Sophie und Maximilian werden bei einem Luftangriff in Frankfurt am Main in einem Luftschutzkeller verschüttet. Sie sind die einzigen Menschen in diesem Raum, zwei völlig Fremde. Sie kommen sich näher und verlieben sich ineinander, können jedoch nach dem Freikommen nicht zusammensein, da beide verheiratet sind und Kinder haben. Mit einem Unterschied: Sophie muss jeden Pfennig mehrfach umdrehen und verstecken, bevor ihr Mann ihn versaufen kann, während Maximilian zu einer der reichsten Familien der Stadt gehört. So beschließen beide, jedes Jahr an einem bestimmten Tag jeweils genau fünf Minuten am Römer zu warten und es als Schicksalszeig zu werten, wenn sie sich in dieser Zeit dort begegnen.
Dieses Buch hat mich maßlos enttäuscht. Die Aufmachung und der Klappentext sind wunderschön und vielversprechend, sodass dieses Buch sofort auf meiner Wunschliste landete. Erste Zweifel kamen mir, als ich feststellte, dass Rebecca Stephan das Pseudonym von Steffi von Wolff ist, die bislang eher durch "Bücher aus dem lustigen Genre" (LovelyBooks Teamblog) auffiel. Da war es jedoch schon zu spät, weil ich das Buch bereits besaß. Doch man soll ja nicht vorschnell urteilen. Und so versuchte ich, unvoreingenommen an das Buch heranzugehen und mußte bereits auf den ersten 100 Seiten eine hohe Frustrationstoleranz aufbauen.
Der Schreibstil ist platt, unausgereift und oberflächlich. Von einem Buch dieser Aufmachung hatte ich einen poetischen und in Metaphern verschlungenen Schreibstil erwartet. Stattdessen ist er simpel, kitschig und lässt den Leser kaum selbst denken, sondern erklärt alles explizit (bspw. "er wünschte sich, dass xyz, aber das ging natürlich nicht"). Zudem sind die Dialoge, besonders in den Kellerszenen, hölzern und klischeehaft (Sophie: "Wenn ich daran denke, dass ich ab heute wieder mit ihm zusammenleben muss, graust es mich.", Lotti: "Was ich verstehen kann. Trink doch deinen Tee.", S. 123). Die Anfangssituation an sich ist wenig glaubwürdig. So bindet Sophie einem ihr zunächst völlig Fremden noch innerhalb der ersten Stunde die unglückliche Geschichte ihrer Ehe auf die Nase. Innerhalb weniger weiterer Stunden zickt sie ihn schon das erste Mal an, was Maximilian natürlich entzückend findet. Immer wieder musste ich das Buch zuklappen und mich neu aufraffen, was dadurch weiter erschwert wurde, dass sich immer wieder innerhalb kurzer Folge Widersprüche fanden ("Aber sie hielten sich an ihre Abmachung. Sie warteten genau fünf Minuten, dann gingen sie wieder ihrer Wege. Manchmal blieb Sophie ein wenig länger, nur einige Sekunden, [...]", S.145f). Während der Jahre, die vergehen, schreiben sich die beiden Briefe, die sie jedoch nicht abschicken. Ich kann nachvollziehen, dass die Autorin dieses Mittel nutzen wollte, um die historischen Gegebenheiten zu beschreiben, z.B. das Leben als Trümmerfrau, das Sophie zeitweise führt. Ich fand diese Briefe aber oft missglückt, weil beide Protagonisten einfach sehr viel jammern und sich selbst bemitleiden. Wenn man sich wirklich in jemanden ungemein Reiches verliebt und ihn wirklich liebt, würde man ihm dann wirklich so ausführlich die eigene prekäre finanzielle Lage vorhalten, sodass derjenige zwangsläufig unter starken Schuldgefühlen leiden würde? In diesen Passagen war mir Sophie immer sehr unsympathisch.
Gut dagegen - um hier das Buch nicht vollends zu zerreißen - fand ich die Szenen, in denen sich beide immer knapp verpasst haben. Wobei es mir auch hier wieder auf die Nerven ging, dass diese Szenen dann noch ausführlich und explizit erklärt wurden, sodass auch der letzte begreift, dass die beiden sich gerade knapp verpasst haben. Ich denke, Andeutungen und Interpretationsspielraum hätten hier den Effekt wesentlich verstärken können. Das Ende hat mich dann wieder ein bißchen versöhnt und noch einen Bewertungspunkt gerettet, da es letztlich nicht ganz so kitschig wurde wie befürchtet. Alles in allem war dieses Buch für mich aber die reinste Enttäuschung.