thema benötigen daher diesen Spannungsaufbau gar nicht, würden vielleicht sogar eher stören beim Blick auf die Empfindungen (Wehmut, Melancholie, Verlust einer Freundschaft und vieles mehr) des Ich-Erzählers. Dieser Stil, finde ich, hat durchaus 5 Sterne verdient. Einziger Wermutstropfen: die Kürze des Buchs. Wenn der Autor ein paar weitere kleine Geschichtchen in die Geschichte eingebaut hätte, würde ich hier 5 Sterne vergeben haben. So wurden's nur vier.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Die neuesten Kundenrezensionen
nicht lesenswert
Der Roman verkettet zahlreiche Ereignisse steigender Kuriosität ohne jegliche Struktur.
Dabei ist fraglich wen das Buch ansprechen soll: Die Sexszenen schließen... Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von Leonard veröffentlicht
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Johann und Ludwig - im ersten Teil der Erzählung zwölf, dann 17 bzw. 18 Jahre alt - werden beste Freunde. Lesen Sie weiter...
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Veröffentlicht am 1. Dezember 2009 von Saskia Dunst
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Das Buch war am anfang ziemlich unzugänglich erst wenn man etwas tiefer einsteigt erschließt sich einem diese Lektüre und dann ist es richtig gut. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 20. September 2009 von E. Ofen
Eines der schlechtesten Dinge, die ich je lesen musste
Dirk Kurbjuweit schrieb mehrere wirklich gute Reportagen für Die Zeit und für den Spiegel, von welchem er auch der Chefredakteur ist, aber die Novelle Zweier Ohne ist... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 20. Oktober 2008 von Gunnar Endruschat
Eine realitätsnahe Jugendfreundschaft, die am Ende fraglich wird
Ich hatte endlich die Möglichkeit das Buch Zweier ohne", dass von vielen Leuten in höchsten Tönen empfohlen wird, von Dirk Kurbjuweit im Deutschunterricht zu... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 5. Juni 2008 von TomTom
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Am 25. Juni 2004 veröffentlicht
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Das Buch fand ich sehr schön geschrieben. Der Autor geht zwar in manchen Teilen des Buches etwas zu genau auf Kleinigkeiten ein, sonst aber sehr gelungen, grade wenn man... Lesen Sie weiter...
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Am 13. Februar 2002 veröffentlicht
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